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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 69

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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IRI
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A. Spruchbuch 55 also zu dem unmittelbar vorausgehenden Verse 624 die Thora preist, ״die dich vor schlechtem Wege hütet; denn es heißt, dich zu hüten vor schlechtem Weibe, vor der Zungenglätte der Fremden“, so wird er unter dem schlechten Wege gemäß der bekannten Verengerung des Begriffes 95עברה (vgl. unser ״Un- Sittlichkeit“) gleichfalls den Ehebruch verstanden haben. Anders vielleicht QR. zu 18, der Spr 58 erklärt: ,,halte von ihr deinen Weg fern — das ist Irrlehre (מעות); nähere dich nicht ihrer Haustüre — das ist Unzucht“96. Hier wird der 2. Halbvers zweifellos wörtlich verstanden; es mag aber offen bleiben, ob der erste allegorisiert oder ob die Thora im Sinne R. Meirs als Schutzmittel gegen Befleckung insbesondere durch gnostische Orgien empfohlen wird97. Sicher bezeugt ist die Allegorisierung ER. 15, 23 zu 51ד f. ,,(deine Quellen) seien dir allein, nicht Fremden neben dir“, wo unter זרים die Götzen verstanden werden, und NR. 10, 2 zu der auf zwei Verse beschränkten Warnung vor der Dime 2327 f., der die Mahnung des Weisen ,,gib mir dein Herz“ gegenübersteht98. Anscheinend hat also namentlieh MM., in dem die Allegorisierung der Buhlerin fehlt, die Warnungen des Textes vor Unsittlichkeit nicht durch Umdeutung abschwächen, sondern eher durch den Hinweis auf die Jenseitsstrafen (zu 1121) verstärken wollen99. 3. Die metaphorische Bezeichnung geistiger Nahrung und Nahrungsaufnahme durch körperliche S. 31 f. führt Taan. 7a zur Umdeutung von Spr 516 ,,mögen sich deine Quel- 95 Heinemann 275, 4. 90 Nur die erste Hälfte der Deutung־ erwähnt AdRN. § 2 S. 7a, b. — Aboda sara 17a erwähnt Deutungen, nach denen die erste Hälfte vor Abgötterei, die zweite vor der Regierung warnt, oder die erste vor Abgötterei und Regierung, die zweite vor Unzucht. Auch diese Deutungen sind also nicht ohne Einschränkung (mit H. Deutsch, Die Sprüche Salomos ... im Talmud und Midrasch 1886, 32) als Belege für Umdeutung des Ehebruchs zu verwerten, noch weniger ER. 16, 2, wo Spr 627 ff.wörtlich genommen wird. 97 Wenn Boström, Lunds Universitets 0Arsskrift 1935 (vgl. ZAW 1935, 195) darin Recht hat, daß mit der fremden Frau die Kanaanäische Liebesgöttin (und ihre Kultdirnen) gemeint ist und die Weisheit ״Ersatz für und Schutz vor‘* deren Kult sein soll, dann ist zuzugeben, daß der Midrasch den religiösen Charakter der Warnungen mit Recht hervorhebt; das Wort מינות spricht allerdings dafür, daß er an gnostische Orgien gedacht hat, wie sie etwa QR. zu 18 § 4 geschüdert werden; dort berufen sich die Teilnehmer, מינים, auf Spr 114 ״ein Beutel für uns alle“. 98 Ez 18ß ואת אשת רעהו לא טמא Wird׳ Sanh. 81a metaphorisch gedeutet. 99 Wie hoch man die sittliche Gefährdung einschätzte, zeigt CR. zu 7s ״zwei Triebe hat Gott geschaffen: den zur Abgötterei und zur UnsittKchkeit. Dieser ist bereits ausgerottet; jener steht noch in Kraft.**

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