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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-08-18 · 7 (18.8.1925) · p. Seite 141

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
7 (18.8.1925)
Article
Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden z Würzburg
Date
1925-08-18
Page
Seite 141 (sequence 25)
Language
German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 141 Dr. Rosenthal-Würzburg warnt vor Neugründungen, die den Verband und die bayerische Gesamtjudenheit schwer belasten, solange nicht die Existenz und Zukunft der bestehenden Anstalten dauernd gesichert sei. Man dürfe sich nicht mit neuen Lasten beschweren. Er könne es auch nicht recht verstehen, warum man in Krumbach völlig neu aufbauen wolle, während eine Vergrößerung bestehender Anstalten auf billigerem Wege zu demselben Ziele führen würde. Er empfehle deshalb den Ausbau des Altersheimes in Würzburg zu einer Landessiechenanstalt, da bei dieser Anstalt alle Voraussetzungen gegeben seien, die hinsichtlich Krumbach's zu Beanstandungen geführt, hätten. Verbandssyndikus RA. Flaschner meint, die vorgeträgenen Bedenken seien nicht stichhaltig. Die Wahl des Ortes sei nebensächlich. Der geeignete Ort werde sich finden, wenn die Mittel da seien. Die Verbandsleitung habe wiederholt an die Gemeinden des Landes hinausgeschrieben, habe aber von keiner Seite irgendwelche brauchbaren Vorschläge erhalten. Geblieben sei bisher einzig und allein Krumbach. Die bestehende Herrman'sche Stiftung solle aufgelöst und ihr Vermögen einem besonderen eingetragenen Verein überantwortet werden, der auch der Träger der Anstalt werden solle. Gerade dadurch werde eine Verquickung des Heimes mit dem Verband vermieden, so daß der Verband keine weiteren Verpflichtungen eingehe, als er heute schon zu übernehmen gewillt sei. Der Ausdruck Kuratorium, der für den von dem Referenten vorgeschlagenen Ausschuß gewählt sei, verwische die ganze Situation. Der von Weil vorgescylagene Ausschuß solle kein Kuratorium werden, das eine Art Aufstchtsrecht und Verantwortlichkeit des Verbundes mit sich bringen würde, sondern lediglich ein Ausschuß von Mitgliedern der Tagung, zu denen die Gesamtjudenheit Vertrauen habe und der ledigtia) die Aufgabe haben sollte, einen eingetragenen Verein selbständig vom Verband, aber in seinem Geiste, ins Leben zu rufen. Diesem Verein sollten wir versprechen, daß er unser aller Sympathie habe und daß wir ihm materiell wie ideell alle mögliche Förderung angedeihen lassen wollen. Es sei in dem Antrag Weil all das enthalten, was von den verschiedensten Seiten zum Ausdruck gebracht worden fei. Die Bedenken, die gel-, tend gemacht worden wären, wären durch die Anträge des Referenten nicht begründet, da alle vorgetragenen Wünsche bei Annahme der Anträge Weil's erfüllt werden könnten und gerade diejenige rechtliche .Konstruktion bei der Vorbereitung des Heimes in den Anträgen vermieden sei, die Gegenstand der Einwendungen geworden wäre. Dr. Bamberger-Nürnberg gibt der Überzeugung Ausdruck, daß grundsätzlich wohl alle Anwesenden die Schaffung eines jüdischen Siechenhennes für Bayern notwendig halten. Das Bedürfnis sei unendlich groß. Er bitte der Anregung Dr. Rosenthal- Würzburg aus Erweiterung der Würzburger Pfründeanstalt näherzutreten. Neben allen anderen Vorzügen sei besonders zu beachten, daß hier ausgezeichnete Ärzte zur Verfügung stunden, wie sie eben nur in einer Universirälsstaot vorhanden seien. Er würde empfehlen, die Anstalt in eine Universitätsstadt oder in die Nähe einer solchen zu verlegen. IR. Dr. Hommel-Schweinfurt betont auf das nachdrücklichste, daß die Schaffung eines Siechenheimes unterschiedslos dem größten Interesse begegne, auch wenn von einigen Seiten das Projekt als noa) nia-t reif genug erachtet weroe. Er reicht den nacyfolgenden su-riftliryen Antrag ein: . „Der Verband erklärt die Errichtung eines Siechenheims als eine der vordringlichsten sozialen Ausgaben und erklärt sich jetzt schon bereit, diese Aufgabe in jeder Weise, insbesondere auch durch Geldunterstützung zu fördern. Der Verband kann sich jedoch heute noch nicht entschließen, die Errichtung des Siechenheims als Verbandsaufgabe zu erklären oder Schritte zu unternehmen, welche hiezu führen müssen. DieVerbandsleitung wird ermächtigt, bis zu einem von der Versammlung zu bestimmenden Datum Mittel zu bewilligen." Dr. Elias Straus-München stellt folgenden Vermittlungsantrag: 1. Der Verband erachtet die Schaffung eines jüdischen Siechenheimes für Bayern als eine dringende Notwendigkeit. 2. Der Verband wird die Errichtung des Siechenheims durch die Hermann'sche Stiftung oder eine andere bestehende oder hiefur zu schaffende Rechtspersönlichkeit durch Mitwirkung seiner Organe, durch Bereitstellung von Mitteln und durch Empfehlung bei den Mitgliedsgemeinden nach Kräften för- 3. Er fetzt zur Prüfung und Bearbeitung der Angelegenheit einen Ausfchuß ein, bestehend aus: Dr. Straus, IR. Oppens heimer, Weil-München, Neu, Bamberger-Nürnberg, Lehmann, Schwab-Fürth, Braunschweiger-Würzburg, Wassermann-Bamberg, Dr. Stein-Schweinfurt, Dr. Grünfeld- Augsburg, Gerstle - Memmingen, Rosenblatt - Regensburg, Frau Metzger-Landau. 4. Die Tagung überläßt es dem Rat, im Rahmen der verfügbaren Mittel Betrüge zur Durchführung des Planes bereit zu stellen." Weil-München führt in seinem Schlußwort aus, daß es sich um eine Aufgabe des ganzen Landes ohne Unterschied der Fraktionszugehörigkeit handle. Er selbst bestehe nicht auf Krumbach als Sitz des Heimes. Es mülle eben Aufgabe des Ausschusses sein, einen geeigneten Ort ausfindig zu machen. Erwünscht aber sei, daß der Verband hinter der Gründung stehe, da es sich hier um eine Angelegenheit des ganzen Landes handle. Geldmittel seien bisher vom Verband erst in zweiter Linie verlangt worden, wenn die Errichtung des Heimes sichergestellt fei. Von der Vorlage eines Etats könne und brauche daher noch nicht gesprochen werden, zumal das Heim noch nicht gebaut sei und sein Umfang erst festgestellt werden könne, wenn die Mittel vorhanden wären. Er bitte in erster Linie seinen Antrag anzunehmen. OLGR. Dr. Neumeyer-München setzt sich dafür ein, daß die beiden Parteien, die sich in der vorliegenden Frage gebildet hätten, zu gegenseitiger Verständigung kommen. Herr Weil sei einer unserer tatkräftigsten Männer, der in der Lage sei, ein Projekt in kürzester Zeit zur Verwirklichung zu bringen. Er habe seine ganze Tatkraft hinter dieses Projekt gesetzt, um seine Verwirklichung in greifbare Zukunft zu rücken. Auf der anderen Seite sei der Verband in seinen Mitteln beschränkt, so daß eine gewisse Vorsicht nötig sei. Mit der Begeisterung aus der einen Seite und der Überlegung aus der anderen Seite werde zweifellos etwas dauernd Wertvolles für das bayerische Judentum geschaffen wer- Es wird alsdann zur Abstimmung geschritten und zunächst der weitergehende Antrag Dr. Straus-München zur Abstimmung gebracht. Dieser wird mit großer Stimmenmehrheit angenommen, so daß die Anträge des Referenten und IR. Hommel's erledigt sind. Aufgaben und Ziele der Wohlfahrtspflege in Deutschland. Zu diesem Thema referiert Frau Sidy Wronski-Berl i n. (Die Wiedergabe des Referates erfolgt in der nächsten Nr.) Hierauf erhält ObstLGR. Prof. Dr. St l b e r s ch m i d t -München das Wort, der den abreisenden Pfälzer Vertretern und insbesondere den Vertretern des Saargebietes ein herzliches Lebewohl zuruft und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß die Pfalz auch weiter wie bisher in segenbringender Zusammenarbeit mit dem rechtsrheinischen Bayern an den Aufgaben der jüdischen Gesamtheit Mitarbeiten werde, wie sie dies bisher unter der trefflichen Leitung ihres Vorsitzenden, des Herrn Kommerzienrat Josepy, getan habe. KR. Joseph-Landau dankt namens der Pfälzer Vertreter für die Abschiedsgrüße Prof. Silberfchmidt's. Wie er bereits dem Kultusministerium persönlich zu erklären Gelegenheit gehabt habe, wolle er auch hier wiederholen, daß die Juden Bayerns und der Pfalz ein untrennbares Ganzes bilden, das treu zusammenstehen müsse, um zum Wohle der bayerischen Judenheit wirken zu können. Es sei ihm eine besondere Freude, daß in der diesjährigen Tagung sich keine Differenz gezeigt habe. Es müsse auch weiter Ausgabe der Verbandsorgane bleiben, nicht zu unterstreichen, was die einzelnen trennt, sondern nur zu betonen, was alle Juden des Landes eint. Behr.-St. Ingbert dankt im besonderen für die den Juden im Saargebiet gewidmeten Worte und gibt das Gelöbnis ab, daß

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