Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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41 Ilmdeutung von Einzelheiten und die Deutung bleibt sehr weit entfernt von der — offenbar den Wortsinn aufhebenden45 — des Apostels I Kor 99. Immerhin wird man sich auch hier nicht darüber täuschen dürfen, da& solches Hinausgehen über den Wortsinn geeignet war, der echten Allegoristik, wie sie Paulus übt, Vorschub zu leisten. C. Abweichungen vom Wortsinn in der Erklärung gesetzlicher Einzelheiten sind überaus zahlreich46. Keinesfalls gehören Stellen in unseren Zusammenhang, an denen auch neuere Erklärer die Schwierigkeit des Wortsinns anerkennen. Die sehr weite Auffassung der Worte ופרשי את השמלה Dt 2217 im Sinne der ״Aufdeckung der Sache"' bezeichnet eine Midraschstelle47 als ״uneigentlich"; aber auch kritische Erklärer bezweifeln, ob das Fehlen der Blutspur allein zur Fällung eines Todesurteils genügen sollte48. Die Auffassung der Worte ״Auge um Auge" im Sinne der Verhängung einer Geldbuße hat noch neuerdings ihre wissenschaftlichen Vertreter gefunden49. Von den allegorischen Deutungen im engsten Sinne bleiben diese schon dadurch getrennt, daß sie keine Vergeistung enthalten50. Ahnliches gilt51 von der recht schwierigen Bestimmung לא תאכלי על הדם Lev 1926, wo von einem Teile der Erklärer□^ wie sehr häufig in der Bibel, von einer ״Blutsache" verstanden wird (etwa: man muß nach Fällung eines Todesurteils fasten Sanh. 63a). Näher kommt, so paradox es klingen mag, der Allegorisierung SDt. zu 17M, wo von einer Entscheidung בק דם לדם die Rede ist und der offenbar metaphorische Gebrauch52 nicht anerkannt, vielmehr eine Streitigkeit über reines und unreines 45 Den Unterschied betont M. Guttmann, Das Judentum und seine Umwelt 252 f. 46 Sie ergeben sich T. auch daraus, daß man metaphorische Ausdrücke buchstäblich faßte. Einiges bei Aich er, Das A. T. in der Mischna 78, dessen Ausführungen allerdings nicht durchweg überzeugen. 47 S. o. S. 15, A. 8. Die anderen ^®»-״׳*Deutungen bespricht M. G u 11« mann, 27 בחינת קיום המצוות ff. (Übersetzung bei Billerbeck DI 391). Zahlreiche weitere Beispiele für Abweichungen vom Wortsinn der Gesetze bei Heller, EJ. IV 682 ff. mit Literatur. Sie können durchweg nicht als Vorstufen der Allegoristik gelten. 48 Vgl. Steuernagelz. St. 40 Jakob Horovitz in: Judaica, Festschr. für Cohen 1912, 609ff.; B. J a c o b, Auge um Auge 1929. 50 Allegorisch nennt sie E. Stein EJ. II 342. 51 Gegen Bonsirven 523. 52 Auch die jüdischen Erklärer haben das anerkannt: vgl. D. Hoffmann, Das Buch Deuteronomium I 283. Bezüglich בנע (nach SDt. ״Aussatz"‘, nach den Neueren ״Schlag“) dürfte gleiches gelten; nur liegt die Umdeutung hier zumal wegen des nachbiblischen Sprachgebrauchs naher.