Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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50 § 3. Aüegoristik und Vorstufen: IV. Salomonische Schriften wand, das Buch enthalte nur ״Volksweisheit" (o. § 2 S. 16 f.). Für den Juden der nachbiblischen Zeit77 versteht sich das Lob eines arbeitsamen und sparsamen Lebens von selbst; eben deshalb klingt es ihm in der Bibel bisweilen trivial78. Überdies erwartet er gerade von den Meschalim eines Salomo weit mehr als Mahnungen zu häuslichem Fleiß und Familienzucht; denn er hat als erster79 ״viele Meschalim aufgestellt und א!ן (Qoh 12ö)y d. h. durch sie der Thora, die seither unzugänglich war wie ein tiefer, kühler Brunnen, ״ אוניםHenkel", verschafft80, wie CR. 1! § 8 es ausführt; daher gleicht das Maschal dem bescheidenen Lichte, bei dessen Scheine man Gold und Perlen finden kann; sein Wert liegt also nicht in ihm selbst, sondern in dem weit wertvolleren Aussagegegenstand, auf welchen es Licht wirft. Durch diese Anspielung auf die Person König Salomos gewinnt der Midrasch für die Umdeutung ein wichtiges, nicht eigentlich theologisches Motiv. Anlaß zur Allegorisierung gibt uns, wie wir S. 10 sahen, nicht nur die innere Unmöglichkeit, sondern auch die Trivialität einer Erzählung, bei einem Schriftsteiler, von dem man Tiefes erwarten darf. Daher erscheint der Gedanke, daß Salomonische Bücher, ganz abgesehen von ihrer Zugehörigkeit zur Bibel, mehr enthalten, als der erste Augenschein offenbart, also ״Uneigentliches" (משלים)• dem Midraschlehrer innerlich wahrscheinlich. Daß man ihn insbesondere auf das Spruchbuch anwendete, auf welches die Bezeichnung als משלים der Überschrift und dem Inhalte nach in erster Reihe 77 Lehren dies Judentums, hsg. von Bernfeld, II (1922) 59ff. 78 Es verdient Beachtung; daß Tg. J. und GR. 16, 5 die Bestimmung des ersten Menschen; den Garten zu bebauen und zu behüten; religiös umdeuten (allerdings mag auch die syntaktische Schwierigkeit des weiblichen Suffixes mitwirken). 79 Als Dichter von משלים werden bekanntlich Bileam u. a. vor Salomo genannt. Aber er ist der erste, der als Verfasser zahlreicher religiöser משלים erwähnt wird' (Ps 782 steht משל in Einzahl). Und aus dem Glauben, daß alles in der Bibel steht, folgt, daß die verschiedensten Erscheinungen (Dankesworte und Hymnen, aber auch Hungersnot und Leidien) da, wo sie in der Bibel zum ersten! Male erwähnt werden, auch zum ersten Male aufgetreten! sind. Überdies muß dahingestellt bleiben, ob der Midrasch zwischen dem Namen שלמה und dem Wort משל einen Anklang empfunden hat. Denn eine solche metathetische Etymologie (סיני von נ) wird zwar Sabb. 89a angefochten, ist aber nicht kühner als die Gleichsetzungen von אדם מאוד GR. 8,5;םמל=םלם;9 ,12 באברהם בהבראם TB. Wajjeze 7;עני יק LR. M, 9; עולם ־ עמל QR. zu 815 מצלת מליצה o. S. 15. 80 Wohl* im Anschluß an den erwähnten! Midrasch schreibt Raschi zur Überschrift:כל דבריו דוגמא ומשלים• משל התורה באשה מובד. ומשל הע״ז באשה זונה S. o. 17 über מגמא•