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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-07-06 · 6 (6.7.1925) · p. Seite 92

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
6 (6.7.1925)
Article
Hebräische Buchdruckereien im Gebiete des heutigen Bayern
Date
1925-07-06
Page
Seite 92 (sequence 4)
Language
German
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02 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 vid z 3 N j i m^sn 1 'QVim^D^DniDa | I «nnns m^jn;cn 'di mpy nirw I I flV’Dn nrun tid dji I I 1123 3HD3 v2N I i I ipms nnan cy f I & I —^— i KVM’ B3 DBU | Wien 13mV invw wnn MV33, N'ZS } •rfbm »iwi pvj'TK 33',no | T» uw vm cht'n Ipllvypp3 irr 1", j > 2'3LV.3 '3310 hau , | 8 3,fip3M3B! •)”8 DK I Ein Fürther Pseudo-Frankfurter Gebetbuch in Oktav. Verkleinerte Wiedergabe des Titelblattes. Streben die Errichtung der ersten hebräischen Druckerei ermöglichte und begünstigte. Es ist dies Herzog Christian August von Sulzbach (1641 — 1708), der sich aus den tausend religiösen Wirrnissen seiner Zeit zur Mystik und Kabbala flüchtete. Durch ihn wurde sein Hof, dann aber feine ganze weitere Umgebung, endlich das ganze Herzogtum, eine Pflegestätte theosophifcher Studien; besonders die jüdische Kabbala bildete den Gegenstand ernster Forschung von Seiten der christlichen Theologen. Ein lutherischer Drucker, Abram Lichtenthaler, hatte auf Veranlassung des Herzogs bereits in deutscher und lateinischer Sprache mehrere theologische und kabbalistische Werke gedruckt, als in seiner Offizin vom jüdischen Drucker Moses Bloch auf Kosten des Herzogs, der jedoch auf jeden Gewinn verzichtete, sowie seiner Freunde, des uneigennützigen Frh. Franz Mercurius v. Hellmont und des Baron Ehr. Knorr v. Rosenroth i. I. 1684 der S o h a r , der auch in seiner äußeren Ausstattung nach ein „Glanzwerk" darftellte, im hebräischen Urtext erschien. Dieses Werk begründete eigentlich erst den Ruf des Sulzbachex hebräischen Druckes. Im Laufe der folgenden 170 Jahre wurden sodann über 500 Werke, z. T. in vielen Auflagen, in Sulzbach hergesteüt. Zu den wichtigsten gehören unstreitig die drei Sulzbacher Talmudausgabcn, deren erste, unvollständig gebliebene, in den Jahren 1694 — 99 erschien und meist nur noch dem Namen nach bekannt ist. Umso populärer ist die folgende, wegen des roten Titels eines jeden der zwölf Anfangstraktate im Volksmunde „das rote Sulzbacher Schaß" genannte Ausgabe. Sie wurde im Jahre 1765 vollendet. Das Erscheinen dieser und der nächsten TalmudauSgabe, des sog. „schwarzen Schaß", ist mit einem in der Geschichte der hebräischen Drucke berühmten Streit verbunden. Auf der einen Seite standen die Sulzbacher Druckherrn Aron und Naftali Salman, auf der andern die Drucker Gebrüder Props in Amsterdam, die sich durch die Herausgabe einer neuen Sulzbacher Talmudausgabe in einem ihnen zuftehenden Rechte bedroht sahen. Es bestand nämlich damals die Sitte, die Herausgabe oder Neuauflage wichtiger Werke mit rabbinischen Approbationen zu versehen, die gleichzeitig ein Nachdruckverbot füreinige Zeit, meist 10 bis 20 Jahre, enthielten. Die finanzielle Fundierung der wichtigsten hebräischen Literatur, besondere des Talmud, erforderte einen derartigen Ausschluß der -Konkurrenz für einige Zeit, da sich sonst niemand zum Druck eines solchen Werkes entschlossen hätte. Man bedenke, daß z. B. der Druck des Talmud Frankfurt a. O. am Ende des 17. Jahrhunderts 50 000 Reichsthaler kostete. Nun hatten die Gebrüder Props in Amsterdam, die an und für sich mit Sulzbach in ständigem Konkurrenzkampf standen, für ihren im Erscheinen begriffenen Talmud noch eine Schutzfrist von 25 Jahren, vom Erscheinen des letzten Bandes an gerechnet, dessen Herausgabe sie aber beliebig hinausschieben konnten. Sulzbach dagegen glaubte aus verschiedenen Gründen sich an diese Schutzfrist nicht halten zu müssen. Der darüber entstandene Streit zog immer weitere Kreise. Die bekanntesten Rabbiner- Europas kommen durch Gutachten, Verbote, Bannsprüche, Vermittlungsversuche zu Wort. Außer den Rabbinern von Amsterdam und Fürth begegnen uns die offizielle Vertretung des polnischen Judentums, die Rabbinerversammlung (Synode) der „Vier Länder" (Großpolen, Kleinpolen, Litauen, Schwarzrußland) unter Vorsitz des Rabbiners von Lublin, die Rabbiner von Lemberg, Günzburg (Rußland), Schwabach, Bamberg, Karlsruhe, Venedig, Frankfurt a. O., Meseritz, Schwerin, Berlin, Miedzychod, Kopenhagen, Hannover, Brisk, Posen. Ohne daS Eintreten der größten Autorität, des Rabbiner IecheSkel Landau in Prag, wäre der Streit jedenfalls zugunsten Sulzbachs entschieden worden. So kam es dann letzten Endes zu einem Vergleich. 1770 war der Druck des letzten Bandes der schwarzen Ausgabe beendet, dessen Geschichte uns lehrt, wie eng damals trotz aller Verkehrsschwierigkeiten die geistigen Beziehungen unter den Gelehrten der verschiedenen Länder waren. Sulzbach aber war durch den Talmudftreit in den Mittelpunkt des literarischen Interesses der ganzen europäischen Iudenhrit gekommen. Die beigegebene Abbildung zeigt das Titelblatt eines Folio- Machsor aus dem Jahre 1758, das wir noch heute in vielen Gemeinden, namentlich für den Gebrauch des Vorbeters finden. Ähnlich wie die Sulzbacher Druckerei verdankt die schon erwähnte in W i l h e r m s d o r f bei Neustadta. d. Aisch ihr Entstehen und Blüte der Beihilfe des Landesherrn. Freilich waren es keine idealen Motive wie dort, sondern sehr materielle, darum aber keineswegs verwerfliche, die den Grafen Wolfgang v. Hohenlohe veranlaßten, dem Prager Drucker Isak Kohen I ü d e l s , den wir von Sulzbach her kennen, die Erlaubnis zur

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