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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-03-17 · 3 (17.3.1926) · p. Seite 55

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
3 (17.3.1926)
Article
Die Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden zu Augsburg
Date
1926-03-17
Page
Seite 55 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 55 - Brunnenhof vorläufige Verfassung zustande kam, sich der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden seine endgültige Verfassung gegeben hat, ist das Zeichen eines inneren Wachstums des Verbandes, das Zeichen einer inneren Kräftigung und Festigung. Und so ist feftzuftellen, daß die schweren Zeiten, die die deutsche und insbesondere auch die bayerische Iudenheit mitgemacht haben, wie alles Schwere, das jemand, ohne sich restlos aufzugeben, getragen hat, neue Kräfte wachgerufen und zur Entfaltung gebracht haben; Kräfte, von denen mit Sicherheit erwartet werden kann, daß sie zum besseren führen. Vielleicht war es ein Symbol, daß die diesjährige Tagung des Verbandes mit der Besichtigung eines Kunstwerkes begann — auf architektonischem Gebiete — der neuen Synagoge der Augsburger Gemeinde. Die Augsburger Synagoge, die am 4. April 1917 eingeweiht worden ist, ist das neueste Bauwerk dieser Art in Deutschland. Seitdem sind leider weitere Bauten — man braucht die Gründe nicht zu nennen — trotz des vorhandenen BedürftrisseS unterblieben. Der Bauauftrag erfolgte auf Grund eines im Jahre 1912 ausgeschriebenen Wettbewerbes, bei welchem der Architekt Dipl.-Ing. Fritz Landauer, der den Münchnern besonders als der Schöpfer des Gefallenendenkmals bekannt sein dürfte, und der auch bei Synagogenwettbewerben in Wien und in Würzburg (hier an erster Stelle!) als Preisträger hervorging, für ein Projekt allein, für ein zweites, unter Mitarbeit von Architekt H. Lömpel, je einen 1. Preis davontrug. Das letztere Projekt wurde mit gewissen Abänderungen der Ausführung zugrunde gelegt. Die Augsburger Synagoge gilt allenthalben als ein Werk von hervorragender kunftgeschichtlicher Bedeutung, als eine hervorragende künstlerische Lösung des Gotteshauses der deutschen Juden. „Ein Bau des 20. Jahrhunderts, der für die geistige und ethische Richtung des deutschen Judentums unserer Zeit einenvorzüglichen Ausdruck gibt und gewissermaßen die kürzeste Formel des zeitgenössischen Synagogenbaues darstellt", urteilt der Münchner Kunsthistoriker Dr. Gg. Jakob Wolf. Die Aufgabe, die hier den Künstlern gestellt war, war keine leichte. So bestand vor allem die rein örtliche Schwierigkeit, an einer von Westen nach Osten führenden Straße ein Gebäude zu errichten, das aus Kultgründen nach Osten orientiert sein mußte. Die weitere Schwierigkeit, die zu überwinden war, bestand darin, daß zwei Gemeinde- und Verwaltungsgebäude zusammen mit dem Gotteshaus errichtet werden mußten, die Straßenfront, die zur Verfügung stand, aber nur eine verhältnismäßig geringe ist. Es war daher ein glücklicher Gedanke der Schöpfer zu nennen, daß sie die Verwaltungsgebäude an die Straßenfront legten und den Besucher des Gotteshauses von der Straße aus durch eine Säulenhalle in einen Brunnenhof und von dort durch eine Vorhalle in das Tempelinnere führen, ihn so dem Lärm und Getriebe des Tages langsam entrückend. Den tiefen Eindruck, den das Innere des Gotteshauses auf den Beschauer ausübt, schildert der Orientalist Dr. August L. M e y e r wie folgt: Das Innere nun, ein 26 Meter hoher Zentral-Kuppelbau, ist von außerordentlicher Schönheit der Verhältnisse. Ebenso wie bei dem Außenbau ist hier nirgends etwas äußerlich von orientalischen Bauten entlehnt, aber überall merkt man, wie die intellegenten Architekten den tiefsten Sinn byzantinischer und maurischer Baukunst erfaßt und in modernem Sinn für ihre Zwecke verwendet haben. Das Licht ist stark gedämpft, die kleinen Fenster der Kuppel sind diskret bemalt, die großen halbkreisförmigen Öffnüngen der Tonnen von einem reichen steinernen Netzwerk durchwirkt, und auch hier die kleinen Scheiben von zierlichen Mustern überzogen. So kann das Tageslicht nur zerstreut hereindrmgen, gedämpft bis zu jenem Grad von Helligkeit, den die Raumbenutzung erfordert. In dieser Beleuchtung nun erhält das leicht ins Violett schimmernde Grau des Lahnmarmörs der unteren Partie und das tiefe, von Goldmosaik durchwirkte Grün der Kuppel und der weit geschwungenen Tonnenbogen einen besonders 'starken Stimmungswert von höchst feierlichem Klang. Der östliche Abschnitt des Zentralbaues ist als der hauptsächlichste Kultraum in eigenartiger Weise betont und leicht von dem übrigen Teil abgehoben: durch zwei mächtige, von großen geflügelten Greifen gehaltene siebenarmige Leuchter, die sich auf zwei die Estrade flankierenden Pfeilern in feierlicher Wucht über die Brüstung der Frauenempore erheben. An den drei Vorderwänden der Frauenempore sieht man sechs medaillonartige Schilde, die paarweise vereint die nach den Segensworten von Jakob und Moses gebildeten Symbole der zwölf Stämme in bunter Fassung wiedergeben. Nicht minder gelungen als diese Reliefs sind die growmM s/w- Straßenfront der Synagoge

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