Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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16 § 2. Sprachliches aber auch das Buch Hiob kann, ohne daß ihm ein allegorischer Sinn zugeschrieben wird13, משל heißen, nur weil es ungeschichtlieh ist. Von den § 1 unter A 1 besprochenen Fällen, bei weh chen A innerhalb V oder V innerhalb A liegt, wird משל im Midrasch nicht gebraucht; auf allgemeine Sätze mit besonderer Pointe hat man es auch in späterer Zeit nicht angewendet, wohl aber auf Beispiele, auch auf nicht.frei erfundene14. Aus diesem Bedeutungswandel erklärt sich eine Stelle in AdRN § 1, die für uns noch von Wichtigkeit werden wird. Nach der verbreiteteren Überlieferung (1 b Sch.) bedeuten die Worte Spr 25״ גdies sind Sprüche Salomos ״אשר העתיקו אנשי חוקיה soviel wie המתינו, also wohl: sie haben sie aufbewahrt. Abba Saul widerspricht: sie haben sie nicht auf bewahrt, sondern erläutert (u. z. nach dem folgenden apologetisch: also wohl ״als alt, ausgereift erwiesen“). ״Anfangs sagte man: Spr, HL, Qoh sind apokryph; denn man sagte, sie sind (nur) Sprüche (nach Hs. Epstein משלים הם, nach anderen משלות ohne D^uncl gehören nicht zu den (heiligen) Schriften; daher verbargen sie sie — bis die Männer der großen Synode15 kamen und sie erläuterten/' Es folgen drei ״erklärungsbedürftige" Stellen aus den genannten drei Schriften. In der von Schechter entdeckten Überlieferung S, 2a steht die gleiche Notiz gekürzt; zu dem gleichen Bibelvers wird gefragt: warum steht das? ״Ich hätte geglaubt, bei den Sprüchen (משמת), HL und Qoh, sie seien apokryph, so lange sie nach ihrem Wortsinn aufzufassen sind (עד שהן ככתבן; Schechter ändert das letzte Wort in בכתובים “ Nun folgen auch hier die drei Anstöße, sodann eine andere, auch MM. zu 25! (und Jalqut) erhaltene Überlieferung, nach welcher פירשו= העתיקו im Sinne von Gn 12g und Hi 95/ also als ״absondern" zu verstehen ist. — Hier sind, glaube ich, zwei Überlieferungen zusammengeflossen: a) eine, an Spr 25! anknüpfende, die den Genossen H i s k i a s ein Verdienst zuschrieb, das sich gemäß der Schriftgrundlage nur auf das Spruchbuch beziehen konnte, b) eine Erläuterung zu dem ersten Apophthegma der großen Synode, nach welcher diese durch ״abwartendes", also nicht übereiltes Verhalten zu den drei salomonischen Schriften deren Kanonisierung herbeiführte16. In diesem Falle möchte man 13 B. bat. 15a איוב לא היה ולא נברא אלא משל היה• Als Sinnbild' des leidenden Israel wird Hiob nie aufgefaßt. Natürlich wird aber Raschi z. St. recht haben, daß die Hiobgeschichte als lehrhafte Erzählung aufgefaßt werden soll. 14 Belege aus Gersonides bei Ben Jehuda 3388f. 15 Statt אנשי כנסת הגדולה emendiert man wohl allgemein nach der zweiten Überlieferung fTptn אנשי — und1 löst damit den Zusammenhang zwischen! der Nachricht und dem Textwort der Mischna. Ich glaube nicht, daß die Schwierigkeit der Stelle auf textkritischem Wege zu beseitigen ist: s. u. 16 Eine weitere Verquickung von Berichten über die Leute Hiskias und die große Synode sehe ich in dem Bericht Baba batra 15a oben, nach welchem jene die drei salomonischen Schriften und das Buch Jesaja redigiert haben sollen.