Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 1 (1925)
- Issue
- 7 (18.8.1925)
- Article
- Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden z Würzburg
- Date
- 1925-08-18
- Page
- Seite 138 (sequence 22)
- Language
- German
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138 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung §k. 7 Das Israelitische Landheim Wolfrats Hausen hat Antrag auf Subvention gestellt, da es durch eine Reihe von Neuanschaffungen und Verbesserungen in Schwierigkeiten gekommen ist. Die finanzielle Not der Anstalt hat ihren Grund darin, daß wohl während der Ferien das Heim stets voll besetzt war, daß aber in der ü b r i g e n Zeit der Betrieb nicht in vollem Umfange durchgeführt werden konnte, weil es an Pfleglingen fehlt. Es ist vorgeschlagen, daß der Verband einen größeren Zuschuß leistet und daß dafür das Heim eine entsprechende Anzahl von Zöglingen außerhalb der Ferienzeit zu dem ermäßigten Verpflegungssatz von A 3.— aufnimmt. Entsprechend diesen Vorschlägen empfiehlt der Bewilligungsausschuß und der Rat eine Zuwendung von A 3000.— an das Landheim Wolfratshausen, wofür dem Verband 1000 Verpflegstage ä A 3.— zur Verfügung stehen, um schwächlichen, unbemittelten Kindern Erholungsaufenthalt im Landheim zu verschaffen. Es wird hierdurch dem Verband die Möglichkeit gegeben, einer größeren Anzahl unbemittelter Kinder aus Gemeinden, die nicht selbst für ihre Jugendwöhlfahrt entsprechende Mittel aufzubringen in der Lage sind, Erholungsaufenthalt zu verschaffen. In ähnlicher Weise soll dem Kurhospiz Bad Kissingen ein Betrag von Jl 2000.— zur Verfügung gestellt werden, wofür gegen einen noch sestzustellenden Verpflegssatz die entsprechende Anzahl von Verpflegstagen für unbemittelte Verpflegungsbedürftige zur Verfügung gestellt wird. Die weitergehenden Anträge des Kurhospizes Kissingen auf Gewährung eines namhaften Zuschusses bezw. eines größeren Darlehens zur Erbauung des Hospizes selbst mußten zurückgestellt werden, da weder eine Etataufstellung noch auch ein Bericht über die bisher vorhandenen Mittel, noch ein Plan, wie der Bau durchgeführt werden soll, dem Verband vorliegt. Zu diesen Zuwendungen für Anstalten im Gesamtbetrag von A 36 000.— und im Falle höherer Steuereingänge im Gesamtbetrag von Jl 40 000.— sind dann weiterhin vorgeschlagen Jl 1000.— zur Förderung der Berufsausbildung von Lehrlingen insbesondere in Handwerk und Landwirtschaft in der Form von Stipendien, die als Zuschüsse zu den Stipendienleistungen der Gemeinden gewährt werden sollen. Weiter sind A 2000.— in Aussicht genommen für dasKinderheim Bad Kissingen unter der Voraussetzung, daß wie in Wolfratshausen für die Zuwendung Kinder aus Verbandsgemeinden durch das Wohlfahrtsamt des Verbandes eingewiesen werden können, für die ermäßigte Verpflegssätze berechnet werden, die auf den Verbandszuschuß zu verrechnen sind. Bei allen vom Verband unterstützten Anstalten soll Voraussetzung der Zuwendungen sein, daß der Verband in den Verwaltungen der Anstalten Sitz und Stimme für einen von ihm bezeichneten Vertrauensmann eingeräumt erhält. Außerdem hat sich der soziale Ausschuß befaßt mit einem in Aussicht gestellten Gesuch der Bürgerschule Burgprepp a ch. Eine Zuwendung an die Bürgerschule Burgpreppach kann zur Zeit noch nicht bewilligt werden. Falls das Gesuch entsprechend begründet wird, empfiehlt der soziale Ausschuß, daß es dem Bewilligungsausschuß zur Prüfung überwiesen wird, da gegenwärtig die Verhältnisse der Anstalt nicht genügend geklärt erscheinen, um schon jetzt eine Subvention in Aussicht nehmen zu können. Ein Beitrag zur Förderung der jüdischen Jugendverbände in Bayern, wie er von Lehrer Vrückheimer- Marktbreit beantragt wurde, ist vom Rat abgelehnt worden, da auch hier die Verhältnisse noch zu ungeklärt seien, und insbesondere die parteipolitische Einstellung der verschiedenen Jugendvereinigungen dem Verband, der überparteilich sein soll, größte Zurückhaltung auferlege. Ein Antrag Dr. Bamberger-Nürnberg auf Schaffung eines Lehrlingsheimes ist vom sozialen Ausschuß als eine wertvolle Anregung angesehen worden, die wärmste Befürwortung verdient. Die Angelegenheit ist jedoch noch nicht spruchreif und muß zunächst zurückgestellt werden. Auch die Subventionierung der Ferienheime Forth und K r u m b a ch ist vom sozialen Ausschuß besprochen worden. Ihre Erhaltung' ist in erster Linie Aufgabe der Großgemeinden, von denen und für die sie errichtet worden sind. Eine Beihilfe des Verbandes kann nur in Erwägung gezogen werden, wenn für diese Ferienheime das Bedürfnis nach Bewirtschaftung während des ganzen Jahres sich ergibt, wofür die Erfahrungen mit Wolfratshausen die nötigen Unterlagen schaffen werden. Zunächst ist eine Stellungnahme des Verbandes nicht erforderlich. Grundsätzlich ist vom sozialen Ausschuß ausgesprochen worden, daß die Unterstützung an Einzelpersonen Sache der Gemeinden ist, so daß ein in dieser Richtung eingelaufenes Gesuch wegen mangelnder Zuständigkeit des Verbandes abgewiesen wurde. Die Anträge des sozialen Ausschusses für Wohlfahrtszwecke erfordern sonach insgesamt A 37 000.—, wobei eine in Aussicht genommene Rate für das zu errichtende Siechenheim noch außer Ansatz geblieben ist. Ich empfehle daher, um für besondere Fälle und für die nach den Vorschlägen des sozialen Ausschusses heute schon in Aussicht genommenen Subventionen die Mittel bereit zu.haben, für Wohlsahrtszwecke Jl 50 000.— in den Etat einzusetzen und da-, mit die ursprünglich in Aussicht genommene Position um A 10 000— zu erhöhen. Die Auszahlung der Subventionen kann natürlich nicht sofort erfolgen, sondern nur nach Maßgabe der eingehenden Umlagen, da nach wie vor die erste Aufgabe des Verbandes die Beihilfen des Verbandes an die leistungsschwachen Gemeinden zur Erhaltung ihrer Beamten bleibt. Der Verband erfüllt mit diesen ersten größeren Zuwendungen für soziale- und Bildungszwecke eine bedeutsame Aufgabe und wenn er auch in den ersten Jahren nur vorsichtig und zurückhaltend auf diesem Gebiete vorgehen kann, so steht doch zu hoffen, daß mit immer stärkerer Festigung der Verbandsidee und mit der zunehmenden Konsolidierung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse wertvolle Hilfe für die bayerische Judenheit gerade auf diesem Gebiete geleistet werden wird. Der Vorsitzende dankt Dr. Straus für feine Berichterstattung und insbesondere für seine Tätigkeit, die er in vorbildlicher Weise in dem vergangenen Jahr an der Spitze des sozialen Ausschusses entfaltet habe. RA. Dr. Oettinger-Regensburg begrüßt es, daß der Tagung ein so reichhaltiges Programm auf wohlfahrtspflegerischem Gebiet vorgesetzt wird, da die Aufgaben auf sozialem Gebiet insbesondere auf Grund der wirtschaftlichen Erscheinungen der Kriegs¬ und Nachkriegszeit sehr groß seien. Immerhin solle jedoch der Tagung bei jeder einzelnen Position Gelegenheit gegeben werden, Stellung zu nehmen. Er z. B. wünsche eine stärkere Zuwendung an das Landheim Wolfratshausen. Er bitte deshalb, über die einzelnen Anträge des sozialen- und des Bewilligungsausschusses gesondert abzustimmen. Dr. Stein-Schweinfurt empfiehlt, über die von Dr. Straus vermittelten Anträge der Ausschüsse zunächst abzustimmen und dann erst die Referate anzuhören, über die eine Generaldebatte stattfinden solle. IR. Oppenheimer-München bittet für den Studien- und Arbeitsbeförderungsverein München Propaganda zu machen. Es fei nicht seine Ansicht, eine Subvention des Verbandes zu erreichen, wohl aber möchte er die Anwesenden aus den Verein aufmerksam machen und ihre Förderung erbitten. Der Zuschuß für Wolfratshausen sei ausreichend. Gegenüber dem Antrag Dr. Öttinger bitte er um en bloc-Abstimmung über die von Dr. Straus unterbreiteten Anträge, da diese im Bewilligungsausschuß wie auch im sozialen Ausschuß und auch im Rat bereits eingehende Erörterung und Prüfung erfahren hätten. Der Antrag IR. Oppenheimer auf en bloc-Abstimmung wird angenommen und hierauf einstimmig beschlossen, in den Etat für das Jahr 1925 einen Betrag von JL 50 000.— für Wohlfahrtszwecke einzusetzen, von denen A 37'000.— nach den Vorschlägen des sozialen- und des Bewilligungsausschusses zur Auszahlung gelangen sollen. Schaffung eines jüdischen Siechenheimes in Bayern. Hierüber sprach als Berichterstatter S. A. Weil-München: Ich erblicke in der Tatsache, daß die diesjährige Verbandstagung einen eigenen dritten Tag für Wohlsahrtszwecke der Tagung angefügt hat, den Beweis, daß der Verband nunmehr genügend fundiert ist, um über die rein organisatorischen Maßnahmen der Beamtenbesoldung und des Beamtenrechts, die bisher den wesentlichsten Inhalt der Verhandlungen gebildet haben, hinaus sich weiteren dringlichen Aufgaben zu widmen.