Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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B. Allegoristik 11 hervor. In diesem Falle redet man mit Recht von ״A11 e g o - r i s t i k". Nach der herrschenden Meinung20 soll die Allegoristik durchweg aus dem Bedürfnis hervorgegangen sein, einen Text, an den man wegen des Wandels der Zeit nicht mehr glauben kann, den man aber aus Pietät nicht preisgeben will, durch Umdeutung scheinbar zu retten. Sie gilt daher als eine durchaus rationalistische Erscheinung. Diese Auffassung hat m. W. noch keinen ausdrücklichen Widerspruch erfahren; sie ist aber höchst einseitig; und ihre Einseitigkeit hat gerade bei der altjüdischen Allegoristik zu irriger Beurteilung geführt. 1. Allegoristik findet sich vielfach auch bei solchen Texten, deren Wortsinn dem Erklärer nicht unerträglich wäre. a) Der erste Allegorist, über den wir Genaueres wissen, Metrodor von Lampsakos (5. Jahrh.)21, hat z. B. Achilleus als Sonne, Hektor als Mond aufgefaßt. Zur Erklärung ist daran zu erinnern, daß der Grieche sehr häufig in der Tat Himmelskörper oder Elemente meint, wenn er von Persönlichkeiten, wie Helios oder Hephaistos spricht22. Metrodor konnte also seine Deutung ebensogut für wissenschaftlich halten, wie neuere Gelehrte ihre Auffassung von Abraham dem Mondgott. Freilich ist er unbewußt geleitet durch seine Tendenz, dem Homer sein eigenes naturwissenschaftliches Interesse zuzuschreiben. Aber zu apologetischer Umdeutung infolge des Wandels der Anschauungen gab die Geschichte von Achill und Hektor natürlich keinen Anlaß; und Metrodor, der Schüler des Freigeistes Anaxagoras (der ihm übrigens als Allegorist wahrscheinlich vorausgegangen war), wäre dazu nicht der rechte Mann gewesen. b) Wie die ״physische Allegoristik4' auf dem naturkundliehen Gehalt der Göttersage, so beruht die ״ethische" auf der Lehrhaftigkeit zahlreicher Heldensagen23. Natürlich faßt auch sie das Epos anachronistisch auf; und selbst Männer wie Prota- 20 Noch Gr eßman n RGG. I2 220f.; von jüdischer Seite Ginzberg, JE. I 403 (s. u. § 4). 21 Über seine Mythendeutung vgL Nestle, Philol. 1907, 503 ff. 22 Wie sehr ,,Personen und! sachliche Begriffe ineinander überspielen“, belegt Wackernagel, Vorl. über Syntax II 1924, 62; wie leicht solche Anthropomorphismen, zumal im Epos, zur Allegoristik führen konnten, bemerkt Wilamowitz, Der Glaube der Hellenen II 215. Die landläufige Meinung steht unter dem Einfluß der Stoa, die ihre eigenen apologetischen Motive ihren Vorgängern in Bausch und Bogen zuschrieb: über das Zeugnis vgl. W e h r 1 i. Zur Geschichte der allegorischen Deutung Homers 1928, 88. 23 Natürlich dauert auch die Neigung zu lehrhafter Einkleidung über die epische Zeit hinaus. Die Geschichte von־ Herakles am Scheidewege stammt von dem Sophisten Prodikos.