Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2721057--058-2727611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Allegorien 45 dischen Hellenisten. Diese bezogen die Vorschriften über unreine Tiere, vielleicht z. T. durch den männlichen Ausdruck der LXX Lev 1142 rcag 6 JtoQeuöfxsvog veranlaßt61, auf Menschengruppen, ließen also die biblische Kennzeichnung als unrein, wenn auch in vergeistigter Form, bestehen. Die eben erwähnten rabbinischen Deutungen gehen insofern viel weiter, als sie den Normcharakter der Stellen völlig auf heben. Sie geben zugleich, namentlich in ihrer Beziehung auf die Zukunft, dem Bibelwort eine orakelhafte Tiefe und tragen daher alle Merkmale der Allegoristik, wenn man auch aus ihnen allerdings keine praktischen Folgerungen abgeleitet hat. Wir kommen hierauf später zurück. III. Hymnen und Weisheitsschriften im allgemeinen. Hymnen und Weisheitsschriften regen weit weniger als die sinnlichen Gegebenheiten geschichtlicher Tatsachen und ritueller Übungen zu analogischen oder symbolischen Vertiefungen an. Weit eher können wir Umdeutungen erwarten, da die Hemmungen wegfallen, die sich gerade im Judentum der Anfechtung des Wortsinnes geschichtlicher Berichte oder ritueller Vor- Schriften entgegenstellen mußten62. A. Zu solchen Umdeutungen mußte vor allem die Voraus- Setzung des Midrasch führen, die wir bereits kennen, daß auch solche Sätze aus Psalmen und Weisheitsschrifttum, die allgemein gefaßt sind, in Wahrheit auf eine bestimmte Persönlichkeit (oder einen Gegenstand) bezogen werden sollen63. Allegorisch im engsten Sinn können wir solche Deutungen nur deshalb nicht nennen, da hier V nicht außerhalb A liegt, sondern es umfaßt. Aber wir müssen die Technik dieser Deutungen kurz erläutern, da sie genau die gleiche ist, wie bei den allegorischen: ob das Lied von der tüchtigen Frau auf eine bzw. mehrere biblische Gestalten oder — in echter Allegoristik — auf die Thora bezogen wird, die Mittel sind die gleichen. Bisweilen sind solche Deutungen ganz kurz und knüpfen nur an einen Ausdruck des Textes an: etwa GR. 38, 3 משיב רעה תחת טובה] ר, יוחנן פתר קרייה בדורות הללו דור המבול מדור 61 Heinemann, Phiions Bildung* 159f. 62 Auf sentenzenartige Deutungen von Weisheitssprüchen kamen wir oben II B zu sprechen. 63 Bei richtiger Fassung des Begriffes des Pitra ist es durchaus nicht ״merkwürdig“ (Bloch MGWJ 1885, 387, 1), daß namentlich die spezifizierenden Deutungen vorwiegend den Hagiographen entnommen sind.