Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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12 § 1. Begriffliches goras und Antisthenes24, die frühesten deutlich erkennbaren Vertreter dieser Methode, mögen es begrüßt haben, wenn sie sich auf Homer als ihren Vorgänger berufen konnten. Aber an eine ״Rettung“ Homers haben diese Männer nicht gedacht, denen nichts ferner lag als pietätvolle Schonung der Volksfrömmigkeit. c) Es kann aber auch jene Freude an der ״doppelten Bewußtseinslage“28, auf welcher der Reiz der Metapher und der Allegorie beruht, den Erklärer veranlassen, einem Text einen Doppelsinn zu unterlegen. Insbesondere haben Mystiker zu solcher Allegoristik geneigt. Zwar wenn ein Mann der Wissenschaft wie Maimuni die unanstößigen Texte des biblischen Spruchbuchs über gute und schlechte Frauen auf empfängliche und unempfängliche Materie deutet26, so handelt er nicht anders als Metrodor. Wenn aber Meister Eckhart diese Allegorisierung z. T. annimmt27, so ist schon mit Freude am Tiefsinn zu rechnen; und sicher ist diese maßgebend, wenn die Kabbala das Schlußkapitel der Spr auf den Sabbat bezieht. Natürlich stößt jede willkürliche Allegorisierung auf Schwierigkeiten. Aber gerade diese Schwierigkeiten und die Freude an ihrer Überwindung können ein neues Motiv der Allegoristik ergeben, analog jener Freude am Verrätseln und Enträtseln, die wir kennen. Anders ist es kaum zu erklären, wenn Kirchenväter auch Homer und Vergil allegorisch ausgelegt haben28. Namentlich in solchen Fällen kann die Allegoristik auch spielenden Charakter tragen. Mehrere Beispiele finden sich bei Uhland. Er will z. B. in seinem Gedicht ״Märchen“ den Namen der durch Spindelstich in Zauberschlaf versetzten Schönen erfahren haben: ״die deutsche Poesie“. Auf ihre Blüte, ihren Verfall, ihre Wiederbelebung durch Goethe bezieht er die Einzelheiten des Märchens vom Dornröschen. Er gibt kein Gleichnis — er spinnt sogar den Erzählungsfaden weiter (die Spinnerin stellt sich als ״Stubenpoesie“ vor) —, sondern Allegoristik, allerdings spielende. Solcher spielenden Allegoristik, die sich in ihrer Technik nicht von der ernsten unterscheidet, werden wir noch oft begegnen. 2. Aber allerdings findet sich sehr häufig eine a p o 1 o g e - tische Allegoristik. Sie beruht darauf, daß die aiislegende Ge- 24 Belege bei W e h r 1 i 65 ff. 25 S t ä h 1 i n 30 ff. 26 Ros in, Ethik des Maimonides 52/4. 27 Julius Guttmann in: Die Lehren des Judentums V (1929) 387. 28 Ha tch-P reu sehen, Griechentum1 und Christentum (1892), 50; Konrad Müller, Krolls RE Suppl. IV 22.