Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1934
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
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32 durch die Reform des Josia, die den Kultus in dem jerusalemischen Tempel zentralisierte, noch verstärkt worden sein. Darum beginnt die große Rede Jeremias (7,1 ff.), die er im ,,Tore des Gotteshauses hält“ (das.), mit der Mahnung: ״Bessert eure Wege und Handlungen, dann will ich Euch an diesem Ort wohnen lassen“. Die Worte: •אשכנה אתכם כמקום הול erhalten gerade ihren tiefen Sinn, wenn man sie aus der Zeit der großen Tempelreform heraus versteht. II. Kön. 23, 4 ff. zählt die einzelnen Kultgeräte des Baal und der ASerä auf, die Josia aus dem Tempel schaffen ließ, und berichtet, wie der gesamte abgöttische Dienst in ganz Juda eingestellt wurde. Bei der Feier des Pesahfestes, das Josia nach der Reinigung des Tempels zu feiern gebot (II. Kön. 23, 21; und ausführlich geschildert II. Chr. 34, 3 ff.), muß das Gefühl des Geborgenseins im Tempel beim Volke stark vorhanden gewesen sein. Auch war ja dort das ספר התורה gefunden (II. Kön. 22, 8; II. Chr. 34, 15) und vorgelesen worden (II. Chr. 34, 30). Für Jeremia aber ist das Gerede von der Sicherheit des sündigen Volkes im Tempel Jhw’s 4 ,7) דכרי שקר.) Der Ausdruck kehrt 7, 8 wieder und erinnert an die דברי הנביא Dt. 13, 4, auf den man, weil er ein Lügenprophet ist, nicht hören soll. Der Tempel wird zur Räuberhöhle, wenn das Volk, das räubert, mordet und fremde Kulte pflegt, am Feiertag vor Gott im Heiligtum erscheint (7, 9; 10). Hier hört man dieselbe Entrüstung über die falsche Be- Wertung des offiziellen Kultus’, wie bei Arnos und Jesaja. Während aber bei Arnos Sabbat- und Neumondtage als etwas Lästiges für den tätigen Kaufmann erscheinen (8, 5) und deshalb ohne innere Anteilnahme begangen werden, erscheinen sie bei Jesaja (1, 12) als eine offizielle Institution, die mit vorgeschriebenen Opfern und Gebeten verbunden ist (Jes. 1, 13 ff.). Zu Jeremias Zeit tritt, bei größerer politischer Unsicherheit, noch das trügerische Gefühl hinzu, daß der Tempel die Sicherheit des Landes und des Volkes verbürge. Aber so wenig die Stiftshütte zu Siloh den Ort vor der Strafe Jhw’s retten konnte, so wenig ist für Jeremia Jerusalem, des sündigen Volkes wegen, vor der Katastrophe sicher (7, 12; 14), die ja schon das Zehnstämmereich ereilt hat (7, 15). Die Opfer, die das Volk Jhw darbringt, weil sie altes Herkommen sind(7, 22), verlieren ihren Sinn, wenn das Volk gleichzeitig der Himmelskönigin opfert (7, 17 ff.) Dann ist es vor Jhw besser, das Opferfleisch selbst zu verzehren (7, 21). Solche Opfer hat Jhw nie geboten (das: לא דברתי ».». ולא צויתי), der Molochdienst aber ist ihm nie in den Sinn gekommen (7, 31: אשר לא צויתי ולא עלתה על לבי). Der Ausdruck: לא עלתה על לבי findet sich auch sonst bei Jeremia