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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 62

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721057--061-2727614
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48 § 3. AUegoristik und Vorstufen. III. Hymnen, Weisheitsschriften i. a. liefert; höchstens könnte man an Deutungen wie Qidd. 40 b erinnern, wo 87 ״dein Anfang sei klein, dein Ende groß“ auf Diesseits und Jenseits bezogen wird70. 2. Weit größer ist die Bereitschaft zur Umdeutung der Psalmen. Hier kommt es bereits zur Forderung eines dreifachen Sinnes MPs. 18, 1: ״was David in diesem Buche gesagt hat, hat er mit Bezug auf sich, auf Israel und auf alle Zeiten gesagt“. Freilich wirkt sich diese exegetische Forderung (ebenso wie andere, denen wir bei Qoh und HL begegnen werden) nicht sehr stark aus; immerhin trägt man dem ersten Grundsatz Rechnung, indem man die Umstände, unter denen ein Psalm entstand und auf die er Bezug nimmt, genauer zu bestimmen sucht70a, — dem zweiten durch die historischen Pitra-Deutungen, — dem dritten in der Auffassung des Ps 45, dessen erste 10 Verse Targum auf den messianischen König bezieht; von 10 an laufen in Targum und Midrasch allegorische Deutungen unter, welche an die Deutung der Spr und des HL erinnern: שגל wird von der Thora verstanden, die ״uns so lieb ist, wie anderen Völkern ihre Lustfrauen“; die Vers 11 angeredete Königstochter soll die Gemeinde Israels sein (nach MPs. bis zum Ende des Psalms); der König V. 15 f. ist der König der Welt. Neben jenen drei Deutungsweisen findet sich eine Metaphorik, die bei diesen kleinen Sinnganzen weit schwerer als bei Gesetzen oder Erzählungen von AUegoristik zu trennen ist. a. Obwohl dem midraschischen Menschen durchaus nicht der Natursinn fehlt71, ist doch seine Frömmigkeit viel stärker an der Geschichte orientiert. Daher eine gewisse Neigung zur Umdeutung der Naturpsalmen im geschichtlichen Sinn. Vor allem trifft sie Einzelheiten des 104. Psalms, obwohl sich dieser, gewiß seines Wortsinns wegen, gerade in den deutschen, weniger natumahen Gemeinden einen Platz im Ritus erobert hat72. Unter dem Libanon versteht MPs. § 13 das Heiligtum73, unter den Vögeln auf seinen Bäumen die Leviten (חסידה — fromm), unter 70 Natürlich fehlt es bei dem sehr gern zitierten Buche nicht an Umdeutungen. Eine führt Bonsirven, 530 als besonders kühn an; Tos. Ber. H 14 wird Hi 389 בשומי ענן לבושו auf den Menschen, statt auf das Meer, bezogen — weil offenbar zuvor die Metapher בגיחו מרחם יצא wörtlich genommen wurde. Die Kühnheit liegt also in dkr Mißachtung des Zusammen« hangs, da 8a, 11b vom Meer die Rede ist (hierzu gibt es überaus viele Parallelen), nicht in einer Neigung zur AUegoristik. 7°a Zur Perusch-Technik s. o. S. 21. 71 L ö w, Flora der Juden. IV 12 ff. 72 I. E1 b o g e n, Gesch. des jüd. Gottesdienstes 120. 73 ParaUelen bei Bonsirven 533, 36.

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