Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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28 § 3. Allegoristik und Vorstufen. I. Erzählungen Menschen alle? . . .“ bemerkt MSam.: התמו weist auf Echa 423 הנערים - ,תם פונך בת ציון auf Jes 116 שאר — ,ונער קטן נהנ בם auf Jes 1021 שאר ישוב (ich führe nur die Hälfte der Deutungen an). — Zumal diese messianischen Deutungen sind sehr lehrreich. Im einzelnen spielend, fast tändelnd, weisen sie im ganzen auf einen tiefernsten, folgerichtig durchgeführten Leitgedanken der Exegese. Dies Deutungsverfahren unterscheidet sich offensichtlich von der — später zu besprechenden — spielerischen Allegoristik, obwohl auch diese eine Vertiefung sucht, ohne den Wortsinn geradezu aufzuheben. Denn diese ist nur durch äußere Gründe gehindert, aus ihren Voraussetzungen die letzten Folgerungen zu ziehen. Dagegen setzt der Glaube an den übergeschichtlichen Sinn der eigenen Vergangenheit, den wir hier kennen lernten, gerade deren Wirklichkeit voraus, wie für den Manichäer und für den Christen (sogar in noch höherem Grade) die vorzeitliche Befreiung des göttlichen Menschen und die Erlösung und Auferstehung des Heilands ״kein Ereignis bloßer Vergangenheit (sondern symbolischer Archetyp und reale Bürgschaft aller Erlösung)"10 ist, aber eben deshalb mit der Überzeugung von der geschichtlichen Wirklichkeit dieser Vorgänge sein Glaube steht und fällt. B. Bisweilen wird zwar der Wortsinn beibehalten; es wird aber den Worten neben ihm ein tieferer Sinn beigelegt. Dies war schon in den letzterwähnten Worten des Boas der Fall. Aber auch sonst kommt es vor, daß biblische Personen ״weissagen und nicht wissen was"* 11. Mitunter kommt es zu tragischer Ironie12; die Worte Rahels an ihre Schwester: ״so mag er bei dir schlafen in dieser Nacht" beziehen sich nach GR. 70,12 — auf den Todesschlaf, in dem Jakob mit Lea verbunden sein wird. . C. Überaus häufig sind natürlich Umdeutungen von Einzelheiten13. 1. Wir sprechen zunächst von Eigennamen. Bekanntlieh beruht das allegorische System des jüdischen Hellenismus wesentlich darauf, daß er den Eigennamen, fast immer mit Hilfe 10 H. Jonas, Gnosis und spätantiker Geist I 303. 11 Sota 12b: die Tochter Pharaos sagt היליכי dies Kind ist d!ein. 12 Verwandtes bei Bacher, Pal, Am. I 489, 2. Im folgenden! Beispiel faßt der Midrasch הלילה, natürlich in d e r Nacht. 13 Soweit sie durch offenbare Dunkelheit des Ausdrucks veranlaßt sind׳ (vgl. etwa PK. 110b zu• Jes 1030), lassen wir sie außer Betracht, da sie für den Willen zur Allegoristik nichts beweisen.