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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 74

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 74)
Language
German
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IRI
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60 § 3. AUegorisdk und Vorstufen: IV. Salomonische Schriften wörtliche und allegorische Deutung nebeneinander. 17 ״alle Flüsse gehen zum Meer" wird wörtlich, geschichtlich und allegorisch (die Thora geht ins Herz) aufgefaßt. 49 (12) ״besser zwei als einer, aber der dreifache Faden reißt nicht leicht“ wird nicht nur auf das Thoralemen bezogen, sondern (sentenzenartig) u. a. auf die beiden Ehegatten, die Gott mit Kindern segnet. Zu 99 (deutlicher Qidd. 30b) bleibt offen, ob die Mahnung ״sieh Lebensheil mit dem Weibe, das du liebst", auf die Gattin oder die Thora zu beziehen ist. Auch 116 können die Worte ״früh säe deine Saat" wörtlich oder bildlich, u. z. für Ehe oder Thoralernen, genommen werden. Selbst die Empfehlung der Jugendfreude 119 wird durchaus nicht allgemein auf die Freude am Lernen bezogen, sondern auch ironisch so, daß der Schwerpunkt auf die zweite Vershälfte verlegt wird: ״freue du dich nur deiner Jugend: die Vergeltung durch den göttlichen Richter ist unaufhaltsam"110. C. Die Allegorisierung des Hohen Liedes dürfen wir bei den Lesern dieser Schrift im allgemeinen als bekannt voraussetzen111. Unsere Aufgabe ist nur, das besondere Verhältnis dieser Umdeutung zu den uns bereits bekannten festzustellen. Bonsirven 1934, 35 ff. unterscheidet dreiArten der allegorischen Deutung (und belegt sie mit Beispielen): 1. die Be- Ziehung zwischen Mann und Frau wird auf das Verhältnis Gottes zu Israel bezogen; 2. die einzelnen Verse enthalten Anspielungen auf Ereignisse des Auszugs aus Ägypten; ergänzend ist zu bemerken, daß CR. vereinzelt auf Abraham zurückgreift und in die Zukunft ausblickt: Glatzer, Zur Geschichtslehre der Tannaiten (1933) 55 ff. mit vielen Beispielen für die Historisierung112; 3. sie spielen auf Einrichtungen des jüdischen Gesetzes an. Hinzuzufügen wären 4. vereinzelte Deutungen allgemein menschlicher Art; so zu 13 עלמות אהבוך p 3 § על: wir lieben Gott, weil er uns den Tag des Todes und der Vergeltung verborgen hat (Wurzel עלם); Jer. Ber. II 8 S. 5b unten zu 62: 110 Gleichnis: der Aufseher ruft dem Gefangenen, der ihm fortlaufen will, zu: laufe nicht so weit, sonst mußt d:u um so weiter zurücklaufen. 111 Keineswegs ist R. Aqiba der erste gewesen, der die allegorische Deutung vertrat. Ohne sie wäre die Aufnahme des Buches in den Kanon undenkbar gewesen. Vgl. S a 1 f e 1 d, Das HL bei dien jüdischen Erklärern des MA. 3 ff. und1 * Bonsirven 36, der auf IV Esra 524 und R. Jochanan ben Sakkai Mech. S. 203 (nicht 204 f.) verweist. 112 Gegen Jellineks Annahme vierfacher Deutung vgl. Theodo 1 MGWJ 1879, 341.

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