Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1934
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2721059--046-2727497- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7 man in längst vergangener Zeit — zur Zeit Josuas, der Richter, Samuels oder Salomos — die Feste anders begangen hatte als damals. Der Chronist behauptet (II. Chr. 29, 27), daß Hisqia die Priester und Leviten, sich und den Tempel aufs neue ״heiligen“ ließ, weil man ״die Türen der Vorhalle geschlossen, die Lampen ausgelöscht, kein Räucherwerk mehr angezündet und dem Gott Israels kein Brandopfer mehr im Heiligtum dargebracht hatte (II. Chr. 29, 7). Den Grund gibt die Überlieferung II. Chr. 15, 3 an: וימים רבים לישראל ללא אלדד אמת וללא כהן מירד. וללא תורה. Ais Josaphat eine Reform des alten Kultus anstrebte, mußte er Beamte und Leviten im Lande herumsenden: ללמד בערי יהודה (II. Chr. 17, 7 ff.). Daß alte Bräuche in Vergessenheit geraten konnten, zeigt Josua 5, 5; 7, wonach das Volk, das aus Ägypten gezogen war, noch beschnitten war1—die Ägypter hatten denselben Brauch — aber während der Wüstenwanderung den Brauch nicht mehr übte. Die Feier des Sabbat als Ruhetag ist für die vorexilische Zeit bezeugt2. Neben ihm ist das Begehen des Neumond- 1 Der Bericht über die Beschneidung des Volkes ist überarbeitet. Der Überar beiter wollte betonen, daß die Beschneidung früher, entspr. Gen. 17,10 f., allgemein geübt worden sei. Jedenfalls konnte den in Ägypten weilenden Juden der Brauch nicht unbekannt geblieben sein. Es ist doch auch bemerkenswert, daß die Massenbeschneidung erst vor der eigentlichen Besitznahme Palästinas erfolgt. 2 Nach Prüfung des vorliegenden keilinschriftlichen Materials dürfte sich folgendes ergeben: Nach Stellen wie II. Kön. 4, 23, Am. 8, 5; Jes. 1. 13; Hos. 2, 13, wurde der Sabbat, der neben dem Neumondstag genannt wird, durch Ruhen des Geschäftslebens, durch Aufsuchen von Gottesmännern, in freudiger Stimmung (משוש), neben anderen Festen (Hos. das.: חגים, מועדים) begangen. Diese Arbeitsenthaltung hat man mit den Vor- Schriften für die babyl. Siebenertage in Verbindung gebracht. Die Tage galten als ungünstig für gewisse Arbeiten und Genüsse, wozu auch das Tragen feiner Kleider als Zeichen der Feststimmung gehört. (Jeremias A. T. A. O, 90; Zimmern, K. A. T, 593; Hehn, Siebenzahl, 106.) Dem Fest- Charakter des altisraelit. Sabbat widerspricht: Es ist die Rede von dem ״Hirten der zahlreichen Menschen“ (re’ü nise rabäti), dem König (sarru), dem Opferbeschauer und dem Arzt, die ihre gewohnten Arbeiten nicht verrichten sollen, das Verbot, Festkleider zu tragen, Opfer darzubringen und Gebäck zu genießen (Texte bei Landsberger, 120; A. T. A. O, 90). Es sind dies die dies nefasti des 7., 14., 21., 28. und des 19. Tages des nächsten Monats. Hinzu kommt die Bemerkung Gudeas (2600 v.) vom Vollmondstag: ״Es hörte auf das Werk ihrer (der Arbeiter) Hände . . . kein Leichnam wurde begraben . . . kein Mensch, der einen Rechtsstreit hatte, ging zur Stätte des Schwures . . .“ (Winkler, Religionsgesch. u. geschichtl. Orient, 61; Benzinger, Archäologie, 380). Gegenüber den Ansichten Meinholds (Sabbat und Woche im alten Test., 1905; Die Entstehung des Sabbats, Z. A. W., 1906; Zur Sabbatfrage, Z. A. W., 1930), daß der Sabbat ursprünglich Voll-