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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-08-18 · 7 (18.8.1925) · p. Seite 142

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
7 (18.8.1925)
Article
Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden z Würzburg
Date
1925-08-18
Page
Seite 142 (sequence 26)
Language
German
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142 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 er und seine Freunde nie vergessen werden, daß sie deutsche Juden sind. Dr. Straus-München bittet, da die Vertreter der Pfalz genötigt seien abzureisen, vorher noch den durch die bisherigen Beschlüsse notwendig gewordenen Änderungen des Etats zuzustimmen. Eine Änderung aus der Einnahmenseite ergäbe sich insofern, als durch Vereinbarung mit der Pfalz ihr Anteil an den gemeinschaftlichen Ausgaben auf J( 1000.— festgesetzt worden sei, während ihr Anteil am Staatszuschuß der gleiche bleiben solle. Dadurch ergäbe sich eine Minderung der Einnahmen um 2340.—. Aus der Ansgabenseite seien durch die inzwischen von der Tagung gefaßten Beschlüsse folgende Änderungen notwendig: Es sei unter Ziffer 3a ein Betrag von Jt 15 000.— einzusetzen für die von der Tagung angenommene Übernahme der Beiträge zum Versorgungsverband für die Beamten der Gemeinden, Distrikte und Anstalten. Ferner müsse infolge der Beschlüsse des Bewilligungsausschusses der Posten Bauzuschüsse von A 15 000.— auf J[ 25 000.— erhöht werden und infolge der Beschlüsse der Tagung aus sozialem und kulturellem Gebiet der Etatposten unter Ziffer 5 statt mit — 40 000.— mit A 50 000.— in Ansatz gebracht werden. Da ferner auch damit zu rechnen sei, daß bei der Gründung des in Aussicht genommenen Siechenyeims ein Zuschuß des Verbandes notwendig werde, der grundsätzlich von der Tagung gebilligt sei, sei eine weitere Reserve für diesen Zweck in Höhe von A 20 000.— noch in Ansatz zu bringen. So ergäbe sich ein Gesamtausgabeposten von A 275 000.—, denen J( 17 660.— in festen Einnahmen gegenüberstünden. Die Differenz von A 257 340.— wäre durch die Verbandsumlagen, die in der Höhe von 5% Nachzahlung aus der Vermögenssteuer 1924 bereits beschlossen sei und in der Höhe von 3% Zuschlägen zu den Reichs- und Landessteuern 1925 vom Rat der Tagung in Vorschlag gebracht würden, zu decken. Es stehe zu hoffen, daß diese 3prozentige Umlage das benötigte Erträgnis erbringe. Er bitte die Tagung infolgedessen, den abgeänderten Etat zu genehmigen und gleichzeitig zu beschließen, daß für das Sieuerjahr 1925 durch die Finanzämter eine Verbandsumlage von 3% der direkten Reichs- und Landessteuern zu der bereits beschlossenen Nacherhebung von 3% der Vermögenssteuer zur Einhebung gelange. Es wird einstimmig nach den Anträgen des Referenten beschlossen. Der Vorsitzende stellt fest, daß durch den Beschluß der Tagung der abgeänderte Etat sowie der Umlagensatz für 1925 genehmigt sind. Aufgaben und Ziele der jüdischen Wohlfahrtspflege. Hierüber spricht Dr. S e g a l l, Geschäftsführer der Zentralwohlfahrtsstelle-Berlin (Die Wiedergabe seiner Ausführungen erfolgt in der nächsten Nummer.) Dr. Straus-München verweist darauf, daß die Zentral-, wohlfahrtsstelle ihre Arbeit nur leisten könne, wenn sie durch Beiträge aller Landesverbände und Gemeinden die notwendigen Mittel erhalte. Die Zentralwohlfahrtsstelle sei an den Verband herangetreten, daß er die aus Bayern erwarteten Beiträge der Gemeinden für die Zentralwohlfahrtsstelle sammle und an die Zentrale abführe. Der Rat und der soziale Ausschuß empfehlen, jedoch, daß die Gemeinden direkt ihren Beitrag an die Zentralwohlsahrtsstelle leisten, damit eine gewisse Fühlung zwischen den einzelnen Gemeinden und der Zentralwohlsahrtsstelle erhalten werde. Es sei Pflicht nicht nur der Groß- und Mittelgemeinden, sondern auch der Kleingemeinden zur Erhaltung der so notwendigen Zentralwohlfahrtsstelle nach ihren Kräften beizutragen. Wanderarmenfürsorge. Der Berichterstatter Distriktsrabbiner Dr. Hanover-Würzburg führt aus: Das Problem der Wanderarmenfürsorge ist vielleicht das schwerste unter den Problemen auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge und zwar hauptsächlich um deswillen, weil die einzelnen Gemeinden, durch die die Fürsorge ausgeübt werden soll, das Übel nicht an der Wurzel anpacken können, sondern nur Teilarbeit zu leisten imstande sind. Soweit die Gemeinden ohne genaueste Prüfung Mittel hergeben, fördern sie nur das Durchwandererunwesen, soweit sie Mittel versagen, gefährden sie eine zweckmäßige Durchführung der Wanderarmenfürsorge überhaupt. Man muh sich einmal darüber klar werden, aus welchen Kreisen sich diese Durchwanderer zusammensetzen. Es ist hier zu unterscheiden, zwischen den aus dem Ausland kommenden Durchwanderern und zwischen den Durchwanderern aus dem Reich. Die Durchwanderung aus dem Ausland hat seit dem Kriege ihre Hauptursache in zwei Momenten. Einmal darin, daß viele Angehörige der osteuropäischen Staaten durch die politischen Verhältnisse in ihrer Existenz bedroht waren. Dann aber auch vielfach in dem Umstand, daß viele Familien durch die Kriegs- und Nachkriegswirtschaft ebenso wie bei uns um ihr Vermögen gekommen sind und nun versuchen, außerhalb ihrer Heimat sich eine neue Existenz zu schassen. Dieser letztere Grund ist auch der Anlaß für die aus dem Reich stammenden Durchwanderer. Soweit es sich um Aufgabe der bisherigen Existenz handelt, insbesondere von solchen Personen, die ohne genügende Subsistenzmittel aus gut Glück und im Vertrauen aus die Mildtätigkeit der Glaubensgenossen ihre Heimat verlassen, ist diese Mildtätigkeit schlecht angebracht. Aber auch hier muß man einen Unterschied machen zwischen den aus dem Ausland Kommenden und öenlmrd) die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland zur Gewinnung einer neuen Existenz Ge-, zwungenen. Der engere Kreis der deutschen Juden, der auf diese Weise nach neuen Existenzmöglichkeiten sucht, ist dem weiteren Kreis wohl vorzuziehen, da wir zunächst innerhalb unseres Vaterlandes geordnete Verhältnisse schassen müssen, ehe wir an die Hilfe für das Ausland denken können. Man muß nun aber auch zwischen den aus dem Ausland Zureisenden aus den eingangs angeführten Gründen scharf unterscheiden, und während man den gezwungenermaßen aus ihrer Heimat Ausgewanderten helfend beispringen kann, muß man aussichtslose und unnütze Reisen von „Schnorrern" zu verhindern suchen. Es ist eine betrübliche Erscheinung, daß man für Notstände am Ort nur mit großer Mühe die erforderlichen Mittel aufbringt, während dem Hausbettel der Durchwanderer erhebliche Mittel zufließen, die wirtschaftlicher verwendet werden könnten. Es ist nicht damit getan, in den einzelnen Orten Zentralen für die Durchwandererfürsorge zu schaffen und den Durchwanderern zu verbieten, zu den einzelnen Gemeindemitgliedern zu gehen. Selbst wenn diese Durchway.derer in den Zentralen Unterstützungen erhalten, gehen sie doch die einzelnen Gemeindemitglieder ab und erhalten häufig Beträge, die sie jeder ernsten Arbeit und geregelten Tätigkeit entfremden müssen. Die Arbetl der Zentralen selber ist vollkommen ungenügend und veraltet. Es wird ein ungeheurer Apparat ausgeboten, ohne daß wirtschaftlich etwas damit erreicht wird. Jede Gemeinde sucht nur immer die Leute los zu werden, gibt ihnen die Mittel zur Fahrt in die nächste Gemeinde, so daß lediglich der Eisenbahnfiskus dadurch bereichert wird. Besonders stark macht sich diese Plage in den in der Nähe der Grenze gelegenen größeren Städten bemerkbar und so ist auch Würzburg durch den Wanderbettel besonders stark in Mitleidenschaft gezogen. Es ist nicht mehr möglich, daß die einzelnen Gemeinden diesem Übel steuern. Hier muß das ganze Land zusammenstehen, um den Wanderarmen entweder dort, wo es erforderlich ist, abzuschieben oder aber dort, wo es angebracht ist, ihm zu einer Existenz zu verhelfen oder anderweitige wirksame Hilfe zuteil werden zu lassen. Es ist deshalb Aufgabe des Verbandes hier nach Mitteln und Wegen zu suchen, um die Mißstände abzustellen. Ich stelle daher den Antrag zu beschließen: „Der Verband be-> trachtet die Regelung der Wanderarmenfürsorge als eine bedeutsame Aufgabe der bayerischen Judenheit und ersucht die Verbandsleitung baldmöglichst zur weiteren Besprechung der Frage eine Konferenz der bisher mit der Angelegenheit befaßten Stellen herbeizuführen." — Ich verspreche mir von einer solchen Konferenz von Sachverständigen eine Klärung des ganzen Fragenkomplexes und glaube, daß durch ein Zusammenfassen aller hierfür zur Verfügung stehenden Mittel und unter Beihilfe des Verbandes dem Durchwandererunwesen gesteuert werden kann. Der Korreferent Buchsbaum - W.ü r z b u r g führt aus: Die Kultur eines Volkes kann man beurteilen nach der Art, wie es seine Armen behandelt. Die jüdische Sprache hat für den Begriff der Wohltätigkeit das Wort Zedokoh — Gerechtigkeit. Dies bedeutet, daß der Arme einen Anspruch auf die Hilfe des Bemittelten hat, daß ein Ausgleich geschaffen werden muß zwischen

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