Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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80 § 4. Wesen und Motive der altjüdischen Allegoristik Ohren usw.“ (folgen die Bibelstellen)28; der Aggadist nimmt also solche Stellen, der Wirklichkeit zum Trotz, ungleich ernster; die Kraft künstlerischer Illusion, aus der die anthropomorphen Mythen erwachsen sind29, ist in ihm (innerhalb der durch die Religion gezogenen Grenzen) noch lebendig. Viel geringer dagegen als in der Halacha tritt die Neigung zur Systematik und zu logischer Konsequenz hervor; im Gegensatz zu den mittelelterlichen Erklärern fühlt man sich durch die Allegorisierung der guten Frau in den Spr nicht zur Umdeutung der schlechten verpflichtet; noch deutlicher tritt in der ״Stichwortexegese“30 des HL der Abstand von der jüdischen, namentlich aber der christlichen Allegoristik hervor, die ja sogar ״allegoristische Wörterbücher“ hervorgebracht hat31; die Empfindungen der nichtjüdischen Kritiker von CR., auf welche wir S. 62, Anm. 119 28 Daher gibt es ״Jungfrauen bei Mensch, Sykomore und Erde״ MSam. 26, ״ein Gehen bei Stimme und Feuer4" GR. 19, 7. Keineswegs sind solche Wendungen nach dem Midrasch, trotz ihrer Unwirklichkeit, ״uneigentlich4" zu nehmen. Daher die Schwierigkeit der Frage, wieweit er seine eigenen Anthropomorphismen ״buchstäblich44 gemeint hat: Diskussion bei K a d׳ u s h i n 44. Andere Belege für die im Text besprochene Erscheinung bringt, wie ich nachträglich sehe, Bischoff, Babylonisch-Astrales im Weltbild des Thalmud und Midrasch (1907) 109 ff. (dazu kommt TB. Waera 18). Er glaubt, daß die griechische, im neueren Denken wieder auf genommene Vorstellung von der Welt als Oo ov oder die babylonische vom Aufbau der Welt aus dem Leibe der Tiamat zugrundeliege. Beides scheint mir unrichtig, letzteres wegen der erheblichen Unterschiede, die B. selbst S. 111 Mitte anerkennt. 29 Vgl. H. Werner, Ursprünge der Lyrik 50 f. über die Übergänge zwischen ernstem anthropomorphistischem Glauben und metaphorischem Spiel und S. 7 über die Metapher als Mythos. 30 S. S. 63. Andererseits lehnt die christliche Exegese auch die סמוכים• Technik ab: s. S. 67. Über methodische Grundsätze, die aufgestellt, aber nicht restlos durchgeführt werden, s. S. 48 und 59. 81 Bornemann, Die Allegorie in Kunst, Wissenschaft und Kirche (1899) 29 f. Sehr lehrreich ist, daß der gleiche Gegensatz zwischen jüdischer und christlicher Art auch in der bildenden Kunst, auf dem Gebiet der Symbolik, hervortritt. G a 11 i n e r, MGWJ 1935, 466 betont, daß im Judentum nur von Ansätzen zu einer symbolischen Gestaltung des Weltbildes, im Gegensatz zur Symbolik des Kirchengebäudes, gesprochen werden kann. Brieflich teilt mir der Verf. mit, daß die obigen (ihm in Fahnen! zugegangenen) Bemerkungen über die jüdische Allegoristik mit den Beobachtungen Zusammentreffen, die er auf seinem Forschungsgebiet, zumal beim Studium der mittelalterlichen Glasmalerei, machen konnte. Auch er glaubt, daß die Begründung z. T., wie ich ihm geschrieben hatte, im Mangel einer festen Organisation und Führung zu suchen ist. Aber daß dem Juden in der Tat die Neigung zur Systematik nicht im Blut liegt, zeigt die Geschichte der Halacha: Maimuni erweist sich im Mischne Tora methodisch durchaus als Schüler der Hellenen! (Frankf. Isr. Gern .-Blatt 1935, 298).