Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
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58 § 3. Allegoristik und Vorstufen: IV. Salomonische Schriften ten), und nach dem Regen (der Tempelzerstörung) die Wolken (das Unheil, das Jirmija gekündet) wieder eintreffen, am Tage, da wanken die (priesterlichen und levitischen) Hüter des (heiligen) Hauses und sich krümmen die (priesterlichen) Helden. Freilich legt die Dunkelheit der Stelle die Umdeutung nahe: andere Deutungen gehen voraus, von denen eine die Sonne auf das Gesicht, den Mond auf die Stirne usw. bezieht. 3. Die allegorischen Deutungen entspringen verschiedenen Motiven. Eine Verinnerlichung enthält die Allegorisierung von 4!3 ״besser ein kluges, armes Kind als ein alter, törichter König": hier sollen der gute und der böse Trieb gemeint sein104, der auch zu 48 als ״Einziger", zu 9t5 § 8 als starker König gilt. Offenbar der Apologetik dient dagegen die Allegorisierung der Lehren des Buches über den Lebensgenuß. Die Worte des Spruchbuchs über Speise und Trank ließen sich nur zum kleinen Teil auf geistige Ernährung beziehen, da es die Mäßigkeit empfiehlt. Manche Stellen in Qohelet schienen dagegen eine allegorische Deutung nicht nur zu ertragen, sondern geradezu zu fordern. Daher ist nach 4 gleichlautenden Midraschstellen (zu 224 105; 312; 517; 815) ״überall, wo in dieser Schrift von Essen und Trinken gesprochen wird, von Thoralemen und guten Werken die Rede". Als Beweis dient 815, der aufgefaßt wird: nichts ist gut für den Menschen als Essen, Trinken und Frohsein; das begleitet ihn in seiner Welt (בעולמו statt בעמלו), in den Tagen seines Lebens (zum Grabe: לוה prägnant aufgefaßt). ״Aber es begleiten doch den Menschen zum Grabe nicht Essen und Trinken, sondern nur Thorakenntnis und gute Werke." Man versucht also, die Allegorisierung durch den Nachweis der Unmöglichkeit des Wortsinns zu erweisen und diesen Vers als maßgebendes Beispiel (בנץ אב) für die Deutung der verwandten hinzustellen. Natürlich gilt das Gleiche auch von anderen Formen des Lebensgenusses. 98 ״jederzeit seien deine Kleider rein, und Öl auf deinem Haupte fehle nicht" — diese Mahnung kann nicht wörtlich gemeint sein, da die Völker der Welt sie im Wortsinn besser befolgen können als Israel; also sind gebotene Werke, fromme Handlungen, Thoralemen gemeint106. 104 S. o. S. 56. 105 Zu dieser Stelle auch in Midr. sutta ed. Buber. 108 Nach Sabb. 153a bedeuten die weißen Kleider die Schaufädlen, das öl die Tefillin. — Etwas anders faßt Fiebig, Gleichnisreden Jesu 19, die Stelle auf; er ergänzt: wäre der Vers wörtlich gemeint, so wäre das nichts für die Juden Besonderes. Aber QR. bestreitet nicht, daß unser Buch auch allgemein״menschliche Mahnungen enthält.