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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 75

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 75)
Language
German
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IRI
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C. Hohes Lied 61 mein Freund (Gott) ist niedergestiegen in seinen Garten (die Welt), zu den duftigen Beeten (Israel), zu weiden in den Gärten (bei den Völkern der Welt) und Rosen (Gerechte) zu suchen. Pitradeutungen auf geschichtliche Persönlichkeiten und gesetzliche Einzelheiten sind uns schon häufiger begegnet. Dagegen fehlt in den uns seither bekannten Umdeutungen fast ganz113 die Auffassung Israels als des geliebten Weibes. Und doch ist diese Metapher das Lieblingsbild der Bibel, von Hosea bis zu den großen Propheten des Exils, wie des Midrasch114 für das Verhältnis Gottes zu Israel. Auf die Deutung des Spruchbuches mußte sie ohne Einfluß bleiben: es enthält ja nur Mahnungen an den Mann, die Frau zu schätzen, setzt also einen irdischen Gatten voraus. Und Qohelet ist kein Frauenfreund. Aber aus den Liebesworten Salomos an seine Gefährtin hört der Midrasch jenen Ton der Tröstung an die ״Trostlose44, der ewigen Treue zu der in Hingebung durch die Wüste folgenden Braut, wie er ihm aus den Botschaften Hoseas und Jirmijas geläufig war. So ist ihm denn der Salomo des Buches kein irdischer König, sondern der göttliche Heilspender Israels115. Mittelbar im Dienste dieses Gedankens steht aber auch die ״gesetzliche44 und die ״geschichtliche44 Deutung. Denn Gottes Liebe, Gottes Gesetz, Gottes geschichtliche Führung sind für den Juden nicht drei getrennte Dinge. Eben darin äußert sich ja die Liebe Gottes, daß er Israel seine Thora gegeben und es jener Erlösungstaten gewürdigt hat, bei welchen unser Midrasch so gern verweilt. Die Erkenntnis dieses Zusammenhangs befestigt sich, wenn wir bedenken, daß das HL ein Zwiegespräch darstellt, in welehern Jüngling und junges Weib einander im Bekenntnis ihrer Liebe überbieten. Dieser dialogische Charakter wird freilich im Midrasch dadurch gemildert, daß ja auch die Worte der Geliebten, also Israels, ihr von Gott, der das Buch ״gegeben44, in den Mund gelegt werden. Eben deshalb aber geben sie die Empfindung wieder, zu der sich Israel, wenn es ihrer noch nicht 113 Doch s. o. S. 31 und 48. 114 Nur ein Beispiel: an einem Regenfasttag betet R. Tanchuma: Dieser Mann hat seiner geschiedenen Frau Geld gegeben־, ohne verpflichtet zu sein; Du, der ״Gnadenreiche und Allbarmherzige“, willst uns nicht erhören? Sofort kam Regen: GR. 33, 3. 115 Hier dient also die Deutung des Eigennamens (o. I C1) als starke Stütze der Allegorisierung. Wie ernst man sie nahm, zeigt die halachische Stelle M. Sofrim V 17, die nur für 3? ״das Bett Salomos“, nach einigen auch für 812 ״die Tausend seien dir, Salomo“ (vgl. auch die Erklärer), eine Aus« nähme macht.

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