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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 87

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 87)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721057--086-2727639
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Anschauung Ober Bibel 73 ruht A. auf bestimmten Voraussetzungen bezüglich der zu erklärenden Urkunden, B. auf Eigentümlichkeiten der Denk- und Arbeitsweise der Erklärer. A. Die Stellung des griechischen Erklärers zu Homer hat mit der des jüdischen zur Bibel weitgehende Ähnlichkeit: 1. hinsichtlich der Sprache der Urkunden. Diese ist bildhaft, allerdings in verschiedenem Sinne: der Grieche hält sich (zunächst unbewußt, später bewußt) an die Eigenart des Epos, Sachen zu personifizieren; der Jude fühlt (und seine Philosophen weisen es auch nach), daß die Bildersprache nicht ״Andersrede“ (vgl. § 2 Ende), sondern die biblische Form der Mitteilung religiöser Lehren ist; unter Berufung auf solche bildliehe Wendungen (Wasser für Lehre, Vater oder Geliebter für Gott: § 3 I und IV) glaubt er sich berechtigt, auch an anderen Stellen die gleiche Metaphorik vorauszusetzen7. *Beide Erklärer muten also ihren Urkunden kein Stilmittel zu, das ihnen fremd wäre; sie übersteigern aber den bildlichen Gehalt ihrer Sprache. 2. hinsichtlich ihrer Lehrhaftigkeit. Gewiß trägt das altgriechische Epos, wie jedes echte Kunstwerk, menschenbildenden Charakter; die Bibel als Ganzes will bewußt den jüdischen Menschen formen. Dadurch aber, daß beide Urkunden ״klassisch“ wurden und die Grundlage des Jugendunterrichts bildeten, ergab sich auch bei diesem Zuge eine Übersteigerung, u. z. in doppelter Hinsicht. Einerseits soll die Urkunde nichts enthalten, was nicht lehrhaft wäre: also gewiß nichts Anfechtbares (von hier aus ergab sich die Apologetik, die in der Allegoristik der späteren Griechen weit stärker hervortritt als in der der Rabbinen), aber auch nichts Unerhebliches, bis in Einzelheiten hinein. Der Grieche begegnet dem Vorwurf, Homer sei nur ״Seelenfänger“, durch den Nachweis seines lehrhaften Wertes8; der Jude — noch der Philosoph9 — bemüht sich, Zufälligkeiten, wie insbesondere genealogischen Zusammenstellungen10, 7 Wiederum führt hier die Philosophie methodisch die Bestrebungen der Aggada weiter. Zumal Maimuni schafft (More I) jeder bildhaften Auffassung biblischer Wendungen, nicht nur der Allegoristik, die philologische Unterlage. 8 Vgl. Heinemann, Poseidonios’ metaph. Sehr. II 62f. Die Konvergenz der griechischen und der jüdischen Auffassung hängt damit zusammen, d!a& aocp'a einen ähnlichen Bedeutungswandel erfahren hat wie (o. S. 51) •חכמה 9 Z. B. Maimuni More III 50 Anf. 10 Zum Teil von hier aus ist es auch zu verstehen, wenn man biblische Traumdeutungen (S. 22) und Etymologien (§ 3 Anm. 15) durch bedeutungs« vollere ersetzt.

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