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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 93

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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künstlerische Motive 79 zwischen Sein und Schein bestehen muß, bildet ״ein freies und unbewußtes Schweben zwischen Schein und Wirklichkeit, zwisehen Ernst und Spiel“ noch für uns das Wesen künstlerischen Schaffens und Genießens23. Während sich aber die Kultur•״ dichtung bewußt auf eine jenseits von Wahr und Unwahr stehende Darstellung einstellen muß, liegt der Reiz der Volks־־ dichtung, zumal des Märchens und der Sage, trotz ihres viel geringeren Aufgebotes an eigentümlich künstlerischen Stilmittein, darin, daß ihre Schöpfer der Welt der Illusion weit näher stehen und daher, eben indem sie unbekümmert um die ״Wirklichkeit“ erzählen, weit eher die Sprache reden, die ihrer Denkform entspricht. Unzweifelhaft sind die Rabbinen — nicht nur als Halachisten, sondern auch als Aggadisten — in jene ״entscheidende Krisis“ bereits eingetreten24. Im Gegensatz zu dem den Midrasch beherrschenden Anachronismus, der, auf dem vorwissenschaftlichen Zeitbegriff25 beruhend, insbesondere die Gelehrsamkeit und Gesetzesfrömmigkeit der eigenen Zeit in die der Patriarchen zurückverlegt, erhebt sich die Frage, ob wirklich Abraham den Begriff der ,גורה שוד kannte GR. 46, 4, ja, ob es zu Isaaks Zeit Lehrhäuser gab 63, 626. Und doch stehen die Midraschlehrer der urtümlichen Denk- und Redeweise ungleich näher als etwa der Rationalismus. Diesem27 sind die anthropomorphen Aussagen der Schrift über die Erde bloße Floskeln und daher Beweise für das Recht der Umdeutung der Anthropomorphismen über Gott; dagegen hat 1>ach QR. zu 14 ״Gott der Erde Ähnliches gegeben wie dem Menschen: Kopf, Auge, 23 Konrad Lange, Bewußte Selbsttäuschung־ als Kern des künstlerischen Genusses (1895) 22. Zur näheren Ausführung dieser — hier nur ganz leicht amzudeutenden — Gedlanken verweise ich namentlich auf Pongs, Das Bild in der Dichtung I (1927) 165i.T welcher die Brücke zu Vaihinger schlägt, auf Claparede, Psychologie de l'enfant (1916) 451 und Buytendijk, Das Spiel vom Mensch und Tier (1934) 159, welche die Bedeutung des Als-Ob in Spiel und! Kunst betonen. 24 Die Denkform des Rabbinismus behandeln neuerdings Jul. Gu11man ■n, Philosophie des Judentums (1933) 48 ff., der sowohl die ״Fähigkeit begrifflichen Formulierens" als ״das Fehlten! jeden systematischen Zuges'" hervorhebt, und K a d u s h i n, The theology of Seder Eliahu (1932), der das Denken der Rabbinen im Gegensatz zum rein rationalen als ״organisch" bezeichnet. Ich kann nur in Kürze andeuten^ was unsere Fragestellung erfordert. 25 S. o. S. 26, Anm. 4, auch über seine Geltung im Midrasch. 28 Vgl. auch die Erwägungen gegen die vom Midrasch! ohne Ein- Schränkung geübte Art der Namendeutung S. 29, Anm. 14 f. 27 Saadlia, Amanat 98 L., 61 Fi.

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