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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-08-18 · 7 (18.8.1925) · p. Seite 146

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
7 (18.8.1925)
Article
Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden z Würzburg
Date
1925-08-18
Page
Seite 146 (sequence 30)
Language
German
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146 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 lern vor der Auflösung stünden, durch derartige Zuführung von Schulkindern erhalten werden könnten. Im übrigen bitte er die im Verlauf der Tagung eingebrachten Anträge nunmehr zur Abstimmung zu bringen. 1. Der Antrag Dr. Baerwald: Der Verband läßt mit tunlichster Beschleunigung Unterweisungskurse über praktische Wohlfahrtspflege in Nürnberg und Würzburg (und in der Pfalz) stattfinden. Der Antrag wird einstimmig angenommen. 2. Es sei der Antrag eingelaufen, in den Leitsätzen zur Besoldung der Beamten die Bestimmung aufzuheben, daß Schächtbeamte nach Gruppe VI mit Vorrückung nach VII besoldet werden. Antrag Dr. Bamberger-Nürnberg, Stoll-Würzburg, Dingfelder, Fränkel, Feuchtwanger-München, Katzenberger-Nürnberg. Er empfiehlt, den Antrag dem Rat zur Würdigung hinüberzugeben. Es wird gemäß der Anregung Dr. Straus' beschlossen. 3. Weiterhin liegt ein Antrag zur Schächtgebührenordnung vor. Die Schächtgebührenordnung vom 25. 2. 1923 wird dahin abgeändert, daß die Gebühren festgesetzt werden: für Großvieh auf A 5.—, für Kälber und Schafe auf Ä 2.—, für Zicklein auf Jl 1.—, für Gänse und Indiane auf A —.50, für Enten, Hühner, 1 Paar Tauben auf Ji —.30. Antrag Dr. Bamberger-Nürnberg, Feuchtwanger, Dingfelder, Fränkel. Der Antrag wird dem Rat zur Würdigung hinübergegeben. 4. Ferner liegt ein Antrag Dr. Bamberger-Nürnberg und Dr. Oestreich vor. Der Schulgesetzentwurf des früheren preußischen Ünterrichtsministers Boelitz, der in verstärktem Maße die Pflege des christlich-germanischen Geistes in Volks- und Mittelschulen fordert, wird auch vom bayerischen Unterrichtsministerium bereits bearbeitet zur Einführung in Bayern. Es ergeben sich hieraus unabsehbare Konsequenzen für die jüdischen Schulkinder und die jüdischen Lehrpersonen. Wir beantragen die Einsetzung einer Kommission (Rabbiner, Lehrer, weitere Mitglieder des Verbandes) zur Prüfung dieser Frage und zu Vorschlägen. Zu diesem Antrag liegt ein Zusatzantrag von Frau Dr. Baerwald vor, in diese Kommission auch eine Frau zu wählen. Dr. Straus schlägt vor, die Anträge dem Rat zur Kenntnis und Würdigung hinüberzugeben. Es wird nach dem Vorschlag von Dr. Straus beschlossen. 5. Weiterhin sei ein Antrag eingelaufen von Stoll, Dr. Bamberger und Dr. Oestreich zur Frage der dem Verband nicht angefchlossenen Gemeinden. a) Dem Verband Bayer. Israel. Gemeinden nicht angeschlossene Gemeinden bleiben auch von der mittelbaren Unterstützung, welche der Verband seinen Mitgliedern gewährt, ausgeschlossen. Deshalb find Zuschüsse an Distrikte zu kürzen um den verhältnismäßigen Anteil, welcher der Beitragspflicht verbandsfremder Gemeinden an den Kosten des Rabbinatsdistriktes entspricht. Der Antrag wird einstimmig angenommen. b) Beamte, welche vom Verband Zuschüsse erhalten, dürfen ohne Genehmigung des Verbandes in verbandsfremden Gemeinden keine Aushilfe leisten. c) Auch Verbandsgemeinden welche keine Zuschüsse erhaltenwerden ersucht, ihren Beamten die Dienstleistung in verbandsfremden Gemeinden zu untersagen. Die Anträge unter b und c werden auf Anregung Dr. Straus dem Rat zur Würdigung hinübergegeben. 6. Schließlich liegt ein Antrag Dr. Bamberger, Dr. Nußbaum, Fraenkel und Stoll vor: Der Verband möge mit den Landesver¬ BÄER & ÄUERBÄCH BANKGESCHÄFT MAXIMILIANSPLATZ 18 Ausführung aller Börsen-Äuiträge GOLD-PFÄNDBRIEFE Sicherste und hochverzinsliche Anlage geben wir zum Geldkurs netto bänden Preußen, Württemberg und Baden zwecks Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft in Verbindung treten. Auch dieser Antrag wird auf Anregung Dr. Straus' dem Rat zur Würdigung überwiesen. Schlußworte. Der Präsident des Rats, OLGR. Dr. Neumeyer ergreift das Wort, um mit Befriedigung festzustellen, daß die Tagung in diesem Jahr mit ihrem Programm zur bestimmten Stunde fertig geworden sei. Es sei dies in erster Linie der ausgezeichneten Leitung der Versammlung, Herrn ObstLGR. Pros. Dr. Silberschmidt, zu danken, dann aber auch vor allem dem vorzüglichen Arrangement der ganzen Tagung durch die Gemeinde Würzburg. Er möchte noch einmal an die Worte des Oberbürgermeisters Dr. Löffler erinnern, welche angesehene Stellung die Juden in Würzburg stets eingenommen hätten und einnehmen. Mit dem Ausdruck des Stolzes, daß die Tagung in dieser gastfreien Stadt zusammentreten durfte, möchte er nochmals den Gefühlen des Dankes für all das Gebotene Ausdruck geben. Es seien zwei bedeutende Werke in Angriff genommen worden: das Beamtenrecht und die Distriktsgemeindeordnung. Das Beamtenrecht sei im wesentlichen in der gestrigen Tagung soweit durchgesprochen worden, daß die nächste Tagung wohl ohne erheblichere Schwierigkeiten das Werk zum Abschluß bringen könne. Eine Distriktsgemeindeordnung fei mit das Schwierigste, was seit Jahrzehnten die bayerische Judenheit aus verwaltungsrechtlichem Gebiet zu bewältigen habe. Es sei ein besonders erfreuliches Zeichen der regen geistigen Arbeit, die im Verband geleistet werde, daß dem Entwurf der Verbandsleitung nicht nur ein sehr beachtlicher Gegenentwurf gegenüberstünde, sondern daß aus der Debatte heraus Anregungen gegeben worden seien, die geeignet wären, vollkommen neue und ausgezeichnete Gedanken zu der schwierigen Materie beizutragen. Auch hier stehe zu hoffen, daß die nächste Tagung völlige Klarheit bringe. Der Verband habe weiterhin seine erste soziale Tagung abgehalten. Er möchte den allerherzlichsten Dank den Vertretern der Zentralwohlfahrtsstelle aussprechen, die durch ihre Vorträge so außerordentlich fördernd für die Fortführung des Wohlfahrtswesens in Bayern gewirkt hätten. Er hoffe, daß neben der ideellen Förderung durch die Zentralwohlfahrtsstelle auch die materielle Förderung gewährt werden könne. Zum erstenmal habe die Tagung die Freude, einen Kranz von Damen als Vertreter der freien Liebestätigkeit begrüßen zu dürfen. Sie seien auf dem Gebiet der Wohlfahrts - Pflege als Mitarbeiterinnen herzlich willkommen. Er möchte die Bitte anknüpfen, daß die Vereine und Einrichtungen der freien Liebestätigkeit auch in Zukunft an den sozialen Tagungen, die der Verband auch ferner zu veranstalten gedenke, sich beteiligen und Mitarbeiten an der gemeinsamen Aufgabe der Hebung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Gemeinschaft. Zum Schluß dankt der Präsident allen Mitgliedern des Rats und der Tagung im Namen der Verbandsleitung für ihre Mühewaltung. Er bittet, daß auch alle in Zukunft zur Verfügung stün-. den im Dienste unserer religiösen Gemeinschaft. Oberlehrer Stoll-.Würzburg dankt namens der Tagung der Verbandsleitung für die in allen Punkten gelungene Versammlung. Er dankt insbesondere ObstLGR. Pros. Dr. Silberschmidt für die vorzügliche Leitung der Sitzung und Herrn OLGR. Dr. Neumeyer für die in den verflossenen Jahren an der Spitze des Verbandes geleistete Arbeit. ObstLGR. Prof. Dr. Silberschmidt dankt Oberlehrer Stoll für die freundlichen Worte, die er ihm gewidmet habe. Es fei ihm eine besondere Freude, daß er diese Versammlung in seiner Vaterstadt habe leiten dürfen und daß diese Tagung wenn möglich ihre Vorgänger noch überstrahlt habe und dem Verband Erfolge gebracht habe, die vor allem denen zu danken seien, die diese Tagung vorbereitet hätten. Der Versammlung sei besonders nachzurühmen, daß sie so harmonisch verlaufen sei und daß sämtliche Beschlüsse einstimmig gefaßt wären. Besonderen Dank verdiene Distriktsrabbiner Dr. Hanover, der der Tagung religiöse Weihe gegeben habe, aber auch alle diejenigen, die sie durch ihre Vorbereitung und Mitarbeit unterstützt hätten. Er hoffe, daß von den Verhandlungen reicher Segen ausgehen werde zum Segen des bayerischen Judentums und des ganzen deutschen Vaterlandes.

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