Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
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A״ Spruchbuch 53 Vater. Daher finden sich bei vielen Mahnungen, a,uf die Stimme des Vaters zu hören, neben der wörtlichen auch allegorische Deutungen. So MM. zu 18, wo unter מופר אביך int wörtlichen Sinn ״etymologisch" das über die Ehrung des Vaters überlieferte (מסר) verstanden wird, allegorisch unter der Zucht des Vaters die schriftliche, unter der Weisung der Mutter die mündliche Thora; mit der Mutter ist also, wie Ber. 35b deutlich macht, hier (und 2824) die Gemeinde Israels als Wahrerin der mündlichen Überlieferung gemeint89. Zu 2324 f. scheint R. Aqiba eine Deutung, die den Vers (nach Pitra-Weise) auf David bezog, der sich ״seines klugen Sohnes" Salomo ״freute", zu überbieten, indem er unter dem Vater Gott, unter der Mutter die Weisheit versteht. Zu der verwandten Stelle 10! bringt MM. nur die Beziehung auf Gott unter Berufung auf seine Bezeichnung als Vater Ps 686. Verwandt ist die Bezeichnung Gottes als König, die der Umdeutung von 1428 (ברב עם הדרת מלך) auf Gebetsversammlungen zugrunde liegt; vgl. auch die unten S. 71 Anm. 5 erwähnten Deutungen. 2. Der Jude der nachbiblischen Zeit bezeichnet die Thora, mit der er sich in Treue und Liebe verbunden weiß, als die ihm angetraute Gattin (SDt 334 90(אל תקרי מורשה אלא מאורסה. Von hier aus erklärt sich die Deutung von 3110 ff. auf die Thora — die einzige zusammenhängende Allegorisierung eines über 20 Verse fassenden Sinnganzen91, die uns — wenn auch fragmentarisch und durch Deutungen anderer Herkunft unterbrochen — erhalten ist. Sie stammt von weit her, מפנינים, aus dem ״innersten" (Heiligtum Gottes), bis Moses sie zur Erde niederbrachte. Nichts fehlt in ihr. Von fern bringt sie ihr Brot (denn wer nicht bereit ist, in die Ferne zu gehen, um sie zu erlernen, der lernt sie nie). Und wenn sie (d. h. wer sich ihr hin- 89 Dieselbe Deutung schwebt Philon, De ebrietate 84, vor. Weil Philon den Bibelvers nicht ausdrücklich als solchen zitiert, glaube ich, daß er auch hier (sonstige Beispiele bei Heinemann, Phiions Bildung 526f.) aus einer schriftgelehrteren Quelle (Predigt) schöpft. Daher halte ich die in der Anm. zu Adlers Übersetzung ausgesprochene Vermutung aufrecht, daß er mittelbar die uns aus dem Midrasch bekannte Deutung benutzt. 90 Daher wird׳ RR. zu lt § 2 Hos 27 ,,gebuhlt hat ihre Mutter‘4 darauf bezogen, daß die Thora durch ihre unwürdigen Vertreter in den Ruf einer Dirne gebracht wird. — Zur Metapher darf auch an Sabb. 119a (Begrüßung des Sabbat als Braut, d1. h. Neuvermählte) und an die bekannten Nach- Wirkungen der Stelle erinnert werden. 91 Es wird sich zeigen, daß die Deutung des HL nicht in strengem Sinn ,,zusammenhängend‘4 ist.