Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1935-01-01 · 1935 · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1935
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2720904-2721057--020-2727573
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

A. Allegorese 7 teres ist nicht der Fall bei abgeschliffenen Metaphern5, bei denen niemand mehr an die Grundbedeutung denkt, aber im Grunde auch bei solchen, die man als ״abgekürzte Vergleiche" hat bezeichnen dürfen6: die Worte ״Gott ist mein Hirt" besagen kaum etwas anderes als ״Gott hütet uns wie Schafe" (s. o.)7• Auch die Worte ״du bist der Mann" D Sam 127 nach dem bekannten Gleichnis sind nur bestimmter, als ״du handelst wie dieser Mann" es wäre; sachlich besteht kein Unterschied. Aber allerdings gibt es auch Bildungen, auf die das Wort G. Vicos zutrifft8: Jede Metapher ist ein kleiner Mythos. Hier vollzieht sich die Gleichsetzung der ungleichen Subjekte mit solcher Kraft, daß Eigenschaften des einen auf das andere übertragen werden. Merkmale von V werden A zugeschrieben in Wendungen wie: eure Hände sind voll von Blut; ihr buhlt nach eurem Herzen. Der 23. Psalm setzt den Betenden dem Lamm gleich, das ״geweidet" wird, dann dem müden Gast, der ״Stab, Tisch und Öl" erhält; der Schluß redet ohne Bild von dem Beter, der sich nach Gottes Hause sehnt. Für uns sind von besonderer Wichtigkeit die Fälle, in welchen Merkmale von A auf V übertragen werden. Das geschieht zumal in sog. Bilderreden. So zeugt Hen 891ג ff. ein Farre einen Wildesel und einen weißen Farren, dieser ein schwarzes Wildschwein und ein weißes Schaf. Die Unmöglichkeit dieser Erzählung entfällt, sobald man weiß, daß mit dem ersten Farren Abraham gemeint und daß in der Bibel Ismael mit einem Wildesel, Esau mit einem Wildschwein, Israel mit einem Lamm verglichen wird. Solche Erzählungen, die ihren Sinn nicht in sich selbst tragen, sondern ihn erst durch die Beziehung auf den Aussagegegenständ erhalten, werden nur ausnahmsweise, wie die Schlüsselromane, auf klugen Erwägungen beruhen. Im allgemeinen sind sie mit dem Schimmer des Geheimnisvollen, Feierliehen umkleidet. In diesem Falle heißen sie Allegorien. Von den ״vergleichsartigen" Erzählungen (mit Einschluß der Parabel und des Gleichnisses) unterscheiden sie sich dadurch, 5 Bei ״Zweck“ z. B. denkt niemand an einen Reißnagel. Ganz entsprechendes gilt von konventionellen Sprachen wie dem Rotwelsch. 6 Gegen die Verallgemeinerung dieser Kennzeichnung vgl. S t ä h 1 i n, Zur Psychologie und! Statistik der Metaphern, Würzb. Diss. 1913, 43 f. 7 Die Diskussion über die Worte ״dies ist mein Leib“ Mt 2626 zeigt jedoch, daß es über die Frage, ob eine solche Abkürzung vorliegt, ernste Meinungsverschiedenheiten geben kann. 8 Angeführt bei P o n g s 14 u. ö.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.