Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2721057--079-2727632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
66 § 3. Allegoristik und Vorstufen: V. AMegoristenschülen? lassen133, ja, gottverhaßt134, zu brandmarken versuchte. Die Worte des Schlußkapitels von der dämonischen Gewalt der Liebe werden daher noch häufiger als der hingebungsvollen Gemeinde, Gott dem Schirmherrn in den Mund gelegt. ״Stark wie der Tod ist Gottes Liebe zu uns, mag auch euer Haß zäh sein wie die Unterwelt; und all eure Wogen135 können seine Liebe nicht verlöschen, eure Ströme sie nicht überfluten. Und gäbet ihr all eure Schätze um diese seine Liebe, ja, nur um ein Wort aus seiner Thora — abweisen würde er euch'" 87 f.136. Und so stark in anderen Midraschim der Gedanke an Israels Schuld — die des Volkes wie die der Ahnen137 — als Ursache seines Schicksals hervortritt, CR. wirkt der Gefahr entgegen, daß die Strenge dieser Selbstkritik im Verein mit der Außenkritik jenes echte Selbstvertrauen erschüttert, dessen die Gesamtheit nicht minder als der einzelne bedarf, indem es immer wieder an die beiden Quellen jüdischen Erwählungsbewußtseins mahnt: die Wunder der Geschichte und die Krone der Thora. V. Beilage. Allegoristensckulen? Wir sind! bei dier Besprechung der Allegoristik zwar (bei Qoh und HL) auf Meinungsverschiedenheiten in der Durchführung gestoßen, nicht aber auf grundsätzliche Diskussionen methodischer Art, wie wir sie sonst in der Aggada bisweilen finden138. Und doch soll es solche gegeben haben. Lauter*, bach, JQR. 1910/11, 291 ff.; 503 ff. (im folgenden L.) hat die דורשי רשומות und דורשי חמורות als nahe Geistesverwandte, ja, als Lehrer der alexandrinischen Allegoristen hingestellt139 und1 ihre seltene Erwähnung im rabbinischen Schrifttum aus der grundsätzlichen Ablehnung ihrer Allegoristik zu 133 Marmorstein, REJ. 60 (1910) 217f. zeigt, daß gerade CR. den christlichen Standpunkt (zumal des Barnabas-Briefes) mehrfach zurückweist, nach welchem das ״Israel i!m Fleische“ von Gott verlassen und an seine Stelle die Kirche als ״Israel im Geiste“ getreten! ist. 134 Marmorstein, HUCA. X 237ff. mit zahlreichen Belegen. 135 S. o. S. 49 zu Ps 934 (Wogen Philister). 136 Die Stelle ist verstümmelt überliefert und (nach W. Einhorn) im Anschluß an die Parallele NR. 2, 16 zu erklären. 137 Maimuni, Sendschreiben nach Jemen Qobez II 12c; Wohlgemuth, Festschr. des Rabb.-Sem. 1924, 105ff.; Aptowitzer, Partei- Politik der Hasmonäerzeit 1927; Marmorstein, MGWJ. 1929, 478. 138 Vgl. etwa Petuchowski, Der Tanna R. Ismael 72ff. Die S. 35 erwähnte Bemerkung ״hier brauchen wir den Modeiten“ läßt wohl auf die Erkenntnis der Eigenart R. Eleasars schließen, ist aber nicht polemisch in dem Sinne wie der Tadel seiner Hyperbeln. Doch vgl. den Streit über die wörtliche Auffassung von Ortsnamen, den Bacher, Ag. Tann. I2 390 (dazu Finkeistein zu SDt. S. 7, 3) bespricht. 139 S. 328 nach Freudenthal, Hell. Studien 75.