Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
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61 § 3. AUegoristik und Vorstufen: IV. Salomonische Schriften ziehen127, — mag man bei dem Wort von den wohlduftenden Ölen HL 13 an die Stammväter, an die schriftliche und mündliehe Lehre denken oder darin eine Anspielung auf Israel sehen, das, der Olive gleich, erst unter dem Druck sein bestes öl liefert, der Glaube an die heilige Tiefe des offenbarten Wortes bleibt bei jeder dieser Deutungen gewahrt, ja, er wird vielleicht eben durch die Aufdeckung solchen Beziehungsreichtums eher gekräftigt. Und noch weniger enthält die Deutung eines Verses eine Bindung für die des nächsten: bezieht sich das Lob der guten Frau auf die Thora, so kann der Tadel der schlechten vor dem Ehebruch warnen; denn beides steht in gleicher Weise im Dienste jüdisch-religiöser Menschenbildung. Gewiß mag es der antike — und in weit höherem Grade der neuzeitliche — Leser eines zusammenhängenden Kommentars (auch einer Paraphrase) als Vorzug, wenn nicht als Erfordernis empfinden, daß einem Buche eine einzige Bildersprache zugeschrieben wird, die vielleicht nicht pedantisch durchgeführt zu werden braucht, jedoch nicht durch ständiges Abgleiten in andere ״Sprachen" unterbrochen werden darf. Dem Hörer der midraschischen, fast immer nur kleine Sinnganze umfassenden Predigt liegt solches systematisches Bedürfnis fern; er ist befriedigt, ja, beglückt, wenn der Hammer des Exegeten aus dem heiligen Felsgestein Funken weckt128, die sein eigenes Herz entzünden. Aber allerdings ist der Spielraum, der danach dem Exegeten verbleibt, bei den drei Büchern nicht der gleiche. Die lehrhafte Absicht, die man bei den Büchern Spr und Qoh voraussetzt, ist mit wörtlicher Auffassung sehr großer Teile vereinbar. Und selbst wo der Wortsinn unbequem wird, ist die Allegorisierung durchaus nicht das einzige Mittel der Umdeutung. Im HL dagegen herrscht die AUegoristik auf der ganzen Linie. Nur über die ״Aussagegegenstände“ (vgl. § 1), auf die sich die Bildersprache bezieht, ist ein Schwanken möglich. Diese Eigentümlichkeit der Exegese unseres Buches ist nicht daraus zu erklären, daß man an dem Wortsinn e i n z e 1 - n e r Stellen, sei es wegen der Kühnheit ihrer Bilder, sei es wegen sonstiger Schwierigkeiten129 Anstoß nahm. Vielmehr m S. o. S. 60. » Sanh. 34a nach Jer 2329. 14־ Ebenso wie bei Qoh wird an manchen Stellen die Unmöglichkeit der wörtlichen Deutung betont, um die allegorische zu rechtfertigen: zu 3״ § 2 (Salomos Mutter hat ihm keine Krone gemacht); zu 5S (auch die Um• beholfenste kann, wenn sie sich ausgekleidet hat, sich wieder ankleiden); 62 (es ist erst von einem Garten, dann von mehreren die Rede); 72 (,,deine Füße sind schön in den Schuhen" ist ein sehr zweifelhaftes Lob).