Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 2 (8.2.1926)
- Article
- Ergebnisse der Erhebung des Münchener Ausschusses für Kriegsstatistik der Juden
- Date
- 1926-02-08
- Page
- Seite 27 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 27 wendbar) zurückkamen (1100 Sendungen waren als unbestellbar zurückgekommen). Ihr Inhalt wurde' unter Ausscheidung von doppelt Gezählten auf Zählblättchen nach dem Muster der Kartothek des Berliner Büros für Kriegsstatistik übertragen. Am 5. März 1920 wurden dem Berliner Büro 1289 Zählblättchen übersendet. Die Differenz zwischen 1608 und 1289 rührt hauptsächlich davon her, daß die Erhebung des Berliner Büros sich auf die dem deutschen Militärverband angehörenden Kriegsteilnehmer beschränkte, während die Münchener Erhebung sich auf die dem österreichisch-ungarischen Miltärverband angehörenden, jüdischen Kriegsteilnehmer erstreckte. Inzwischen hatte sich in München ein Bund jüdischer Frontsoldaten gebildet, welcher ebenfalls eine Erhebung veranstaltete. Wegen der Eigentümlichkeiten dieser Erhebung (Beschränkung auf die Frontsoldaten, näheres Eingehen auf die Art des militärischen Verhältnisses, auf das Schicksal des einzelnen), stellte es sich als untunlich heraus, die beiden Erhebungen miteinander zu verschmelzen. Jedoch benützte der Bund jüdischer Frontsoldaten unser Material und erwies sich dadurch erkenntlich, daß er als besonders sachkundig die Zusammenstellung der Ergebnisse unserer Erhebung in Tabellenform übernahm. HP. Die Zählung ergab eine Anzahl von 1608 jüdischen Kriegsteilnehmern. Ihr Alter war bei 702 unter 30 Jahren, 544 30—40 Jahre, 335 40—60 Jahre. Die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen 1241, die österreichische oder ungarische 355. 482 hatten vorher aktiv gedient, 921 hatten die Berechtigung zum Einjährigen-Freiwilligen- Dienst; als Kriegsfreiwillige rückten ein 334. Was die Waffengattung betrifft, so gehörten an: der Infanterie (einschl. Masch.-Gew.- Abt.) 896, der Artillerie 284, der Kavallerie und dem Train 82, den Pionieren (technischen Gruppen) 148, den Flugabteilungen 11, dem Sanitätspersonal 152, der Verwaltung 78. Was die wichtige Frage des „Frontdienstes" anlangt, so ergab sich, daß 977 Mann oder 60 Prozent der Kriegsteilnehmer 24 413 Monate an der Front (im Operationsgebiet) tätig waren, also durchschnittlich jeder 24,9 Monate, 289 Mann 5937 Monate in der Etappe (also durchschnittlich jeder 20,6 Monate) 435 Mann 18 205 Monate (durchschnittlich jeder 42,0 Monate) im Heimatdienst. Befördert wurden: zum Gefreiten 242, zum Unteroffizier, Vizeseldwebel usw. 464, zum Offizier, Feldwebelleutnant 220, davon 14 unter besonderer Anerkennung ihrer Tapferkeit. Auszeichnungen erhielten 916, nämlich 9 Belobung, 49 das Eiserne Kreuz I. Kl., 20 die Tapferkeitsmedaille oder den Militärsanitätsorden, 838 das Eiserne Kreuz II. Kl. Verwundet wurden 165 leicht (Anzahl der Fälle), 215 schwer (Anzahl der Fälle), lazarettkrank wurden 524 (Anzahl der Fälle). In Gefangenschaft waren 81; 8 sind vermißt und 143 gefallen (f). Einschließlich der Vermißten sind also 9,4 Prozent der jüdischen Kriegsteilnehmer tot. IV. . In der Statistik der Bevölkerungsbewegung ist es üblich, die gewonnenen Ziffern in Beziehung zur Gesamtheit zu setzen und demnach von Geburtenziffern, Sterblichkeitsziffern usw. zu sprechen. Da wir auch die Teilnahme am Krieg als einen Akt der Bevölkerungsbewegung im weiteren Sinne des Wortes („Bevölkerungsentfaltung" — v. Mayr) bezeichnen können, so empfiehlt es sich, zur besseren Verdeutlichung der obigen absoluten Ziffern dieselben zur jüdischen Bevölkerung Münchens in Beziehung zu setzen. . Nach der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 (der letzten, in welcher die Konfession berücksichtigt worden war), lebten in München * 11 083 Juden. Bei 1608 jüdischen Kriegsteilnehmern beträgt also die Kriegsteilnehmerziffer 14,5 Prozent. Zu dieser Bevölkerungszifser von 1910 ist nun aber ein Zuschlag zu machen, der der normalen Bevölkerungszunahme in 5 Jahren 3 Soweit sich in den nachfolgenden Ziffern eine Lücke ergibt, rührt sie davon her, daß die betreffende Frage in einem Teil der Fragebogen nicht beantwortet worden ist. Cohen Arthur. Die jüdische Bevölkerung in München 1910 mit besonderer Berücksichtigung der Gebürtigkeit: Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden XV 8—12, 1919. (Auf Grund des vom Verein für die Statistik der Juden gesammelten Urmaterials.) (1910—15) entspricht. Die Zahl der Münchener Juden stieg 1905 bis 1910 von 10 056 auf 11 083, also um 1027 oder um 10 Prozent. Machen wir diesen Zuschlag auf die in München im Jahre 1910 lebenden Juden, so ergibt sich die Ziffer 12191 und eine Kriegsteilnehmerziffer von 13 Prozent. Jedoch genügt nicht immer in der Statistik der Bevölkerungsentfaltung die Beziehung zur Bevölkerungsziffer als solcher, sondern häufig empfiehlt es sich zur größeren Deutlichkeit, die gewonnenen Ziffern in Beziehung zu setzen zu einer engeren Grundziffer: z. B. Fruchtbarkeitsziffer ist das Verhältnis zwischen den in einem Jahre Geborenen und der Anzahl der gebärfähigen (im Alter der Gebärfähigkeit stehenden) Personen weiblichen Geschlechtes. Die für eine Kriegsteilnehmerstatistik geeignete Grundziffer ist die männliche Bevölkerung in wehrpflichtigem Alter (17—45). Ziffern mit dieser Altersgliederung stehen uns nicht zur Verfügung. Wir wissen aber, daß am 31. Dezember 1910 in München 3817 männliche Einwohner jüdischer Konfession im Alter von 15 bis 50 Jahren lebten, und wir können diese Ziffer surrogieren, weil wir keine andere haben, und weil wir dadurch wenigstens zu Annäherungswerten kommen. Schlagen wir die obigen 10 Prozent für den Bevölkerungszuwachs hinzm, so kommen wir zur Zahl 4198 und zu dem Ergebnis, daß von den Münchener Juden im wehrpflichtigen Alter 38,3 Prozent am Kriege teilnahmen. V. Wie oben bereits erwähnt, enthält die Ziffer von 1608 jüdischen Kriegsteilnehmern aus München auch die dem österreichisch-ungarischen Militärverband angehörigen Kriegsteilnehmer, die in München wohnten. Im ganzen sind es 355. Für 352 enthält das Material nähere Angaben. Bei Kriegsende waren 118 zwischen 18 und 30 Jahre alt, 171 zwischen 30 und 40', 55 zwischen 40 und 60. 105 hatten vor dem Kriege aktiv gedient, 54 hatten die Berechtig gung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst, als Kriegsfreiwillige rückten ein 29. 244 waren 4236 Monate 'an der Front (im Operationsgebiet) tätig, also durchschnittlich 17*/» Monate, 171 2398 Monate in der Etappe, also durchschnittlich 14 Monate, 168 2265 Monate in der Heimat, also durchschnittlich 13i/-„> Monate. Zu Gefreiten, Unteroffizieren. Vizefeldwebeln usw. wurden 123 befördert, zum Offizier oder Feldwebelleutnant 25. 198 erhielten Auszeichnungen. Verwundet wurden (Anzahl der Fälle) 51 leicht,' 34 schwer, lazarettkrank 62. In Gefangenschaft waren 44. 5 sind vermißt und 18 gefallen (i). Uns interessiert natürlich besonders die Zahl der dem deutschen Militärverband angehörigen jüdischen Kriegsteilnehmer. Oben siehe III.) haben wir schon diese Zahl festgestellt: 1241°. Bei Kriegsende waren 584 zwischen 18 und 30 Jahre alt, 373 zwischen 30 und 40, 280 zwischen 40 und 60. 377 hatten vor dem Kriege aktiv ge-, dient, 867 die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst; als Kriegsfreiwillige rückten ein 305 oder 24,5 Prozent. 733 oder 60 Prozent waren 20177 Monate an der Front (im Operationsgebiet) tätig, also durchschnittlich 28 Monate, 118 3539 Monate in her Etappe, also durchschnittlich 30 Monate, 267 15 940 Monate in der Heimat, also durchschnittlich 60 Monate. Zu Gefreiten, Unteroffizieren, Vizefeldwebel usw. wurden 583 befördert, zum Offizieröden Feldwebelleutnant 195. 718 erhielten Auszeichnungen. Verwundet wurden (Anzahl der Fälle) 462 leicht, 114 schwer, lazarettkrank 181; in Gefangenschaft waren 37; 3 sind vermißt und 125 gefallen (i)/ Einschließlich der Vermißten sind also 10 Prozent der jüdischem Kriegsteilnehmer des deutschen Militärverbandes tot. - - Wenn wir aber von den Münchener Kriegsteilnehmern die dem österreichisch-ungarischen Militärverband angehörigen abrechnen, so dürfen wir nicht, wie wir das oben bei IV getan haben, die jüdische Bevölkerung Münchens als Grundziffer verwenden, sondern nur die deutschen Juden Münchens. Nun gibt es gerade in München 5 Da im Jahre 1905 in München eine Ausscheidung nach Geschlecht, Alter und Konfession nicht stattgefunden hat, .so Ist es nicht möglich, den Zuwachs von 1910 bis auf 1915 in derselben Weise zu berechnen, wie wir dies oben für die jüdische Bevölkerung m Mün-» chen überhaupt getan haben. - ° Bei 12 Kriegsteilnehmern war ' die Staatsangehörigkeit: nichl angegeben. Bei der Ausscheidung nach Truppengattungen 'ist die: Art des Militärverbandes (deutsch oder österreichisch-ungarisch) nicht berücksichtigt worden,.eine Gliederung nach dem Militärver-' band kann also hier nichl oorgenommen-werdest. :