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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 90

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 90)
Language
German
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IRI
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76 § 4. Wesen und Motive der alt jüdischen Allegoristik aapl läßt sich hebräisch übersetzen17. Sein Welterklärungsprinzip ist weder das der Wissenschaft noch das der Mystik, sondem das dem vorwissenschaftlichen Denken angehörende der ״Analogie"18. Dies Prinzip verknüpft Himmel und Erde: ״alles, was Gott oben geschaffen hat, hat er auch unten geschaffen: oben gibt es ובדל und ערפל; ebenso unten (Belege); oben ״stehen" die Serafim, unten ״stehen" die Balken aus Schittimholz usw." ER. 33, 4 — die wenigen Zeilen genügen zur Veranschaulichung, wie unwillkürlich sich das Prinzip der Weltanschauung auf die Schriftdeutung überträgt und wie sehr es sich echt urtümlich im Gegensatz zu dem über den nächsten Sinnenschein hinaus zum Wesen vordringenden Prinzip der Kausalität an scheinbar bedeutungslose Einzelheiten der Erscheinung hält. Daß dies Prinzip der analogischen Erklärung und Verknüpfung auch für die innerweltlichen Dinge (nicht nur für die Verbindung von Ober- und Unterwelt) gilt, sahen wir S. 26 und 38. Auch auf den psychologischen Zusammenhang zwischen Analogistik und Allegoristik sind wir (ebd.) aufmerksam geworden. Aber es darf auch nicht verkannt werden, daß die analogistische Verknüpfung eben durch die Bedeutung, die sie zufälligen Zügen des Sinnenbildes gibt, in gewissem Sinne das Sinnliche legitimiert; damit mag es Zusammenhängen, daß der Midrasch die Allegoristik achtet und übt, sie aber als beherrschendes Prinzip der Schriftdeutung nicht anerkennt. 2. Noch wichtiger ist aber die Frage, wie weit die ״Behandlung" der Urkunde hüben und drüben als Erklärung zu gelten hat. In Griechenland vollziehen sich Auslegung und Weiterbildung des Epos auf getrennten Feldern: jene besorgt der Exeget, mag er aus- oder unterlegen, diese der Dichter, zumal der Tragiker. Im Midrasch dagegen stehen beide Aufgaben in organischem Zusammenhang; wohl enthält er rein exegetische Bemerkungen, darunter solche von wissenschaftlichem Wert10, 17 Heinemann, Poseid. met. Sehr. II 286 über adp£ und 410 < בשר. 18 Ober das analogische Denken i. a. vgl Cassirer, Phil, der symb. Formen II, namentlich 115 f.7 der insbesondere betont, daß die analogische Zuordnung nicht immer eine kausale Verbindung zu enthalten, braucht, wie im astrologischen Weltbild’; so gewiß dieses auf dien Midrasch gewirkt hat (B i s c h o f f, Babylonisch-Astrales im Weltbild des Thahmid und Midrasch (1907); Aptowitzer, תרביץ ü 137ff.; 257ff.), so zeigen doch schon die wenigen oben ausgehobenen Zeilen, daß der Midrasch den Zusammenhang der analogen Gegenstände durchaus nicht immer kausal versteht. Ebenso in Indien: Winternitz 177f. 19 Berliner, Beiträge zur hebr. Gramm, in Talmud und' Midrasch, Bericht des Rabbinerseminars 1879; Dobschütz, Die einfache Bibel-

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