Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1935
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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8 § 1. Begriffliches daß diese durch eine gewisse innere Logik wirken, wie das Gleichnis II Sam 12 trotz seines metaphorischen Schlusses (s. o.) und Lessings Ringfabel, trotz der Frage an Saladin, ob er ״sich fühle, dieser weise Mann zu s e i n“. Dagegen will die Allegorie nie etwas beweisen und nur selten (wie biblische und homerische Gleichnisse) etwas veranschaulichen8*, stets aber den Sachverhalt ״geheimnisvoll umkleiden“9. Daher tragen Allegorien, wenn in ihnen nicht (wie Ez 19!; 234) A genannt oder, wie an jener Henochstelle, unmißverständlieh angedeutet ist, Rätselcharakter10. Denn auch das Rätsel stellt die Aufgabe, aus V auf ein — innerhalb* 11 oder meist außerhalb seiner liegendes — A zu schließen; und die Bereitschaft des Hörers zu solchem Schluß ergibt sich oft auch hier (etwa beim Rätsel der Sphinx) aus der Unmöglichkeit des nächsten Wortsinns, die erst durch die Übertragung auf A entfällt. Nur liegt das Schwergewicht beim Rätsel auf der Überwindung der Schwierigkeit, bei der Allegorie auf der Darbietung des lehrhaften Gehalts. Natürlich kann V nicht nur durch Worte dargeboten werden, sondern auch durch Bilder, Schaustellungen und namentlieh eigene Handlungen. Solche Handlungen, deren Sinn über sich selbst hinausweist, nennen wir Symbole. Mit Nachdruck ist aber zu betonen, daß das Gebot einer symbolischen Handlung in der Regel durchaus wörtlich, also nicht metaphorisch oder allegorisch aufzufassen ist. Wenn dagegen dem Propheten Jer 25lö befohlen wird, den Völkern der Erde den Becher des Zornes zu reichen, so ist diese Weisung nicht zur Ausführung bestimmt, also allerdings allegorisch gemeint. Auch Metaphern finden sich in Geboten selbstverständlich. Aber auch hier ist zwischen der Anerkennung einzelner Metaphern und der völligen Allegorisierung zu scheiden. Wenn nach Dt 208 Furchtsame aus dem Heer zu entfernen sind, und ein 8a Heller macht mit Recht darauf aufmerksam, daß manche Allegorien, zumal Visionien, wie Ez 37, zugleich veranschaulichend wirken. 9*Vgl. Bultmann a. O. Das wichtige Merkmal des Geheimnisvollen fehlt der Fabel und auch der Tiergeschichte, die ihren Heldien gewisse menschliche Eigentümlichkeiten, aber sonst keine Unmöglichkeiten zuschreiben. 10 Die Ähnlichkeit zwischen Metapher und Rätsel hatte bereits Aristoteles Rhet. III 2 erkannt (Jülicher, Gleichnisreden Jesu2 38). S. auch unten § 2. 11 VgL das Rätsel der Königin von Saba MM. zu lt ,,Sieben gehen ein, Neun gehen aus. Zwei mischen, Einer trinkt.4" Anderes bei Ginzberg, Legends of the Jews IV 147 f.