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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1925-05-09 · 4 (9.5.1925) · p. Seite 65

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
1 (1925)
Issue
4 (9.5.1925)
Article
Die 3. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden zu Würzburg (15. - 17. März 1925)
Date
1925-05-09
Page
Seite 65 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 65 werden. Im übrigen bitte'ich die andere Punkte zunächst zurückzustellen und am Dienstag dann über den gesamten Etat Beschluß zu fassen. Einen Appell, den ich mehrfach während meiner Ausführungen an Sie gerichtet habe, möchte ich zum Schluß nocheinmal nachdrücklich wiederholen. Mehr Steuerfreudigkeit für den Verband! Im allgemeinen führt niemand Steuern besonders gerne ab. Für gar manchen ist es infolge des wirtschaftlichen Niederganges heute auch schwer, die Beträge, die als Kultussteuern verlangt werden müssen, zu bezahlen. Wir haben trotzdem in den Großstädten im wesentlichen güte Erfahrungen gemacht. Unsere Umlagen sind gut hereingekommen. Die Steuerpflichtigen haben Verständnis dafür gehabt, daß wir in dieser Zeit, wo wir nach außen einen so scharfen Kamps führen, zusammenstehen und Zusammenhalten müssen, und daß die notwendige Grundlage für eine gedeihliche Arbeit der Gemeinden und des Verbandes deren materielle Sicherung ist. Man hat in den Synagogen gestern im Thoraabschnitt vorgelesen, daß jeder den Schekel für das nationale Heiligtum geben mußte. Hierbei heißt es in der Schrift: „isch koser nafscho", ein jeder gebe seine Spende als Lösegeld für seine Person. Damit kann wohl nur gemeint sein, daß jeder der Gemeinschaft das Opfer bringen muß, weil dgs, einzelne Individuum sich nur erhalten kann in und durch die Gemeinschaft. Diese alte jüdische Lehre bewährt sich auch in der gegenwärtigen Zeit an uns täglich und stündlich. Sie sei uns eine Richtschnur bei der Arbeit für den Verband! Der Vorsitzende dankt Herrn Dr. Strauß für sein Referat und bittet zunächst die Vorsitzenden des Revisions- und des Bewilligungsausschusses ihre Berichte zu erstatten und' dann erst zu den Anträgen des Referenten Stellung zu nehmen. In diesem Zusammenhang könnten dann auch 3 Anträge, die ihm eingereicht worden seien und mit der Materie in Zusammenhang stünden, behandelt werden. Die Versammlung stimmt diesen Vorschlägen zu. Das Wort erhält IR. Dr. Dreifuß-München zu seinem Bericht über die Tätigkeit des Revisionsausschusses: Ich bin bezüglich der Revision der Jahresrechnung in einer ähnlichen Lage wie Herr Dr. Straus. Ich berichte Ihnen auch nur als Stellvertreter für den Vorsitzenden des Ausschusses, nachdem dieser, Herr Kommerzienrat Bühler-München, leider verhindert ist, an der heutigen Tagung teilzunehrnem So kann ich Ihnen nur den nüchternen Revisionsbericht vorlesen, der das Ergebnis der Prüfungen der Münchener Ausschußmitglieder zusammenfaßt und am 18. Februar vom Vorsitzenden und mir schriftlich erstattet wurde. Dieser lautet: „Der unterfertigte Revisionsausschuß hat heute die Rechnungsablage des V. B. I. G. einer Revision unterzogen. Bücher und Belege wurden geprüft und durch Stichproben sestgestellt, daß die Einträge in Ordnung sind. Der Bankauszug sowie das Postscheckkonto weisen die Habensaldi aus, wie sie in der Schlußrechnung aufgeführt sind. Der Revisionsausschuß beantragt dem Rechnungssührer Entlastung zu erteilen und nimmt seinerseits gerne Veranlassung,, der mustergültigen Führung der Bücher seine Anerkennung auszusprechen. München, den 18. Februar 1925. Der Revisionsausschuß: Der Vorsitzende: gez. Moriz, Bühler, Kommerzienrat. Ausschußmitglieder: gez. Dr. Siegbert Dreifuß, Justizrat." - Die Prüfung der Bücher wurde heute durch Stichproben der außerhalb Münchens wohnhaften Mitglieder des Ausschusses nocheinmal vorgenommen, über das Ergebnis dieser Prüfung darf ich Ihnen den ebenfalls schriftlich vorliegenden Bericht bekanntgeben: „Die Unterzeichneten Ausschußmitglieder haben heute weitere Stichproben vorgenommen und ebenfalls festgestellt, daß die Büchereinträge mit den Belegen übereinstimmen. Die Bücher sind musterhaft geführt. Würzburg, 15. März 1925. gez. Joseph Aufseesser, gez. Julius Strauß, gez. F. Heß." Ich beantrage daher, dem Verbandskassier Entlastung zu erteilen. Der Vorsitzende dankt dem Berichterstatter wie dem Revisionsausschuß für ihre Mühewaltung und schließt sich den anerkennenden Worten des Ausschusses über die Tätigkeit des Verbandskassiers, Hauptlehrer Rofenfeld-München, an. Er unterstellt hierauf den Antrag des Revisionsausschusses auf Erteilung der Entlastung des Verbandskassiers für die Jahre 1923 und 1924 der Beschlußfassung der Versammlung. Die Entlastung wird einstimmig erteilt. Das Wort erhält hierauf Oberlehrer Dingfelder-, München für seinen Bericht als Vorsitzender des Bewilligungsausschusses. Dieser führt aus: Die Tätigkeit des Bewilligungsausschusses, der sich aus Mitgliedern des Rats zusammensetzt, die zum größeren Teil außerhalb des Sitzes der Verbandsleitung wohnen, ist durch diesen Umstand nicht unerheblich beschränkt. Die verschiedenen Mitglieder sind nur unter großen Kosten und mit Schwierigkeiten zu Ausschußsitzungen zusammenzuberufen, so daß nicht alle Gesuche vor den Bewilligungsausschuß gebracht werden können. Durch Beschluß des Rats und des Ständigen Ausschusses der Tagung ist deshalb für den größten Teil der Bewilligungen, soweit es sich um regelmäßige Zuschußleistungen des Verbandes für leistungsschwache Gemeinden handelt, der Feststellungsausschuß des Verbandes geschaffen worden, der sich aus Münchener Mitgliedern des Rats und der Tagung zusammensetzt. Von diesem Ausschuß sind im wesentlichen in den verflossenen Jahren die Zuschüsse des Verbandes für leistungsschwache Gemeinden festgestellt worden, die im allgemeinen die Billigung der Beteiligten gefunden haben. Der Bewilligungsausschuß hatte sich heute nur mit 3 Fällen zu befassen, in denen die beteiligten Gemeinden bezw. Distrikte mit den Beschlüssen des Feststellungsausschusses und der Verbandsleitung nicht einig gingen. Es handelt sich hier: 1. um den Zuschuß für den neuen Rabbiner des Distriktsrabbinats Jchenhausen. Für diesen Distrikt waren von der Verbandsleitung im Benehmen mit dem Feststellungsausschuß zunächst 25 Prozent als Zuschuß vorgesehen. Der Distrikt verlangt 50 Prozent und erklärt sich außerstande mehr als 50 Prozent aus eigenen Mitteln aufzubringen. Der Bewilligungsausschuß hat heute beschlossen Ihnen vorzuschlagen, daß der Verband 40 Prozent des Rabbinergehalts übernimmt und daß 60 Prozent von der Gemeinde Jchenhausen und den Filialgemeinden getragen werden müssen. Die 40 Prozent sollen nur unter der ausdrücklichen Bedingung vom Verband zugeschossen werden, daß der volle Gehalt dem Rabbiner ohne jede Kürzung ausbezahlt wird. Der zweite Fall war ein Protest gegen die Beihilfe des Verbandes an die Gemeinde Hammelburg, die nach der Meinung einiger Nachbargemeinden nicht berechtigt sei, die Beihilfe des Verbandes in Anspruch zu nehmen, sondern die. Besoldung ihres Beamten aus eigenen Mitteln aufzubringen in der Lage sein sollte. Nach Prüfung der Verhältnisse und der Steuerkrast der Gemeinde Hammelburg sind wir zu der Überzeugung gekommen, daß auch weiterhin ein Zuschuß von 33Hz Prozent zum Gehalt des Beamten gerechtfertigt erscheint. Desgleichen mußte als dritter Fall ein Widerspruch gegen die Unterstützung der Gemeinde Mittelsinn zurückgewiesen werden, allerdings mit der Auflage, daß, wenn ein Zuschuß des Verbandes für einen neu anzustellenden Beamten in Mittelsinn gewährt werden soll, die Gemeinde mit Nachbargemeinden, inssondere mit der Gemeinde Burgsinn Zusammengehen muß. Grundsätzlich hat sich der Bewilligungsausschuß auf den Standpunkt gestellt, daß überhaupt die Kleingemeinden mehr als dies bisher der Fall war, sich zur Anstellung gemeinschaftlicher Beamter zusammentun sollten. Dem Bewilligungsausschuß lag ferner eine Reihe von Gesuchen um Gewährung von Bauzuschüssen vor, die von dem Sachreferenten, Herrn Eduard Sonder-Kitzingen, begutachtet worden sind. In dessen Auftrag bitte ich Sie, den Beschlüssen des Bewilligungsausschusses Ihre Zustimmung zu erteilen, nach welchen der Gemeinde Altenstadt JC 300.— Geroda „ 500.— Neustadt a. A. „ 500.— Unsleben „ 300.— Mühlhausen „ 450.— Zeitlofs „ 500.— Ermreuth „ 200.— Giebelstadt „ 500.— zur Vornahme von baulichen Reparaturen für das Jahr 1925 bebilligt werden sollen. Ich gestatte mir darauf hinzuweisen, daß die Anträge im Ausschuß ausführlich begründet und durchberaten worden sind und einstimmig Annahme gefunden haben, und bitte deshalb, den Beschlüssen des Bewilligungsausschusses im ganzen Ihre Zustimmung zu erteilen. Der Vorsitzende dankt dem Berichterstatter und dem Ausschuß für ihre Tätigkeit seit der letzten Tagung und unterstellt die

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