Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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- Origen 2× ep/1025440
- Homer 1× ep/1025156
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B: Allegoristik 13 meinde solche Erzählungen, deren Wortsinn ihr trivial oder anstößig erscheint, auch der heiligen Urkunde nicht Zutrauen will. Mit besonderer Vorliebe haben die Stoiker diese Allegoristik gepflegt und auf Philon29 und die Kirchenväter gewirkt; freilich standen diese bei der Erklärung ihrer Urkunden vor verwandten Problemen wie die Stoa bei der Auslegung des Homer. Origenes De princ. IV 8 f. bedarf der Allegoristik, um mit ihrer Hilfe das A. T. zu einem christlichen Buch zu machen, die Gnostiker abzuwehren, welche die Stellen vom Zorne Gottes auf den Demiurgen bezogen, und Erzählungen, wie denen von den Töchtern Lots und den Frauen Abrahams einen religiösen Sinn abzugewinneh. Durch die Umdeutung sollen nicht nur die Anstoße beseitigt, sondern nach Möglichkeit auch das A. T. zum Eideshelfer des neuen Glaubens gemacht werden. Natürlich bemüht sich die apologetische Allegoristik, ihren tendenziösen Charakter nach Möglichkeit zu verschleiern. Sie beruft sich nicht nur mit Grund auf die nachweisliche Metaphorik der Urkunden, sondern sie gibt sich rechte Mühe, Anstoße der wörtlichen Deutung, auch für tendenzfreie Betrachtung, herauszufinden30. So durchsichtig dies Bestreben ist, so wenig kann man sich darüber täuschen, daß auch in der apologetischen Allegoristik z. T. andere Motive unterlaufen. Vielfach befriedigt sich auch hier das Bedürfnis nach geistreichem Spiel; und wenn Origenes, genau wie der Sohar31, verschiedene Stufen des Verständnisses unterscheidet und die höchste dem ״geistliehen Menschen“ vorbehält, qui se huiusmodi studiis cum omni castimonia et sobrietate et vigiliis dedisset (a. O. IV 14), so ist offenbar das mystische Bedürfnis maßgebend, im sinnlich Gegebenen durch übernatürliche Schau das Abbild einer höheren, geistigen Wirklichkeit zu erkennen. Je weniger eine Allegoristik 29 Auch die ägyptische Allegoristik eines Chairemon und Apion ist wohl griechischen Ursprungs: G r e ß ma n n> Vortr. Bibi. Warburg ID (1926) 193. (Daß die Auslegung des Totenbuchs nichts mit Allegoristik zu tun hat, wird sich uns § 2 Anm, 38 ergeben.) Gleiches gilt für die Allegoristik des Islam: Goldziher, Richtungen der Koranauslegung 110. 30 Über Philon vgl. Heinemann, Schriften der jüd.-hell. Lit. III (1919) 9f. 31 HI 152 a; die Stelle ist übersetzt und besprochen u. a. bei D. H. Joel, Die Religionsphilosophie des Sohar (1849) 78. Sie hebt hervor, daß man ein Buch vongleichem Inhalt wie der Wortsinn der Thora selbst verfassen könne; also nicht Bedenken gegen den Wortsinn, sondern eher dessen, ,,Trivialität" geben Anstoß. — In die stoische Allegoristik spielen mystische Motive nicht häufig hinein (vgl. etwa Heraklit § 53); bei Philon sind sie handgreiflich.