Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1936
- Date
- 1936-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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Die Entstehung unserer Tossafot 11 die im Sefer haJaschar enthaltenen T. des R. Tarn und die des Isaak haLaban zu Ketubot10. Während die späteren T. an den talmudischen Text, auf den sie sich beziehen, festhaften, ist das bei den älteren T. nicht der Fall. In ihnen sind noch die Spuren der mündlichen Entstehung fühlbarer. Sie beziehen sich zwar auch auf einen bestimmten Talmudtraktat, greifen aber einzelne Punkte aus dem talmudischen Gedankengefecht heraus und behandeln sie unter Heranziehung aller in Frage kommenden Stellen als selbständige Themata. All das geschieht in der fluktuierenden Form, wie sie einer Diskussion eigentümlich ist* 11. Die Aufzeichnungen der Schüler und der Lehrer über den Disküssionsverlauf in den Lehrhäusem wurden der Grundstock der T. Die Talmud jünger wanderten von einer Schule zur anderen und sammelten die Vorträge der verschiedenen Autoritäten. Sie zeichneten sie gewöhnlich alle in einem einzigen Kollegheft12 auf, und zur Unterscheidung der Autoren setzten sie ihren Namen am Schlüsse der einzelnen Ausführungen13. Die Auf- Zeichnungen kursierten dann als T. des betreffenden Lehrers, in dessen Schule sie aufgeschrieben wurden. Die Meister kamen nicht selten in Verlegenheit durch die weitgehende Freiheit, die sich die Schüler bei ihren Ausarbeitungen erlaubten, und die sie nicht selten zu Ergebnissen führte — zum Teil durch die Ver- Wendung anderer Quellen — die den Grundanschauungen der Lehrer widersprachen. Bereits R. Tarn findet sich genötigt, die im Namen des Isaak b. Ascher aus Speyer kursierenden T. als Falsifikat zu erklären14, ein anderes Mal muß er auf eine Anfrage seines Neffen Isaak b. Samuel eine in seinem Namen verbreitete Ansicht als das Produkt des Übereifers eines mitschreibenden 10 Ms. München, Nr. 317. 11 Das kommt besonders deutlich in den T. des Isaak haLaban zum Vor« schein. Beers Auffassung (Frankels Zeitschrift HI, S. 475) Isaak haLaban darf nicht mit unter den T. ־Verfassern auf gezählt werden, da er weder solche verfaßt noch gesammelt hat, sondern vielmehr einen Kommentar zu Ketubot geschrieben, scheint auf einer oberflächlichen Bekanntschaft mit der Hand־ schrift zu beruhen. Sie ist alles andere, aber kein Kommentar, besonders nicht nach der Beerschen Formulierung dieses Begriffes. 12 Die Existenz solcher Kolleghefte ist durch folgenden Passus in den RGA MRL, Nr. 119, erwiesen: ומהר׳ א(ומהר׳ ם) אומר לנר כי הבחורים הכותבים לעצמן דברים שצריכין ללמודם שהוא התר גמור לפי שכתיבתם זו היא למודם• 13 Vgl. weiter Anm. 30. Vgl. SJ § 282 הרב רי׳ ב״א הוא לא והוא לא עשה אותם תום׳ המעתיקים pw ימה קראום על שמו ולא תסמכו עליהם כי רובם שגיאות 14