Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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Schranken! der Aliegoristik 83 sten Deuter erzählender Stücke wendet sich mit größter Schärfe gegen jede Auslegung der Gesetze ״wider die Halacha“37. Aber jede grundsätzliche Anerkennung einer Methode bis zu einer gewissen, von der Religion gezogenen Grenze bedeutet nicht nur eine Inkonsequenz, sondern ist auch taktisch überaus gefährlich38. Und aus dem Gefühl, daß durch die einmal geöffnete Schleuse mehr Wasser einströmen kann, als für den Garten erwünscht ist, geht der vereinzelte Einspruch gegen die Methoden der Aggada hervor, der sich gewiß zumal gegen ihre kühnsten, allegorischen Deutungen richtete. R. Seira39 travestiert den Satz הפך בה והפך בה, soweit er sich auf die Aggada bezieht, unter geschickter Ausnutzung des Doppelsinnes von הפך so: היא הפכה והיא מהפכה לא שמעינן מינה כלום. Wenn er die aggadischen Schriften als מפרי קוסמין bezeichnete, so liegt darin noch nicht die Anklage einer Hinneigung zum Christentum, die in der Tat ganz unverdient wäre; es wird nur ein Vergleich zwischen Schriftdeutung und wahrsagender Zeichendeutung gezogen, der in der Sache und in der Anwendung von פתר auf die Exegese wohl begründet war und, zumal bei Überhandnehmen des Zauberschwindels im ausgehenden Altertum, den Wert der Aggada verdächtigen konnte. Aber natürlich war sich Seira bewußt, daß die Zulassung sehr freier Deutungen einer unjüdisehen Schriftauslegung zustatten kam. Allein solcher Widerspruch blieb vereinzelt. Zu groß war der Dank, den man der Aggada für die Vertiefung der religiösen Gefühlswelt schuldete, und gewiß nicht unbegründet das Vertrauen, daß die Verwurzelung mit den Grundlehren des Judentums die Ausleger der Bibel bei aller Freiheit der Methode riehtig leiten und vor unzulässigen Schrifterklärungen bewahren werde. Etwas anders als im rabbinischen Judentum wirken die Motive und Quietive der Allegoristik im hellenistischen zusammen. Viel planmäßiger und ernster ist hier die Allegorisierung durchgeführt, mit dem Ziel der Anpassung der Bibel an eine auf fremdem Grunde erwachsene Lebensanschauung, — viel sicherer der (an die Homerexegese anknüpfende) Glaube an einen vom Wortlaut weit abliegenden Sinn der Bibel, — viel stärker der mystische Gehalt, — viel größer aber auch die an 31 S. o. S. 37. 38 Vgl. auch Bardenhewer, Gesch. der altchristl. Literatur 0 160. *• J. Maaserot 51 a. O.; dazu Bacher, Pal. Am. II 297; Baeck in: Maybaum-Festschrift (1914) 165. In der Auffassung der Stelle gehe ich mehr mit Bacher zusammen; aber Baeck hat das Verdienst, den tiefen Ernst der Vorwürfe Seiras dargetan zu haben.