Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (18.8.1925)
- Article
- Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden z Würzburg
- Date
- 1925-08-18
- Page
- Seite 140 (sequence 24)
- Language
- German
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140 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 zukünftigen Landesheim zu benennen, deren Angehörige mit dem Ausschuß bezw. der zukünftigen Organisationsleitung in Verbindung treten sollen, um durch Zahlung einmaliger Zuwendungen die Aufnahme von Anwärtern im Heim zu ermöglichen, da neben völlig unbemittelten das Institut auch zur Unterbringung solcher Personen errichtet werden soll, die selbst, oder deren Angehörige vermögend sind." Die Begründung dieser Anträge liegt in ihrem Wortlaut selbst. Ich bin auch gerne bereit, falls dies gewünscht wird, dieselben noch im einzelnen Punkt für Punkt zu begründen. Ich bringe aber in Erinnerung, meine verehrten Herren, daß dieses Projekt nunmehr volle 11 Jahre immer wieder aufs Neue besprochen wird und daß binnenzeitig der weitaus größte Teil des Vermögens verlorengegangen ist. . Der Worte sind meines Erachtens genug gewechselt, lassen Sie uns zur Tat schreiten. Erkennen wir, daß der Landesverband außer der Ausgleichung der Fragen, die uns die letzten Tage beschäftigt haben, noch andere ebenso vordringliche Aufgaben zu erfüllen hat. Die vordringlichste ist aber die Tränen der Elendesten unter uns zu trocknen, die Schmerzen der Gebrechlichsten zu erleichtern dadurch, daß Sie diesem Projekte Ihre Zustimmung erteilen. Dann erst wird sich der Landesverband ein Denkmal gesetzt haben für und für! In der Aussprache führt Katzenberger-Nürnberg aus, daß er und seine Freunde sich mit der Wahl des vorgeschlagenen Ortes Krumbach nicht einverstanden erklären könnten. Krumbach sei viel zu abgelegen und habe eine zu schlechte Bahnverbindung, um als Landesheim in Frage zu kommen. Es müßte ein zentral gelegener Ort möglichst mit Höhenluft gewählt werden, der von allen Teilen des Landes bequem zu erreichen sei. Überhaupt müsse er vor einer Verbindung von Wohltätigkeitsanstalten mit Körperschaften des öffentlichen Rechts warnen. Man habe in Nürnberg bei dem Schwarz'schen Stift damit die schlechtesten Erfahrungen gemacht. Weiterhin müsse er dagegen Stellung nehmen, daß der Ausschuß, der von dem Referenten vorgeschlagen werde, bereits namentlich festgelegt fei. Man hätte es den Fraktionen überlassen sollen, die ihnen geeignet erscheinenden Vertreter für den Ausschuß zu benennen. Ludw. Dietenhöfer-Ansbach erklärt, daß man bereits im Jahre 1917 von seiten der Stiftung daran gedacht habe, das Heim nach Ansbach zu verlegen. Man hätte damals um JL 60 000.— ein geeignetes Objekt haben können, das vollständig beziehbar gewesen sei, nicht nur ein Grundstück, zu dem man noch Hunderttausende für den Bau benötige. Es wären sowohl in Ansbach, als auch in Treuchtlingen geeignete Objekte auch heute noch zu haben, die wegen der günstigen geographischen Lage zu bevorzugen seien. Dr. S e g all - B e r l in: Die Schaffung eines jüdischen Siechenheims in Bayern entspreche zweifellos einem starken Be- SXSennec (cauferL •mä y V ALPURSA \GhocoCcuaLej% dürfnis. Für einen derartigen Zweck, dessen Dringlichkeit wahrscheinlich vom Reich anerkannt werden würde, würden nicht unerhebliche Beiträge aus Reichsmitteln wohl zur Verfügung gestellt werden können. Es seien noch Mittel aus dem Vorjahr vorhanden, so daß man schon bald mit einem Teilzuschuß werde rechnen dürfen. Mainzer-Nürnberg. Es bestehe kein Zweifel, daß der Gedanke der Gründung eines Siechenheims für Bayern bei allen Glaubensgenossen im Lande ohne Unterschied der Parteirichtung wohlwollende Aufnahme finde. Nur über die Art, wie die Angelegenheit in Fluß gebracht und verwirklicht werden solle, könnten Zweifel geäußert werden. Gegen das Projekt Weil's spricht die geographische Lage Krumbach's, auf die Katzenberger-Nürnberg schon hingewiesen habe. Vor allem aber sei er dagegen, daß die Gründung des Heimes vom Verband übernommen werde, weil dieser damit sich eine Last aufbürde, die nicht übersehen werden könne. Das Heim müßte getragen werden von einem Komitee, das Rechtspersönlichkeit erhalten müsse. Der Verband könne sich erst mit der Sache befassen, wenn ihm ein genauer Etat vorgelegt werde, aus dem er ersehen könne, daß das Heim auch verwirklicht werden könne. Es sei nicht damit gedient, daß wir dasselbe jüdische Herz hätten, das wir vor dem Kriege gehabt haben; die Mittel, die früher vorhanden gewesen seien, stünden jetzt nicht mehr zur Verfügung. Mit dem Herzen allein aber lasse sich eine derartige Anstalt nicht aufbauen. Er habe in Erfahrung gebracht, daß in Schnaittach bei Nürnberg ein Anwesen für JL 30 000.— zu Verkauf stünde, auf dem eine derartige Anstalt errichtet werden könne. Hier handle es sich um ein annähernd fertiges Projekt, das ohne allzugroße Kosten das gewünschte Heim schaffen könne. Es spreche fast nichts für Krumbach, vieles aber dagegen. Der Verband solle Mittel erst dann bereitstellen, wenn die Errichtung sichergestellt sei. Auch IR. Dr. H o m m e l - S ch w e i n f u r t hat Bedenken, ob der Verband ein Kind adoptieren könne, das noch nicht geboren sei. Es bestünde kein Zweifel, daß für ein Siechenheim in Bayern ein dringendes Bedürfnis bestehe. Es sei ferner zweifellos Aufgabe des Verbandes, sich um die Errichtung eines solchen Heimes anzunehmen. Wenn es die Aufgabe der einzelnen Kultusgemeinden sei, in ihren Gemeinden Anstalten zur Versorgung alter kranker Personen nach Möglichkeit zu errichten, so sei es auch Aufgabe des Verbandes als der Vereinigung der Gemeinden, Anstalten ins Leben zu rufen und zu erhalten, die dem ganzen Lande die Sorge um solche Personen abnehmen. Die Vorbereitungen für die Errichtung eines Siechenheimes in Bayern lägen zweifellos in den besten Händen. Das Kuratorium der Stiftung möge der festen Überzeugung sein, daß der Verband alles tun werde, um ein derartiges Heim zu errichten. Heute jedoch sei der Verband noch nicht in der Lage sich festzulegen, da erst andere vordringlichere Ausgaben ihrer Erledigung zugeführt werden müßten. Man solle deshalb diese Frage zurückstellen, bis der Verband wisse, welche Mittel für die Schaffung eines solchen Heimes notwendig seien und ferner wisse, wie diese Mittel beschafft werden können. Pfeuffer-Würzburg bittet vor allem darauf zu achten, daß ein Landesheim nicht an den Sitz einer Kleingemeinde verlegt werden dürfe, da Gefahr bestehe, daß sich diese allmählich auflöse, so daß dann die relgiösen- und Kultusbelange der Anstaltsinsassen nicht mehr gesichert erschienen. Es müsse also in erster Linie darauf geachtet werden, daß eine solche Anstalt an dem Sitz einer Kultusgemeinde errichtet werde, die aller Voraussicht nach der Auslosung nicht verfalle. IR. Oppenheimer--München setzt sich warm für die sofortige Inangriffnahme der Vorarbeiten für eine Landessiechenanstalt ein. Bei der Auswahl des Ortes sei vor allem darauf Rück-' sicht zu nehmen, daß sich keine Reibungen mit der nichtjüdischen Bevölkerung ergäben. Gerade aus diesem Grunde sei man auf Krumbach gekommen, weil hier die antisemitische Bewegung so gut wie keine Erfolge gezeitigt habe. Die Anstalt müsse unter Mitwirkung des ganzen Landes geschaffen werden. Es sei jedoch eine Verkennung des Referats Weil, wenn angenommen werde, daß Krumbach als Sitz der Anstalt schon unabänderlich gewählt sei. Der von der Herrman'schen Stiftung gekaufte Platz könne auch wieder verkauft werden. Man solle es ruhig dem Ausschuß überlassen, welche Gemeinde er für geeignet halte. An Hand der Münchener Verhältnisse verweist er nocheinmal auf die Dringlichkeit eines Siechenheims und bittet, etwaige Überschüsse aus der Z prozentigen Ver-- bandsumlage dem Siechenheim zur Verfügung zu stellen.