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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 36

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 36)
Language
German
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IRI
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22 § 2. Sprachliches Erklärer in weit höherem Maße als wir, folglich aus Motiven, die nicht die unseren sind, der Bibel Rätselcharakter zuschreibt. Denn daraus folgt, daß man vom Erklärer solcher Stücke, genau wie vom Traum- und Rätseldeuter, eine intuitive Begabung, ja, Begnadung erwartet; man versteht von hier aus, daß der altjüdische Hörer einem Manne, der einen Vers ״schön zu deuten weiß", eine ganz andere Verehrung entgegenbrachte, als die Neuzeit einem noch so tüchtigen Philologen304. Nur darf nicht vergessen werden, daß sich in Traumdeutung und Rätseldeutung nicht nur ahnungsvolle Intuition, sondern auch ״Witz" im weitesten Sinne, Phantasie und Kombinationsgabe, freudig befriedigen kann. Wenn GR. 89,6 nach den falschen Deutungen der Träume Pharaos fragt, 68, 13 Jakobs Traum auf die Leiden seiner Nachkommen, 84, 10 den ersten Traum Josefs, statt auf ihn, auf seinen Nachkommen Jerobeam bezieht und auch 88,5 f. zu den richtigen Deutungen der Träume der Beamten andere, freilich bedeutungsvollere, hinzufügt (Pal. Tg. legt sie sogar Josef in den Mund), so bekundet sich hier unverkennbar Freude am geistreichen Spiel; und das Rätsellösen ist ja bei allen Kulturvölkem im Laufe der Zeit mehr eine Sache des bloßen Scharfsinns, als des Tiefsinns geworden. So schließt denn auch die Anerkennung eines geheimnisvollen Kernes des Schriftwortes und die Ehrfurcht vor diesem Geheimnis keineswegs aus, daß in dem Erraten der Deutung eine gewisse Freude am Scharfsinn sich auswirkt; wie weit dies bei den von uns zu betrachtenden ״allegorischen" Deutungen der Fall ist, wird sich zu zeigen haben40. 3®a Vgl: etwa QR. zu 62: R. Abba küßt R. Lewi auf den Kopf zum Dank für eine recht kühne allegorische Deutung. 40 דרש,Nomen und Verbum, haben, auch wo ersteres dem פשט gegen״* übergestellt wird, mit allegorischer Auslegung nichts zu tun; sie stehen eher (in Wendungen wie לדרשא הוא דאתא) vom Urgieren der Grundbedeutung eines Wortes oder Wortteiles. Näheres in Bachers Term. II unter דרש und פשט. Selbstredend kann aber דרש in seiner weitesten Bedeutung als liebevolle, sorgfältige Beschäftigung mit dem Schriftwort jede, auch die allegorische Auslegung umfassen. Konträrer Gegensatz zu דרש ist übrigens in alter Zeit weniger פשט, das oft von dem Wortsinn in unserem Gebrauch des Wortes weit entfernt bleibt, als משמע: Bacher, Term. II 221. Wörter wie עקר,עקף ,עקם (Bacher I 145 f.; n 153 f.) können tadelnd auch auf Umdeutung von Bibelversen angewandt werden: etwa אמה עוקף עלינו את המקרא. Zu עקב als erweiternder Auslegung vgl, M. Guttmann, בחינת 26 קיום המצוות.

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