Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 66)
- Language
- German
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52 § 3. AlLegoristik und Vorstufen: IV. Salomonische Schriften dadurch geschieden, daß die Stelle selbst in der Tat eine Allegorie enthält und mit der Frauengestalt ein Abstraktum meint, wenn auch ein anderes als der Midrasch. Die Umdeutung des Buches in religiösem Sinn, zu der dieser Bedeutungswandel führte, verstärkt sich durch gelegentliche Ausnutzung scheinbarer Undeutlichkeiten. So wird als das redende Ich zu 124; 2X Gott statt der Weisheit verstanden, gemäß einer im Midrasch häufigen Nichtbeachtung des Zusammenhangs und einem auch sonst hervortretenden Bestreben, den göttlichen Urheber der Bibel in den Dialog der Personen einzuschalten87. Ferner wird 610 gedeutet: ״wenn du (nur) wenig schläfst, (um zu Thoralernen und Gebet früh aufzustehen), nur wenig der Liebe pflegst (חבק ידים לשכב)/ dann kommt dein Haupt (ראשך, der Messias)". Also nur durch Andersverstehen des ״wenig" und eine Umdeutung des letztgenannten Wortes, zu deren Verständnis man nicht einmal die Al-tiqre-Deutungen88 zu Hilfe zu nehmen braucht, wird die Umkehrung einer Warnung zu einer Empfehlung erreicht. Aber es finden sich auch bildliche Auffassungen wörtlich gemeinter Mahnungen. Freilich handelt es sich, dem Stoffe des Spruchbuches entsprechend, meist um kleine Sinnganze. Jene zusammenhängende Umdeutung, die für die Allegoristik kennzeichnend ist, fehlt also meist — scheinbar. Denn in Wahrheit stehen sowohl die umgedeuteten Verse wie die Deutungen in sehr klarem innerem Zusammenhang. Die eigentümliche Wirkung der Allegoristik, derentwegen wir diese Erscheinung gesondert betrachteten, die einheitliche Umdeutung eines größeren Sinnganzen vermittels der Umdeutung seiner Teile, wird also auch hier erreicht. Diese Umdeutung geschieht in dreifacher Richtung. Jede dieser Auslegungsweisen nimmt ihren Ausgangspunkt von echter biblischer oder nachbiblischer Metaphorik. 1. Die beliebteste Metapher über Gott ist sein Anruf als 87 Nach EstR. 10, 1 1wacht in dar entscheidenden Nacht Est 61 der himmlische König. Vgl. ferner GR. 84, 14; 85, 12 (mehrere Beispiele); MPs. 18, 7. Auch GR. 3, 3 zu Spr 1523 (=: Jalqut) versteht Gott unter dem Manne, der sich ״seines Wortes freut“. 88 Über diese vgl. Torczyner, EJ. II 74ff. Natürlich braucht der Ausdruck ״lies nicht . . . sondern . . .“ nicht bei all diesen Deutungen zu stehen; zumal über die Vokalisation setzt man sich auch sonst sehr leicht hinweg. Aber hier hat man vielleicht nicht ר^שך gelesen, sondern ראש (Vglr den Namen des Buchstabens!) als ״Kopf“ verstanden; umgekehrt hat CR. zu 7C (ראש(ראשך פליך ככרמל ודלת ראשך כארגמן als ״arm“ aufgefaßt; Wortspiel zwischen ראש und ריש auch Joma 76b.