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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-08-18 · 7 (18.8.1925) · p. Seite 143

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
7 (18.8.1925)
Article
Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden z Würzburg
Date
1925-08-18
Page
Seite 143 (sequence 27)
Language
German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 143 arm und reich. Der Jude hat das Bedürfnis unmittelbar Hilfe zu leisten. Man wird deshalb mit dem Verbot des Hausbettels in jüdischen Kreisen nicht durchdringen. Damit ist aber auch der bisher eingeschlagene Weg der Zentralisierung der Wanderarmenfürsorge als verfehlt gekennzeichnet. Die Versuche, die vor etwa 16 Jahren unternommen worden sind, um die Wanderarmenfürsorge auf eine neue und wirtschaftliche Basis zu stellen, müssen als fehlgeschlagen angesehen werden. Der Wanderbettel, der in den Nachkriegsjahren infolge der polizeilichen Maßnahmen gegen Ausländer in Bayern sehr zurückgegangen ist, ist wieder außerordentlich stark im Anwachsen und wird bald den Vorkriegsstand wieder erreichen. Dadurch ergibt sich insbesondere für Gemeinden wie Würzburg eine außerordentlich schwere Belastung. Die Einzelgemeinde kann diese ständig steigende Belastung nicht mehr tragen, es muß vielmehr die Fürsorge für die Durchwanderer auf die stärkeren Schultern des Verbandes genommen werden. Ich schlage zur Deckung der hierfür notwendigen Kosten eine Wohlfahrtsabgabe vor, die von allen Steuerpflichtigen als Teil der Verbandsumlagen erhoben werden soll. Dr. Straus-München begrüßt den zu den Verhandlungen erschienenen Ministerialrat Dr. H e z n e r vom Kultusministerium. Er führt aus, daß es für den Verband eine ganz besondere Ehre bedeute, den langjährigen hochverehrten Referenten für den jüdischen Kultus im Staatsministerium für Unterricht und Kultus in seiner Mitte begrüßen zu dürfen. Dr. Hezner, der als Prüfungskommissär in Würzburg zufällig amtlich tätig sei, habe es sich nicht nehmen lassen, die Versammlung aufzusuchen und habe damit wiederum sein Interesse für unsere Angelegenheiten bekundet, das er auch nach Abgabe seines Referats stets bewiesen habe. Dr. Hezner habe nicht nur mit wohlwollendstem Verständnis und tiefster Einfühlung die jüdischen Belange im Kultusministerium vertreten, sondern sei auch immer ein verständnisvoller und gütiger Berater in allen Angelegenheiten des jüdischen Kultus gewesen. Durch freundschaftliche Anteilnahme an allen uns berührenden Angelegenheiten habe er sich das Anrecht auf unsere aufrichtige Liebe und Verehrung erworben. Der Referent bittet zum Ausdruck bringen zu dürfen, wie sehr sich die Versammlung durch die Anwesenheit Dr. Hezner's geehrt fühle. Dr. Hezner dankt für die ihm durch Dr. Straus zuteil gewordene Begrüßung. Es fei ihm eine wirkliche Herzensfreude gewesen, daß er durch seine zufällige Anwesenheit in Würzburg in die Lage versetzt worden sei, der Tagung des Verbandes seinen Besuch abstatten zu können. Er sei sehr gerne seinen alten Neigungen für die jüdischen Belange gefolgt, da er auf keinem Gebiet so gerne gearbeitet habe, wie gerade auf diesem. Er freue sich, daß die langjährige mühevolle Arbeit der Männer, die den Verband ins Leben gerufen haben, zu einem so schönen Ende geführt habe und daß der Verband nunmehr in die Lage versetzt sei, praktische dem Wohl des Ganzen dienende Arbeit zu leisten. Er habe die Männer, die sich um die jüdischen Belange angenommen haben, gerne nach seinen Kräften beraten und gefördert und es fei ihm dies um so leichter geworden, als er gefühlt habe, daß ihm von allen Seiten restloses Vertrauen entgegengebracht werde. So wünsche er dem Verband auch für die Zukunft ein immer größeres Erstarken und Erfolg in allen seinen Aufgaben und Der Vorsitzende dankt Dr. Hezner für die herzlichen Worte und bittet nunmehr in den Verhandlungen sortzufahren. Er erteilt zunächst Dr. M a s u r - C o b u r g das Wort zu dem Titel: Wanderarmenfürsorge. Dr. Masur bittet die Ausführungen Dr. Hanover's in einem Punkte ergänzen zu dürfen. Dr. Hanover habe die Angelegenheit zu sehr nach denjenigen Leuten beurteilt, die angeblich einst bessere Tage gesehen hätten. Es handle sich aber auch vielfach um Arbeitsunwillige und, wo dies nicht zutreffe, um Opfer der schlechten industriellen Konjunktur. Es kämen viele junge Leute im Alter von 20—25 Jahren, die von einem Ort zum andern ziehen, um teils angeblich, teils wirklich Arbeit zu suchen. Hier sei die Gefahr besonders groß, daß diese Durchwanderer auf eine schiefe Bahn gelenkt würden, von der sie nicht so leicht zurückfinden könnten. Die Gesamtheit habe wohl die Pflicht, solche Leute zu unterstützen. insbesondere ihnen aber Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Man dürfe sie aber nicht so unterstützen, daß sie durch den Bette! mehr verdienen, als wenn sie in geregelter Arbeit stünden. Es'müsse daraus hingearbeitet werden, daß Leute, die Unterstützungen empfangen, dafür auch positive Arbeit leisten, damit sie nicht zum Nichtstun verleitet würden. Zu verhindern sei, daß Ausländer, die in Deutschland nichts zu suchen hätten, ohne bestimmte Aussicht auf Erwerb in das Land hereingelassen würden; nur so könne man die Masse der Arbeitslosen und Arbeitswilligen einigermaßen betreuen. Auch im Auftrag Kommerzienrats Joseph, der dieselben Erscheinungen für die Pfalz bestätigt habe, bitte er, daß der Verband sich dieser wichtigen Frage annehme und der Resolution Dr. Hanover's beitrete. Die weitere Aussprache über diese Frage soll nach Auffassung der Versammlung in der allgemeinen Aussprache nach Schluß der Referate stattfinden. Aufgabe und Ziele der jüdischen Wohlfahrtspflege in Bayern. Berichterstatter Verbandssyndikus Rechtsanwalt Flaschner. (Wiedergabe in der nächsten Nummer.) Jüdische Jugendpflege. Referentin Frl. Schulhöfer. (Wiedergabe in der nächsten Nummer.) Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silbers chmidt-Münch e n unterstreicht die Ausführungen der Referentin, die mit außerordentlichem Verständnis sich für die Jugendwohlfahrtspflege eingesetzt habe. Gerade deb jugendliche Mensch stehe diesen Fragen mit besonderem Verständnis gegenüber. Es wäre außerordentlich zu wünschen, wenn die Probleme, deren Lösung in den Großstädten in so vorbildlicher Weise versucht werde, auch auf dem Lande aus Verständnis stoßen würden und wenn sich Stadt und Land hier zu gemeinsamer Arbeit finden würden. Hieraus erteilt der Vorsitzende Herrn Rabbiner Dr. Bamberg e r - Kissingen das Wort über Errichtung eines Kurhospizes in Bad Kiffingen. Berichterstatter Rabbiner Dr. Bamberger spricht: Die jüdische Wohltätigkeit hat sich zu allen Zeiten ganz besonders bewährt und sie bewährt sich auch heute noch trotz der Not der Zeit. Von diesem Gedanken ausgehend, trete ich an die Versammlung mit der Bitte heran, das Kuratorium zur Errichtung eines Kurhospizes in Bad Kissingen nach Kräften ideell und materiell zu unterstützen. Das Hospiz verfolgt den Zweck, für kurbedürstige arme Israeliten, insbesondere aus dem deutschen Reich, aber auch falls ausreichend Plätze vorhanden sind, für nichtdeutsche Glaubensgenossen, einen Kuraufenthalt in Bad Kissingen zu ermöglichen und bis zur Errichtung des Hospizes den kurbedürftigen Armen durch Gewährung von Subventionen den Kurgebrauch dortselbst zu ermöglichen bezw. zu erleichtern. Zu diesem Zwecke ist der eingetragene Verein: „Kurhospiz für arme Israeliten in Bad Kissingen" im Jahre 1905 ins Leben gerufen worden. Er hat im Jahre 1911 ein herrlich gelegenes Anwesen in Kissingen mit großem Bauplatz erworben. Die vorhandenen Gebäulichkeiten können jedoch nicht bezogen werden, da den Mietern nicht gekündigt werden kann, so daß sich der Verein jetzt entschließen muß, einen Neubau auf dem Anwesen ins Auge zu fassen. Hierzu sind große Mittel erforderlich, die man durch Ausgabe von Darlehensscheinen hereinzubringen bofft. Die Tätigkeit des Vereines hat aber nicht nur in der Verfolgung dieses Zweckes bestanden, sondern sie hat sich praktisch ausgewirkt durch Gewährung von Unterstützungen an unbemittelte Kurbedürftige, durch Verabreichung unentgeltlicher oder verbilligter Mahlzeiten, sowie durch die Gewährung unentgeltlicher ärztlicher Behandlung: alles dies außerhalb eines eigenen Heims. Es sind alljährlich etwa 80—100 Personen unterstützt worden, davon etwa 4/5 aus Bayern und dem Reich, Vs aus anderen Ländern. Die Unterstützungen und Beihilfen sind ohne Rücksicht auf den Stand der Hilfsbedürftigen erfolgt. Unter ihnen haben sich nach dem Kriege auch sehr viele Kriegsteilnehmer befunden. Der Verein ist sich wohl bewußt, daß neben dem von ihm verfolgten Ziel der jüdischen Allgemeinheit in Bayern noch andere dringliche große Aufgaben harren, wie insbesondere das Siechenheim und die Ausgaben, die in der heutigen Tagung besprochen worden sind. Die

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