Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 89)
- Language
- German
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Anschauung■ über Bibel 75 Christen12 und Moslemin13) die Bibel im allgemeinen keines״ wegs nach Menschenweise spricht, sondern zumal durch scheinbar überflüssige und scheinbar anstößige Wendungen auf einen verborgenen Untersinn hinweist. Von hier aus eröffnet sich der analogischen wie der typologischen Deutung, welche einen Tiefsinn neben dem Wortsinn anerkennen, aber auch der Allegorisierung ein weiter Spielraum. Der Erklärer, der ihn ausnutzt, beweist dadurch seinen Glauben an die Einzigartigkeit der Bibelsprache und erhöht zugleich den Wert der heiligen Urkünde. B. Während also die Voraussetzungen hinsichtlich der Urkünden in Griechenland und im Rabbinismus mindestens vergleichbar sind, ergeben sich bezüglich der Methode der Behändlung weitgehende Unterschiede: 1. Die Methode der Schrifterklärung hängt von der Methode der Welterklärung weitgehend ab — soweit wird die Psychologie der Meinung des Origenes und des Sohar14 unbedingt zustimmen, ln Griechenland wird die Welt entweder als Kosmos, in ihrer Durchsichtigkeit und Wohlordnung, wissenschaftlich durch kausale und teleologische Betrachtung ergriffen — oder, in den mystischen Strömungen, als Abfall und Kerker entwertet15. Der ersteren Betrachtungsweise entspricht die Philologie als Auf weis des Sinnes eines Schriftwerkes16; die zweite kann zu einer Entwertung und Überwindung des Buchstäblichen zugunsten eines Geistigen, wenn nicht Geistlichen, führen; das ist zumal in der Kirche geschehen. In dem von Griechenland her schwach beeinflußten rabbinischen Judentum ist für beide Betrachtungsweisen kein Raum; weder xoapos noch 12 Orig־, De princ. IV 9 ״scripturas sacras non. humana verba aliqua esse composita״. Daher beruhen, die Schwierigkeiten auf Absicht IV 15; ähnlich Augustin De doctr. ehr. II 6; IV 8. Auch nach indischer Auffassung ״lieben die Götter das Versteckte״: Winternitz, Ind. LH. I (1908) 177; O lde nb e r g, Vorwissenschaftliche Wissenschaft (1919) 221; der Satz findet auch in der Exegese Anwendung. 13 Es gilt als Vorzug des Koran, daß er ,,vielerlei Antlitze hat״: Goldziher, Richtungen der Koranauslegung 84. 14 S. o. S. 13, Anm. 31. 15 Ich kann natürlich nur zwei äußerste Strömungen kennzeichnen, die neuerdings namentlich Hans Jonas, Gnosis und! spätantiker Geist I, scharf beleuchtet hat, — ohne hier auf Übergänge und! Verbindungen eingehen zu können. 16 Der geschichtliche Hergang in Griechenland! ist, daß der Logosgedanke aus der Philologie in die Philosophie übertragen wurde: Leiseg a n g, Art. Logos, RE Altw. XM 1035 ff.