Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1934
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 99)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2720904-2721059--098-2727549- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
59 und auch die Propheten und den Geist der Unreinheit schaffe ich weg aus dem Lande. Und wenn noch jemand prophezeit, so werden sein Vater und seine Mutter, seine Erzeuger, zu ihm sagen: Du sollst nicht am Leben bleiben, denn du hast Lüge geredet im Namen Jhw’s. Und sein Vater und seine Mutter, seine Erzeuger, werden ihn durchbohren, wenn er als Prophet auftritt. Und an jenem Tage werden die Propheten alle sich ihrer Vision schämen, wenn sie prophezeien, und sie werden keinen härenen Mantel anziehen, um zu betrügen, sondern er (der Prophet) wird sagen: Ich bin kein Prophet, ein Landarbeiter bin ich, Land ist mein Besitz von meiner Jugend an1. Und wenn man ihn fragt: Was sind das für Narben auf deiner Brust2? Dann wird er antworten: Sie stammen von Hieben her, die ich im Hause meiner Buhlen bekam.“ Dem Sprachgebrauch nach erinnern diese Sätze an Arnos, Jeremia und das Deuteronomium. An das letztere erinnert besonders die Einstellung zum Propheten, die der deuteronomischen Einstellung zum Lügenpropheten entspricht (Dt. 13, 2f.; 18, 20 f.), und das Verbot, sich Einschnitte und Glatze ״zwischen die Augen“ zu machen (Dt. 14, 1). Neu ist, daß ״die Namen der Götzen“ (13, 2) und ״der Geist der Unreinheit“ (das.) mit den Propheten zusammen aus dem Lande verschwinden sollen (das.). Und gerade diese Auffassung vom Prophetentum läßt sich aus einer Zeit heraus verstehen, in der man so weit abrückte von dem abgöttischen Kultwesen der vergangenen Zeit, daß man, wie bereits ausgeführt, für gewisse wundersame Geschehnisse in der Vergangenheit keine Erinnerungstage festsetzte, wohl, weil sie zu sehr an fremde Kultgepflogenheiten erinnerten. Der härene Mantel, den vielleicht einst Elia trug (I. Kön. 19, 13; 19; II. Kön. 2, 8; 13) und die Narben auf der Brust hatten genau so viel Ähnlichkeit mit den jetzt entschieden abgelehnten Kultsitten der Vergangenheit, wie die zu sehr in Erscheinung tretende Ekstase der Propheten. Es ist auch nicht wahrscheinlich, daß die Aufforderung, das Sukkotfest in Jerusalem zu feiern (14, 16 ff.), aus der seleucidischen Zeit stammt. In der Zeit, die langsam reif wurde für die durchgreifenden Reformen Ezras, wurde das Gesetz auch für die außerhalb Palästinas lebenden Juden als verbindlich erachtet. Dies ist deutlich Zak. 14,16 zum Ausdruck gebracht: ״Und wer übrig bleibt aus allen Völkern (die nach Jerusalem kommen), die sollen jedes Jahr hinaufziehen, 1 Statt: כי אדם הקנני מנעורי ist mit Wellhausen und Nowack: &דמה קניני ZU lesen. 2 בין ידיך bedeutet wohl: ״auf deiner Brust“, wie בין עיניך (Dt. 6, 8; 11 y deiner Stirne“.