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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-08-18 · 7 (18.8.1925) · p. Seite 144

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
7 (18.8.1925)
Article
Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden z Würzburg
Date
1925-08-18
Page
Seite 144 (sequence 28)
Language
German
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144 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Eröffnung eines Hospizes in Kissingen steht diesen Aufgaben an Dringlichkeit jedoch nicht nach, da es auf diese Weise möglich sein wird, einem größeren Personenkreis die Gesundheit wieder zu verschaffen und sie dadurch zum Lebenskampf wieder tauglich zu machen. Ich danke dem Verband, daß er in den Etat für 1925 A 2000.— eingesetzt hat. für die unbemittelte Kranke Aufnahme finden sollen. Ich bitte aber auch die Mitglieder des Rats und der Tagung, sowie die Vertreter der Wohlfahrtseinrichtungen und -Vereine um persönliche Förderung der Vereinsziele, da nur durch das Zusammenhelfen aller das große Ziel eines jüdischen Kurhospizes in Bad Kissingen erreicht werden kann. Besonders wünschenswert ist die Abnahme und der Vertrieb von Darlehensscheinen. wozu auch der den Anwesenden vorgelegte Aufruf auffordert. Der Vorsitzende dankt dem Referenten für seine Ausführungen und bittet als Mitglied der Verwaltung des Vereins die Ausführungen des Referenten noch besonders unterstreichen zu dürfen. Der Verein und das von ihm angestrebte Kurhospiz sei zweifellos ein dringendes Bedürfnis, da täglich zahlreiche Gesuche um Unterstützung für einen Kuraufenthalt beim Verein einliefen. Es werde ein großer Schritt auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege in Bayern nach vorwärts getan fein, wenn das angestrebto Heim errichtet werden könnte. Hierauf wird die allgemeine Aussprache über die verschiedenen Berichte der Wohlfahrtstagung eröffnet. Frau Stark-München rühmt die wertvolle planmäßige Arbeit der Wohlfahrtsämter und stellt fest, daß es den Anstalten, Einrichtungen und Vereinigungen der freien Liebestätigkeit durch das Bestehen der Wohlfahrtsämter besonders leicht und angenehm gemacht werde, ihren fürsorgerischen Aufgaben nachzugehen. Insbesondere in München habe sich gezeigt, daß die Organisation der Wohlfahrtspflege und die Verteilung der einzelnen Aufgaben auf die verschiedenen bestehenden Wohltätigkeitsvereine zu außerordentlich ersprießlichen Ergebnissen geführt habe. Die freie Liebestätigkeit werde durch die Einrichtung derartiger Wohlfahrtsämter keineswegs beschränkt, auch wenn die Vereine in der Art ihrer „EWER" Buchhandlung für allgemeine und jüdische Literatur München Ottostr. 2 (nächst dem Lenbachpl.) Telefon 52407 Y Geschenkliteratur Schöne Literatur, Kunst, Philosophie, Soziales, Klassiker u. a. Jedes Buch erhalten Sie auf telefonischen Anruf sofort durch unseren Boten. Nr. 52407 Y Soeben erschienen: Hans Kohn: Die politische Idee des Judentums Preis Mk. 2.50 Das umstrittene Thema wird hier zum ersten Mal philosophisch und historisch dargelegt Wohlfahrtspflege den Erfahrungen und Vorschlägen der wissenschaftlich geleiteten Wohlfahrtsämter folgen; ganz im Gegenteil habe sich ihnen ein reicheres und leichter zu betreuendes Feld der Fürsorgetätigkeit eröffnet. Dr. Bamberger-Nürnberg möchte im Anschluß an die Frage der Wanderlehrer und der im Laufe der Tagung zur Sprache gekommenen Auflösung von Volksschulen auf die Gefahr Hinweisen, der die Erziehung jüdischer Kinder in den allgemeinen Volksschulen durch die Einführung des Boelitz'schen Systems entstehe. Boelitz gehe davon aus. daß die Erziehung der Jugend in ausgesprochen christlich-germanischem Geiste notwendig sei und daß dieser Geist nicht nur den Religionsunterricht und verwandte Gebiete beherrschen müsse, sondern daß von ihm auch alle nur irgendwie in Frage kommenden Unterrichtsfächer durchtränkt sein müßten. So werde z. B. selbst der Unterricht in englischer Sprache an der Hand von Lehrbüchern erteilt, die Übersetzungen aus dem neuen Testament und ausgesprochen christliche Stücke als Übersetzungsstoff böten. Beim Unterricht werde nun dieses Material nicht nur' nach der grammatikalischen und syntaktischen Seite, sondern auch inhaltlich von kulturellem Standpunkt aus in dem allgemeinen christlichen Sinn behandelt, in dem der ganze Unterricht gehalten sein soll. Für die Volksschulen bedeute dies ja nicht viel neues, da wenigstens in Bayern die Volksschulen ausgesprochene Konfessionsschulen geworden seien. Die Boelitz'sche Methode soll'aber auch in den Mittelschulen Anwendung finden, so daß hier jüdische Kinder gezwungen wären, bei allen Unterrichtsfächern eine ausgesprochen christliche Einstellung in sich aufzunehmen. Die Forderung Boelitz' werde in Bayern ernstlich diskutiert, so daß hier Schritte unternommen werden müßten, um auf das Bedenkliche dieser Unterrichtsmethode gegenüber jüdischen Schülern hinzuweisen. An sich sei das Boelik'scbe Programm von hohen Idealen getragen und durchaus beachtlich und es könne auch nicht Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft sein, zu dieser Frage Stellung zu nehmen, soweit es sich auf christliche Schüler beziehe. Es müßte dann aber den jüdischen Mittelschülern etwas Ähnliches geboten werden, wogegen Boelitz grundsätzlich nichts einzuwenden habe. Es müsse daher in Bayern eine Stelle geschaffen werden, die sich mit diesen Problemen befasse, um die Rechte der jüdischen Schüler nicht schmälern zu lassen. Vor einiaen Wochen sei im Kultusministerium die Einführung der Boelitz'schen Methode an den bäuerischen Mittelschulen ernstlich diskutiert worden. Nachdem es schon keine wirklichen Simultanschulen im Lande mehr gebe, würden auf dem anaedeuteten Weg nun auch die Mittelschulen konfessionell eingestellt werden. Dr. Brader-Ansbach knüvft an die Ausführungen Dr. Bambergers an und führt aus. daß es zweifellos sehr verlockend wäre, das vom Vorredner angeschnittene Thema weiter zu verfolgen. Es sei richtig, daß es in Bayern keine Simultanschulen mehr gebe und daß das in Deutschland zum Siege gelangte Prinzip das der Konfessionsschule sei. Er sehe deshalb nicht ein. warum sich gerade die Juden der iüdischen Konfessionsschule gegenüber, die eine notwendige Folge dieses Prinzips sei. so ablehnend verhalten. Nachdem die Konfessionsschule im Lande eingeführt sei und iüdische Kinder in christlichen Schulen viel zu leiden hätten, sei die Schaffung jüdischer Volksschulen eigentlich das genebene. Was die Frage der Wanderarmenfürsorge anlanqe. so müsse er den Ausführunoen Dr. Masur's entaegentreten. Es sei leicht gesagt. man solle Arbeitsgelegenheit schaffen, wenn keine Arbeit vorhanden sei. Ihm selbst sei es in den meisten Fällen ganz unmöglich gewesen, erbetene Arbeitsgelegenheiten nachzuweisen und so werde es auch anderenorts fein. Man dürfe arme bedürftige Menschen nickt einfach an die Grenze abschieben, sondern müsse ihnen zu helfen suchen. Jeder müsse da sein Scherflein beitraaen. auch wenn diese Art der Wohltätigkeit den modernen Grundsätzen der Fürsorgetätigkeit widerspreche. Immerhin sei aber die Schaffung einer Zentralstelle zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit für derartige Durchwanderer vom Verband zu fördern. Gegen die in den Referaten verlangte Zentralisierung der Wohltätigkeit sei er grundsätzlich. Nicht die Zentralisierung tue der Wohlfahrtspflege not, sondern die Systematisierung. Jede einzelne Gemeinde könne, wenn sie sich Mühe gebe, jhre Wohlfahrtspflege in ein System bringen. sei dazu noch nicht notwendig und auch nicht wünschenswert, daß dies nach einem einheitlichem Schema erfolge und von einer einzelnen Stelle ausgehe. Die von Frl. Schulhöfer dringlich geforderte Unterbringung von Kindern auf dem Lande fei ein sehr

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