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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-08-18 · 7 (18.8.1925) · p. Seite 145

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
7 (18.8.1925)
Article
Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden z Würzburg
Date
1925-08-18
Page
Seite 145 (sequence 29)
Language
German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 145 ernsthaftes Problem. Insbesondere soweit es sich um .ostjüdische Kinder handle, könne er ein abschließendes Urteil noch nicht abgeben. Man habe über diese ostjüdischen Kinder vielfach geklagt, sie seien schlecht erzogen und verdürben ihre Umgebung. Es fei sedoch auch hier wie üoerall, daß es guterzogene und schlechterzogene Kin, der bei den Ostjuden gebe. Man müsse sich vor allgemeinem Werturteil hüten. Allerdings gehe man aus dem Lanoe mit gewissem Vorurteil an diese Kinder heran. Dieses Vorurteil sei zu bekämpfen, da in den Vordergrund die Hilfsbereitschaft aller sur alle gerückt werden müsse. Es sei zu begrüßen, daß der Verband nicht nur ein Zusammenschluß der Gemeinden zu religiösen und politischen Zwecken sein wolle, sondern darnach strebe, ein Zusammenschluß der gesamten Judenheit Bayerns zur gemeinschaftlichen Behandlung aller lebenswichtigen Interessen, also auch der auf sozialem Gebiet, gleichgültig, welcher Partei der Einzelne angeyöre, zu sein. Rabbiner Dr. Baerwald-München schlägt vor, daß zur Durchführung der in den Referaten zum Ausdruck gekomnienen Forderung nach Schaffung von Woylfayrtsstellen in den einzelnen Gemeinden in mindestens 2 Orten oes Landes Kurse eingerichtet wurden, die von sozial-politisch geschulren grauen oder Männern avgehallen werden und in denen Vertretern von Mitteluno Ktemgememoen Gelegenheil gegeben werden soll, sich über das zu unterrichten, was für sie aus dem Gebiet der Wohlfahrtspflege von Wichtigreit ist. Insbesondere mutzten solche Kurse in pcurllsche Woytfuyrts- und Jugendpflege einfuyren. Er stellte den Jaruiuy: Der Verband soll nur tunlichster Veschleunigung llnlerwei,uny->- kurse über prartische Woylsahrtspftege in Rurnverg und Löo^zburg, nötigenfalls auch m oer Pfacz, stattfinden iasscn. Dr. Silberschmidt-Kissingen tritt noch einmal für die Förderung oes Kuryospizes in Vad Kissingen ein und vittet, datz dieses auch aus dem Kreise der Vertreter oer freien Wohlfahrtspflege Unterstützung finden möge. Justizrat Dr. Hommel-Schweinfurt bemerkt zu den Ausführungen Dr. Bamberger's-Nurnberg,' datz den bayerischen Juden die Wahl zwischen Simultanuno Konfessionsschule gar nicht offenstehe, da es eine Simultanschule in Vayern nicht geoe. FU den Ausführungen über Wanderarmenfursorge errlärt er, es mu„e nach Möglichkeit getrachtet weroen, den Arbeitsuchenden Arveiismoglichketr zu schaffen. Gerade die Ausführungen Dr. Braüer's hauen bewiesen, datz dies im Rahmen einer Gemeinde nicht immer möglich fei. Desyaw sei der Zusammenschluß oer Gemeinden zu einem größeren Ganzen, das sich der Durchwanoerersursorge widme, wünschenswert, weil durch eme derartige Zentrale oie Beschaffung von ArbeitsmügUchkeiten infolge der Kenntnis eines größeren Arbeitsmarktes eher möglich sec. Eine derartige Zentralisierung müsse nicht notwendigerweise oie Vedeutung haben, daß ourch sie die Armen avgeschoven weroen. Wenn solche Fehler früher oegangen worden seien,so müsse man sich die Erfahrungen früherer ^ayre zunutze machen. Was die angeregten sozialen Kurse angehe, so habe er Bedenken, ob aus oen Kleingemeinden Vertreter an den Kursen tellnehmen würden; das durfte aber den Vervand nicht hindern, den Versuch zu unternehmen. Es wurde sicy aoer vietlelchr empfehlen, aucy auf diesem Gebiete durch Wanverreoner aufkmreno zu wirken und es sec notwendig, daß das erforoeritcye Material auf dem Geviere des Hurforgewesens mit praktischen Anleitungen uno Anweisungen den emzemen Gemeinven vom Vervand aus zugeleuet werde. Dr. Oettinger -Regensburg bittet, sich vor Überorganisation auf dem Gebiete der Wohtfayrrspfiege zu hüten. Drganifieren sei wohl notwendig, doch dürfe dies nicht rein theoretisch geschehen, sondern müsse praktische Ziere verfolgen und praktische ruroeil leisten. Er warnt oaoor, oaß man den wenigen Personen, die in den kleinen und mittleren Gemeinden sich mit Gemeindeangelegenyeiten befassen, auch noch zumuten wolle, auf sozialem Geoiet organisatorisch uno theoretisch lang zu werden. Er befurchte, datz diese wenigen Personen, die hier in Frage kämen, diese Arbeit nicht auch noch übernehmen könnten. Die Organisationen, die zur Regelung der Wanderarmenfursorge geschaffen werden sollen, sollen möglichst in den Grenzstädten eingerichtet werden, da diese vom Wanderbettel am stärksten betroffen würden. Frau Dr. Baerwald-München erhebt namens der Frauen die Forderung, daß in dem in Aussicht genommenen Ausschuß für die von Dr. Bamberger-Nürnberg angeregte Frage auch eine Frau abgeordnet werde. Dr. Elias Straus-München gibt als Vorsitzender des sozialen Ausschusses seiner Befriedigung über den Verlauf oer Wohlsayrtslagung Ausdruck. Es habe sich diesmal nur um eitlen Versuch gehandelt, oer noch nicht m auen Dellen geglückt sei und der insbesondere durch die Notwendigkeit der Umstellung der einzelnen Referate, sowie die Milveyanolung von Fragen aus oer Vervandsiagung in seiner Geschlossenheit gelitten yave. Insbesondere sei bei künftigen Tagungen anzuftceoen, datz die Vertreter der freien Wohlfahrtspflege mehr zum Worte kommen und ihre Wunfcye und Anregungen zu Geyor ormgen. Diese 1. Woytfayrtsragung, der un Bedarfsfälle wettere Dagungen regelmäßig folgen sollen, habe zunächst veleyrend wirken sollen. Künftige Daguilgen müssen erheblich mehr dem Austausch der Erfahrungen und der praktischen Arveit gewidmet werden. Immerhin sei aucy auf dieser Dagung erhebliche praktische Arbeit geleistet worden, durch die nicht unwesentlichen Bewilligungen set em großer L-cyrtir zur Erreichung der wirtschaftlichen Gesundung im Vande getan, besonderen Dank verdienten die Vertreter der Zentralwoylsuyrrsslelle Berlin, Frau Wronski und Herr Dr. Segall, die tn überaus klaren uno warmherzigen Ausführungen ein Bild der modernen Wohlfahrtspflege uoeryaupt uno der jüdischen Wohlfahrtspflege im besonderen entworfen hatten, uno oie aucy denen reiche Anregung geooren hätten, die sich mit Wohlfahrtspflege schon seit längerer <,elr befaßt haben. Die Mitarbeit der Zentrcuwoyifahrtsstelle aucy oei den Wohlfayrrsoesireoungen in Vayern legten den Gemeinden die drmgenoe Verpflla)tung auf, an der Erhaltung und dem Ausbau oer oentralwoyifayrtssteile nach ihren Kräften rmtzuwirren. Es sei von oer Zeniralwoylfahrtsstelle eine Aufstellung vem Verband zugegangen, in welchem Ausmaße sich dte bayerischen Gemeinden an oer Auforingung des Etats für oie Zentralwoylfayrtsftelle nach dem Anteil Bayerns an der jüdischen Gesamrveoolkerung beteiligen mutzten. Die hiernach von den einzelnen Gemeinden erbetenen Zuschüsse wurden nach der Dagung den Gemeinden berannt gegeven werden. Er vnre dringend, daß die Gemeinden. ihr Anerkenntnis für die Leistungen der Zenlralwoylsayrtsstelle durch Gewährung der entsprechenden Zuschüsse zum Ausdruck brachten. Es sei wünschenswert, daß diese Beiträge direrl von den Gemeinden an die Zeniralwohlfahrtsstelle aogesuyrt wurden, damit eine gewisse Fühlung zwischen der Zentrale und den Gemeinden hergesiellt bliebe. Die Anregung FR. Dr. Hommel's sei seyr zu begrüßen, da es Sie Ausgabe ües Wohlfahrtsamtes sein mutzte, auf auen Gebieten des Fürsorgewesens, daher auch bezüglich der gesetzlichen Vorschriften vei den Gemeinden ausklärend und belehrend zu wirken. Man werde daran gehen, ein Merkblatt für die Gemeinden herauszugeben, aus dem sie ihre Rechte aus Grund der Fursorgepflichwerordnung und der bayerischen Aussuyrungsvestimmungen hierzu entnehmen könnten. Es würde sich vielleicht empfehlen, sich hierbei der Distriktsrabbiner als Mittelspersonen zu oedienen. Zn erster üinic werde die Verbandszeitung für derartige Veröffentlichungen in Frage kommen. Die Bedenken, die von mehreren Seiten gegen eine Zentralisierung und Überorganisation der Wohlfahrtspflege gemacht worden feien, könnten zuruckgestellt werden. Es fei im Grunde dasselbe, oo man eine Zentralisierung oder Systematisierung verlange, was man wolle fei rlar, daß die Wohlfahrtspflege nicht planlos, sondern nach gewissen Grundsätzen und unter Ausnützung aller verfügbaren Mittel, sowie in Kennmis der Fursorgegesetzgebung getrieben werden müsse. Man werde hier nicht bürokratisch vorgehen dürfen und der Verband sei der letzte, der sich durch engherzige Normen von dem wahren Ziel der Wohlfahrtspflege, einer raschen und gründlichen Hilfe sur die Bedürftigen, abbringen lassen werde. Die Anregung Dr. Hanover's über oie Einberufung einer Konferenz zur Beratung der Durchwandererfürforge bitte er anzunehmen. Die Anträge Dr. Baerwald auf Schaffung von Sozialkursen und von Frau Dr. Baerwald aus Benennung einer Frau für den von Dr. Bamberger-Nürnberg vorgeschlagenen Ausschuß befürwortet er ebenfalls. Die von Frl. Schulhöfer besprochene Frage der Unterbringung von Kindern aus dem Lande habe noch eine besondere Bedeutung für die Erhaltung von Volksschulen, da häufig durch die Unterbringung solcher Kinder Volksschulen, die wegen Mangel an Schü-

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