Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 83)
- Language
- German
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דורשי חמורות 69 (M. Semachot 8 g־. E.): wenn schon der Götzenaltar niederzureihen ist, wieviel mehr verdient ein Mensch, der einen anderen in Versuchung geführt hat, Vernichtung, Gleiches folgt aus der Vorschrift, das Tier hinzurichten, das einem Menschen Anlaß, zur Sünde geboten hat. Aus der Untauglichkeit des Schwertes zum Behauen der Altarsteine und der Forderung vollkommener (שלמות) Steine folgt die Bedeutung des}שלום. Wie wenig diese Auslegungen dazu dienen sollten, den Gehorsam gegen das Gesetz als ״not so important'4 (L. 510) hinzustellen, und wie wenig man daran dachte, ihren Vertretern die Zugehörigkeit zum Judentum abzusprechen, beweisen die Namen der Vertreter der חמר J^D-Deut ungen: R. Jochanan ben Sakkai, R. Gamliel II. und R. Simon Sohn Rabbis. C. 1. Die דורשי חמורות haben also die ״Allegoristik11 als Umdeutung des Wortsinnes anscheinend überhaupt nicht geübt, die דורשי רשומות gelegentlich; nichts spricht dafür, daß sie solche Umdeutungen stärker gepflegt haben als Männer wie Eleasar aus Modein oder Jonatan ben Eleasar. Allegoristik im alexandrinischen Sinne aber, also Verflüchtigungen von Gesetzen und Er- Zählungen, haben sie nie geübt146 und überhaupt keine Methoden angewandt, die sich nicht im jmidraschiscben Schrifttum audh sonst nachweisen ließen147. Von hier aus ist es verständlich, daß ihr Name nur selten — und stets achtungsvoll — fällt und daß auch Deutungen!, die zweifellos von ihnen vertreten wurden, bisweilen anonym überliefert werden148. Andererseits gibt es aber sehr viele Deutungsweisen, die bei ihnen nicht beliebt gewesen zu sein scheinen. Die halachische Auslegung im strengen Sinne haben sie kaum gepflegt; und auch von den Triebkräften, auf welchen die aggadische Schrifterklärung beruht, dem Drang nach genauerer Bestimmung der biblischen Daten149, nach künstlerischer Ausgestaltung und nach religiöser Erbauung, fehlen die ersteren bei beiden Schulen anscheinend ganz. Nirgends zeigt sich eine Spur von einer freien Weiterführung der Handlung oder von Verdeutlichung und Belebung, wie sie der Midrasch durch Zusammen^• ziehung der Personen, Differenzierung der Charaktere und Aktualisierung der Ereignisse vornimmt. Diese Einseitigkeit kann durchaus auf einer besonderen Wesenshaltung beruhen. In Metaphoristik und Allegoristik tritt, wie wir § 1 B sahen und noch zu erläutern haben werden* vielfach eine gewisse Freude am Geheimnisreichen zutage, die aus einer der Mystik nahestehenden Lebensstimmung erwachsen sein kann. Möglich, daß das Zurücktreten des Bedürfnisses nach Verdeutlichung und die Freude an der Aufdeckung ihre Schamlosigkeit T. Noah 13; Benjamins Schultern werden für unverdiente Schläge entschädigt TB. Miqqez 13. 146 Zutreffend Israel Levi REJ. 60 (1910) 27; Neumark, Maybaum-Festschrift 1914, 179ff.; Bonsirven 535 (aber 540, 53 und Billerbe ck 388!) 147 Es bedeutet Mücken seihen und Kamele durchlassen, wenn L. Berührungen mit Philon hinsichtlich der Methode der ,גורה שוד und der פמוכים- Deutung (306. 320) breit ausführt (dagegen namentlich Neumark a. O.), aber nur in einer Anmerkung (332, 35) ohne Belege vermerkt, daß sich ״viele Auslegungen nach der Methode der דורשי רשומות auch im rabbinischen Schrifttum finden14. 148 Vgl. L. 328, 31, Bonsirven 538, 49 und die textkritische Anm. zu Mech. 177, 17. 149 Über Perusch s. o. S. 21.