Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 41)
- Language
- German
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ohne Umdeutung 27 daher dem antiken und mittelalterlichen Leser* * * 5 der Bibel die erste Wanderung seines Ahnen durch das Land der Verheißung dar: Abraham zieht nach Sichern, um dort für den Sieg der Jakobssöhne zu beten; er erblickt von dort aus Gerisim und Ebal, wo Israel die Pflichten der Thora übernehmen wird; er baut einen Altar bei Ai, um wegen der Sünde Achans Fürspräche einzulegen. Die Taten wie die Schicksale der Patriarchen6 und auch des Volks in Ägypten7 sind nicht einmalige Tat- Sachen, sondern nehmen in gewisser Beziehung die Geschichte der Enkel vorweg8. Insbesondere erhalten die Geschichten von den Ahnen des Messias dadurch einen weit tieferen Sinn, daß sie sub specie futuri gesehen werden. Die Worte eines Boas an Rut enthalten ungewollte, vom heiligen Geiste eingegebene Hinweise auf die Könige, die aus ihrem Schoße erblühen werden Sabb. 113b; die sechs Maß Gerste, die er ihr gibt, weisen auf die sechs frommen Männer, die von ihr abstammen werden RR. 7, 2. Und bei der Deutung der Erzählung von Jehuda und Tamar GR. 85 werden die sittlichen Bedenken meist übertönt9 durch den Gedanken an das messianische Heil, das auf sie begründet ist: sie gibt Kunde von der Schöpfung des ״messianischen Lichtes"4 § 1; Jehudas Tat war 2 §לשם שמים, durch Engel gelenkt § 8; ja, Gott selbst bezeugt durch das Wort ממני, daß sie von Ihm gefügt war § 12; Siegel, Faden und Stab weisen auf Königtum, Sanhedrin und Messias im Hause Davids § 9. Aber auch die Erzählung von Davids Salbung erscheint in der Erklärung des Midrasch — man darf wohl sagen — messianisch geladen. Im Anschluß an den durchaus schlichten Vers I Sam 16״ ״sind das die jungen der Satz für jedes zeitliche Geschehen. Aber an dem im Text genannten Beispiel läßt sich das Recht dieser überzeitlichen Betrachtungsweise auch innerhalb der reiferen Kultur erkennen. 5 Ich zitiere absichtlich nach Raschi zu Gen 12« ff., weil in seiner kurzen Zusammenfassung die Eigenart dieser Auslegungsweise besonders deutlich wird. Quellenangabe in Berliners Ausgabe. 8 Abrahams Erlebnisse in Ägypten werden, allerdings z. T. durch Wortanalogien, genau denen seiner Nachkommen in Ägypten gleichgesetzt GR. 40, 6; TB. Lech 12. Er soll während der Theophanie sitzen bleiben, als Vorzeichen für seine Nachkommen, denen gleichfalls beim Studium und der Beratung die Schechina zu Haupten steht GR. 48, 7. 7 Heinemann, Der Morgen IX (1933) 135. 8 Solche Deutungen nennt die christliche Exegese typologisch: Sieffert, Komm, zum Galaterbrief (1899) 280. 9 Aus dieser Spannung möchte ich die Meinungsverschiedenheiten der Exegeten lieber erklären als mit Aptowitzer aus ״Parteipolitik der Hasmonäerzeit‘4,