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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 54

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German
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IRI
…/2720904-2721057--053-2727606
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40 § 3. Allegoristik und Vorstufen. II. Gesetze Menschen oder an sündige Mitglieder einer Gemeinschaft, bei 8a ״wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ an Pharao oder Haman. Den Übergang zu den Gesetzen veranschaulicht der Sinnspruch ״törichten Herzens ist der Ehebrecher“ Spr 632. Nach Sanh. 99b bezieht er sich auf denjenigen, der nur gelegentlich Thora lernt (wie der Ehebrecher seine Geliebte nur von Zeit zu Zeit besucht: Raschi), nach PR. lila auf einen Mann, der ein Amt nur aus Ehrgeiz übernimmt (nur Genuß, nicht Pflicht will). Beide Deutungen bestreiten das Recht der eigentlichen Warnung vor dem Ehebruch nicht, schließen vielmehr aus ihr auf innerlich verwandte Sünden. Die Anwendung dieser Methode auf Gesetze wird begreiflieh, wenn man bedenkt, daß bereits die Bibel lehrt, ״die Vorhaut des Herzens zu beschneiden“ (Dt 1016; 306; Jer 44), und von unbeschnittenen Herzen, ja, Lippen redet — der heiligen, hochgeschätzten Vorschrift also zugleich eine erweiternde, vorwiegend ethisch-religiöse Anwendung gibt. Noch deutlicher tritt die Methode — und der Abstand von den unter A 3 erwähnten symbolischen Begründungen — hervor, wenn der Siracide 258 das Verbot der Tiermischung auf ungleiche Ehen ausdehnt. Und lag es nicht in der Tat nahe, das Verbot Lev 1914, dem Blinden einen Fallstrick zu legen, sentenzenartig aufzufassen, zumal bei der metaphorischen Bedeutung, die מכשול schon in der Bibel hat, es also (mit Sifra) auf jede Versuchung eines geistig Blinden zu beziehen42? Kühner ist es, wenn das Verbot, die Grenze des Nächsten zu verrücken, nicht nur auf Gräber bezogen, sondern auch auf die Heirat mit der schwangeren oder stillenden ehemaligen Gattin eines anderen ausgedehnt wird43, oder gar, wenn Jeb. 4a das Verbot, dem dreschenden Ochsen das Maul zu verbinden, mit dem folgenden Gebot der Schwagerehe in Beziehung gesetzt und als Warnung vor unzulässigem Druck auf die Witwe gedeutet wird. Aber auch ein neuerer Gelehrter44 bezeichnet Dt 254 als sentenzenartiges ״Schlagwort“; die Methode erinnert an die des Siraziden (s. o.); 42 Vgl. B ü c h 1 e r in: Moses Maimonides ed. by I. Epstein (1935) 22 ff. 43 Belege bei Hoffmannr Midrasch Tannaim zu Dt 1914 und H. Deutsch, Die Sprüche! Salomos ... 71, 11. Im Mittelalter hat der Begriff der ״Grenzverrückung“ eine ganz allgemeine Bedeutung erlangt (Ben Je h u da, Thes. 674 f.), und er hat sie bis in die Gegenwart hinein behalten. Rein •halachische Gesetzeserweiterungen, oft durch!die ׳Wendung .דבר הכתוב בהוד eingeleitet, haben uns hier nicht zu beschäftigen. 44 Ed. König, Stilistik ... (Leipzig 1900) 83.

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