Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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62 § 3. AlLegoristik und Vorstufen: IV. Salomonische Schriften fähig ist, emporläutem soll: jene Liebe, die kein Wasser auslöschen kann und die stark ist wie der Tod116. In solchen Worten das Klingen seiner eigenen Seele zu hören, hatte Israel — wenn nicht philologisches, so doch geschichdiches Recht. Aber diese Liebe bleibt für den midraschischen Menschen nicht, wie für manche — vereinzelt auch jüdische — Mystiker, im ״UngruncT des Herzens und weltüberlegener Meditation verfangen, sondern sie wirkt sich im Leben aus: als freudige Hingabe an das Gesetz der Thora117 und als gläubiges Vertrauen auf Gottes Walten in der Geschichte. Trotz dieser inneren Beziehung hat das Nebeneinanderlaufen der drei Fäden im Midrasch118 nicht nur für den nichtjüdischen Leser119 etwas Befremdliches. Schon das Targum strebt wenigstens kapitelweise nach Herstellung eines einheitliehen Zusammenhangs, indem es 12—36 fast lückenlos auf die Auszugsgeschichte, 37—5t mit einigen Abschweifungen auf den Tempelbau, 52~7 auf den Untergang des Reiches, 67~12 und 7A0~13 auf die exilische und nachexilische Zeit, den Rest im wesentlichen auf die zukünftige Erlösung bezieht. Auch in der mittelalterlichen Exegese120 zeigt sich das Bestreben nach einheitlicher Deutung121; daß es sich nicht voll durchsetzt, liegt teilweise am Stoff, teilweise aber auch an der Abhängigkeit von den autoritativ gewordenen Auslegungen des Midrasch. Wenn in letzterem dagegen das Festhalten an einer Linie nicht einmal versucht wird122, so liegt das nicht an dem florilegienartigen Charakter unserer Midraschwerke: es ist leicht zu erkennen, daß auch bei den einzelnen Lehrern verschiedene Deutungen durch- 116 HL. 86f. wird in CR. vorwiegend auf die Liebe Gottes zu Israel bezogen (s. u.); aber auch hier setzt die Anspielung auf den Märtyrertod des R. Aqiba die dem Tode trotzende Liebe des gläubigen Menschen voraus; deutlicher bezieht NR. 2, 16 die letzten׳ Worte auf die ״Liebe zur Thora-4. 117 Über Gottesdienst aus Liebe vgl. namentlich B ü c h I e r, Studies in sin and atonement (1928) 119 ff.; R. Sander, Furcht und Liebe im׳ paläst. Judentum (1935)r namentlich 118 ff. 118 Grundsätzlich ebenso steht es mit Midir. s. ed. Buber und Midr. Schir haschirim ed. Grünhut 1897. 118 Riedel, Die Auslegung des HL 1898, 43; Bonsirven 36 geben ihrer Enttäuschung über die Behandlung des HL im Midrasch deutlichen Ausdruck. 120 S a 1 f e 1 d 19 ff. 121 In noch höherem• Maße •gilt dies für die grundsätzlich an einem allegorischen Sinne festhaltende Auslegung J. Carlebachs, Jeschurun 1923, 196 ff. 122 Sehr beachtenswert ist auch, daß zu 2g der Vergleich des Freundes mit dem Apfelbaum auf Israel bezogen wird, obwohl doch der Freund Sinn*• bild Gottes ist( ii