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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1926-02-08 · 2 (8.2.1926) · p. Seite 28

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
2 (1926)
Issue
2 (8.2.1926)
Article
Ergebnisse der Erhebung des Münchener Ausschusses für Kriegsstatistik der Juden
Date
1926-02-08
Page
Seite 28 (sequence 3)
Language
German
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28 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 jüdische Ausländer in großer Zahl. Zieht man daher von der obigen Ziffer 11083 die Anzabl der 1910 gezählten, im Ausland geborenen Münchener Juden ab (3030)', so kommen wir auf eine Grundziffer von 8053 und auf eine Kriegsteilnehmerziffer von 15,4 Prozent. Von 1905 bis 1910 war die Zahl der in Deutschland geborenen Juden von 7468 aus 8053 gestiegen, also um 8 Prozent. Machen wir diesen Zuschlag, wie wir dies oben für die jüdische Bevölkerung überhaupt getan haben, aus die in Deutschland geborenen Münchener Juden der Volkszählung von 1910, so ergibt sich eine Bevölkerungsziffer von 8377 und eine Kriegsteilnehmerziffer von 14 Prozent. Legen wir statt der weniger geeigneten allgemeinen Grundziffer die geeignete engere Grundzifser (wehrfähige Bevölkerung männlichen Geschlechtes) zugrunde und ziehen wir von den 3817 männlichen Einwohnern jüdischer Konfession in München im Alter von 15 bis 50 Jahren (1910) die im Ausland geborenen Münchener Juden dieser Bevölkerungsgruppe ab (1327), so kommen wir zu einer Ziffer von 2490 und zu einer Kriegsteilnehmerziffer von 50. Von den wehrfähigen deutschen Juden Münchens nahmen also 50 Prozent amKriege teil. VI Das vom Ausschuß der Kriegsstatistik in Berlin gesammelte Material ist 1921 erschienen«. Darnach beträgt die absolute Zahl der bisher ermittelten jüdischen Kriegsteilnehmer in Deutschland 84352 oder 15,66 Prozent der bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 festgestellten jüdischen Bevölkerung. In dieser Zahl sind aber nicht inbegriffen Elsaß-Lothringen und Provinz Posen (aus naheliegenden Gründen); ferner nicht Hamburg, weil diese Gemeinde mit ihrer Statistik nicht rechtzeitig fertig geworden ist. Nimmt man an, daß in diesen Gebieten die Kriegsteilnehmerzahl ebenso groß war wie im übrigen Deutschland und zieht von der Grundziffer die Zahl der im Ausland geborenen Juden ab, so kommt man auf 96 327 jüdische Kriegsteilnehmer bei einer Grundziffer von 555 000, also auf 17,3 Prozent (gegen 15,4 Prozent für München). Nimmt man im ganzen Deutschen Reich 121/2 Millionen Kriegsteilnehmer an, wie es Segall S. 11 tut, so ergibt sich bei einer Bevölkerung von 68 Millionen (1914) ein Prozentsatz von 18,38 und nach Abzug der Ausländer von der Bevölkerungsziffer ein Prozentsatz von 18,73 Prozent. Die drei Ziffern (15,4, 17,3, 18,7) weichen also nicht erheblich voneinander ab. Kriegsfreiwillige waren unter den deutschen Juden 10 073, also 12 Prozent (gegen 24 Prozent in München). An der Front waren 65 418 oder 68 Prozent. 2r. Segall nimmt S. 28 an, daß von den 1272 Millionen deittschen Kriegsteilnehmern etwa 10 Millionen an der Front waren, also 80 Prozent (bei den Münchner Juden waren es 60 Prozent). Gefallen (oder sonst f) sind nach der Berliner Statistik von 84 352 jüdischen Kriegsteilnehmern 9216 und einschließlich der 873 Vermißten 10089 oder 12 Prozent (von den Münchner Juden 10 Prozent), mit Einschluß von Elsaß-Lothringen, der Provinz Posen und Hamburg (Berechnung auf Grund des Reichsdurchschnittes) 12 000. In der Schrift „Die deutschen Ärzte im Weltkrieg" von Prof. Hoffmann, zitiert von Segall S. 31, hat Oberstabsarzt Prof. Dr. Schwiering die Gesamtzahl der Todesfälle im deutschen Heere mit 1686 061 angegeben, d. s. 13,4 Prozent der zum Kriegsdienst Eingezogenen (127z Millionen, s. 0.). Was die Auszeichnungen und Beförderungen betrifft, so sind von den deuffchen Juden 35 Prozent dekoriert und 23 Prozent befördert worden (von den Münchner Juden — deutscher Militärverband — 58 Prozent dekoriert, 63 Prozent befördert). Den Offiziers¬ 7 Der Begriff der im Ausland geborenen Bevölkerung und der Begriff der der Staatsangehörigkeit nach nicht-deutschen Bevölkerung ist zwar nicht identisch, aber der Unterschied dürfte wegen der bekanntlich sehr geringen Naturalisation der jüdischen Ausländer nicht sehr groß sein. Es ist sogar anzunehmen, daß ein großer Teil der jüdischen Ausländer nicht im Ausland, sondern in Deutschland geboren ist, so daß unser Abzug eher zu klein als zu groß ist. 8 Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914—1918. Eine statfftische Studie von Dr. Jakob Segall, mit Vorwort von Prof. Dr. Silbergleit, Philo-Verlag, Berlin 1921. — Vergl. auch von demselben Verfasser: Aus den Ergebnissen der jüdischen Kriegsteilnehmerstatistik (hauptsächlich Ostpreußen). Zeitschr. f. Demographie und Statistik der Juden XV 8—12, 1919. rang erhielten von den deutschen Juden 2022 oder 2,4 Prozent (von den Münchner Juden im deutschen Militärverband 16 Prozent). Berücksichtigt man, wie schwierig die Erhebung sowohl im Reiche als auch in München war („Stattstik von Abwesenden, meist unbekannten Aufenthalts" nennt sie Professor Silbergleit in seinem Vorwort zur oben zitterten Schrift von Segall), so kann man trotz der Lücken und Fehlerquellen, welche ganz besonders umfassenden Privatstatistiken anzuhaften pflegen, doch mit großer Befriedigung auf die Arbett blicken, die die deuffchen Juden mit ihrer Kriegsstatistik geleistet haben. Aber auch sachlich ist das Ergebnis nicht unbefriedigend, sowohl für die deutschen Juden überhaupt als auch für die Münchner Juden, wenn wir die gewonnenen Ziffern (Kriegsteilnehmer überhaupt, jüdische" Kriegsteilnehmer in Deuffchland, jüdische Kriegsteilnehmer in München) miteinander vergleichen, wie namentlich folgende Zusammenstellung der wichtigsten obigen Ziffern zeigt: überhaupt Luden in Deutschland Luden in München Kriegsteilnehmer (% der Bevölkerung) 18,7 17,3 15,4 Kriegsfreiwillige 1? 12 24 Frontkämpfer! 80 68 60 Gefallene einfchl. Vermißte - 13,4 12 10 Nach der Veröffentlichung des Buches von Segall find amtliche Ziffern über die Zahl der deutschen Kriegsteilnehmer und die deutschen Kriegsverluste erschienen. (Stat. Jahrb. f. d. Deutsche Reich 1921—22, S. 27, Wirtschaft und Statistik II 13/14, S.487, III 18, S. 582). Mobilisiert wurden 13,25 Millionen. Davon sind f 1824 051. Andere, ebenfalls amtliche Ziffern für die deutschen Kriegsverluste sind 1711154 (Standesämter), 1667 039 (Leichenschauscheine), 1846 293 (Zentralnachweisamt für Kriegsschauscheine), 1846 293 (Zentralnachweisamt für Kriegsverluste). In Wirtschaft und Statistik III 583 wird die Verlustziffer auf 12,9 Prozent (Standesämter) bzw. 14,0 Prozent (Zentralnachweisamt) angegeben7 8. VII. Bekanntlich gibt es auch eine amtliche Stattstik der Teilnahme der Juden am Kriege. Die Erhebung beruht auf einer Anordnung des preußischen Kriegsministeriums vom 11. Oktober 1916. Leiter der Erhebung war Oberst v. Wrisberg, damals Departementsdirektor im preußischen Kriegsministerium. Vgl. d. Anm. Die Erhebung wurde bei sämtlichen Truppen, Militärbehörden und Bezirkskommandos auf Grund eines vom Kriegsministerium aufgestellten Fragebogens vorgenommen. Die Ziffern sind nur von privater Seite veröffentlicht". Eine eingehende Kritik der Methoden und Ergebnisse dieser Erhebungen über die Juden im Heer vom Standpunkt der statistischen Wissenschaft hat Franz Oppenheimer in seiner in der Note zitierten Schrift geliefert. Es kann nicht in der Absicht dieser Studie liegen, die überzeugenden Argumente Oppenheimers, deren Wirksamkeit nur leider durch den in seiner Schrift festgehaltenen stark polemischen Ton beeinträchtigt wird, zu wiederholen. Nur auf zwei besonders wichtige Fehlerquellen sei hingewiesen. Die Erhebung greift willkürlich einen bestimmten Augenblick während des langen Krieges 8 Nach Abschluß des Manuskriptes sind erschienen: Jahrbuch f. d. Deutsche Reich 1924/25, S. 24 ff., Oldenberg. „Der Bevölkerungsverlust im Weltkrieg", Schmollers Jahrbuch 49, 3, 1925, S. 589 ff. 10 Zuerst von Otto Armin (Pseudonym): „Die Juden im Heer. Eine statistische Untersuchung nach amtlichen Quellen." Deuffcher Volksverlag München. Dann von Ernst v. Wrisberg, Generalmajor a. D., in seinen Kriegserinnerungen: Heer und Heimat 1914 bis 1918, Leipzig 1922. Maßgebend sind die Ziffern von W. (s. im Text), die Angaben von Otto Armin stimmen aber mit ihnen überein, sind sogar in manchen Beziehungen ausführlicher und zuverlässiger. Vgl. Franz Oppenheimer in seiner Schrift „Die Judenstatistik des preußischen Kriegsministeriums", 1922, Verl. f. Kulturpol., München.

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