Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2721057--051-2727604- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
38 § 3. Allegoristik und Vorstufen. II. Gesetze hang zwischen Gesetzen und Begebenheiten ahnen lassen, und in noch höherem Maße symbolische Auslegungen. Die ana~ logische und die symbolische Betrachtungsweise wird auf Gesetze weit häufiger angewandt als (s. o. I A) auf Erzählungen; wir besitzen über sie eingehende Monographien35; nur zur Erläuterung der Begriffe werden ein paar Beispiele erwünscht sein. 2. Analogisch werden Gesetze selten miteinander assoziiert (Gebete mit Opfern GR. 68, 9), sehr häufig mit Tatsachen der Natur oder der Geschichte. Die Gebote sind entweder als Ersatz für bestimmte Sünden gegeben, etwa die der Frauen für Evas Sünden GR. 17,8, die Gebote Dt 1118 f. (LR. 21,5) für üble Veranlagung (Stimbinde für stolzen Blick, Tefillin der Hand für Mordsucht) — oder meist zum Lohn für Verdienste (Priestergaben entsprechend der Tat des Pinchas Chullin 134b); oft ist der Zusammenhang ganz lose, wie meist bei der Begründung der Zahl der Gebote36. 3. Symbolische Erklärungen von Geboten finden sich nicht selten. Für die Deutung der Bitterkräuter, bei deren Genuß wir das Leid unserer Väter in Ägypten gleichsam selbst schmecken sollen, beruft sich die Pessachhaggada auf Ex 114 ״die Ägypter verbitterten ihnen das Leben". Für die 4 Pflanzenarten am Hüttenfest werden LR. 30, 8 ff. (dazu Löw, Flora der Juden III 306 ff.) verschiedene symbolische Deutungen versucht: sie werden teils auf Grund ihrer Merkmale, großenteils aber auf Grund von Wortanalogien37 bezogen auf: a. Gott, b. Patriarchen oder Patriarchenfrauen, c. Synhedrion und Schriftgelehrte, d. Israel. Der Ritus tritt also, wenn wir Begriffe unserer Kultursphäre anwenden dürfen, zum religiösen Grundgedanken, zur Geschichte, zum Gesetz und zum Volksbewußtsein in Beziehung. Wir werden die gleichen Gesichtspunkte bei der Allegorisierung von Hymnen und Weisheitsschriften zu verfolgen haben. Klarer tritt der symbolische Charakter der Deutungen bei der Behandlung der Opfer hervor. Die Vorschriften, daß Gott nicht wilde, sondern nur ״verfolgte" Tiere für würdig 85 M. Guttmann, אסמכתא (Bresl. Jb. 1924) 23ff.; vgl. auch בחינת קיום המצוות (ebd. 1931) 19 ff., auch über das Verhältnis zur alexandrinischen Symbolik. Bei Billerbeck, Komm. HI 388ff. werden rationale und symbolische Deutungen nicht getrennt. Dagegen möchte Bonsirven 534ff. auch symbolische Begründungen, für welche er ein paar Beispiele gibt, mit Recht nicht als allegorisch anerkennen. 36 M. Guttmann, בחינת המצוות (Bresl. Jb. 1928) 24ff. 37 Z. B. ערבה auf Gott, weil es heißt סולו לרוכב בערבות, oder כפות תמרים auf Isaak שהיה כפות ועקוד על גבי המזבח.