Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1934
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2720904-2721059--045-2727496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 festes in vorexilischer Zeit. Hisqia mußte Briefe an ganz Israel und Juda senden lassen, um zur Feier des Pesahfestes nach Jerusalem zu laden (II. Chr. 30,1), das nach dem Rat der Fürsten des Königs im 2. Monat nachgeholt werden mußte, weil es an geeigneten Priestern fehlte, und das Volk, da es von dem Fest nichts wußte, gar nicht in Jerusalem war (das. 30,2; 3). Vielleicht ist dieser Bericht von der Schilderung der Pesahfeier zur Zeit des Josia (II. Chr. 35, 1 ff.) beeinflußt, aber die Notiz II. Chr. 30, 26 bleibt sehr beachtenswert: כי מימי שלמה בן דויד מלך ישראל לא כזאת בישראל. Die Darstellung der Pesahfeier des Josia (II. Kön. 23, 21) enthält die Anmerkung, daß das Fest seit den Tagen der Richter nicht mehr begangen worden ist. Nach II. Chr. 35, 18 war ״ein solches Pesahfest“ (פסח כמהו) in Israel seit den Tagen des Propheten Samuel nicht mehr gefeiert worden* 1. Es kann also auch zur Zeit der ersten schriftstellemden Propheten alte Volksüberlieferungen gegeben haben, nach denen hörten dazu, wobei sich einige Priesterklassen besonders hervortaten. (Zimmern, Neujahrsfest, 127; Landsberger, der kultische Kalender der Babyl. und Assyrer, 4); Das Laubhüttenfest, eines der Wallfahrtsfeste, ist das חג schlechthin (II. Chr. 7, 8; 9). Ein solches חג ist auch das babylonische Neujahrsfest. An ihm stattet Nabü seinem Vater Marduk einen Besuch ab, bei dem Nabüs Bildsäule auf einem Prozessionsschiff von Borsippa nach Babylon zum Marduktempel gebracht wurde. (Jastrow, die Rel. Babyl, u. Assyr. I, 121.) Den Assyrern erschien Babylonien als die alte Wohnstätte ihrer Götter. Ihre Zentren Ur, Nippur, Erech, Sippar u. a. wurden das Ziel frommer Pilger zur Zeit der Götterfeste (Jastrow, I, 233). Ähnliche Wallfahrtsfeste sind bei den Ägyptern bezeugt. (Erman-Ranke, Ägypten, 319.) Das freudige Begehen des Laubhüttenfestes ist ebenfalls üblich gewesen. (Dt. 16, 13; 14; 15) Josephus (Ant. VIII, 4,1) nennt es das iopxi] cqfuuidTT] xd׳. ^taxYj. 1 Auf das Alter des Pesahfestes weist sein Datum hin, das das des bereits erwähnten babyl. Neujahrsfestes ist (14. Nisan). Ähnliche Züge wie bei dem bibl. Feste sind: Es werden u. a. Lämmer und Schafe dargebracht (Gudea, Zyl. A. Kol. XXIV, 6; Jastrow I, 59), am Abend des 4. Nisan wird von dem Oberpriester vor Marduk das Weltschöpfungsepos rezitiert (Zimmern, das babylonische Neujahrsfest, 1926, 5 ff.), die Türflügel werden am 5. Nisan mit Zedernöl bestrichen (das. p. 11), mit dem Rumpfe des geopferten Schafbockes bestreicht (kuppuru בפר) der Priester die Kapelle (das. p. 11). Neben anderen Deutungen des Wortes פסח (siehe ״Miscellen“ von W. Riedel, ZAW, XX, 322 ff.) ist es mit assyr. pasäbu ״sich besänftigen“ zusammengebracht worden. Vergl. den Ausdruck: libbaki linuh kabittaki lipsa^: ״dein Herz möge Ruhe finden, deine Leber möge genesen“. Die Zurückführung des Wortes auf äg. poseh ״Ernte“ ist wenig einleuchtend (Riedel, das. 324). Wellhausen (Prolegomena, 86) kann das Wort nicht erklären. Zu der bibl. Erklärung von ״überschreiten“ oder ״hüpfen“ vergl. Jes. 35,6; und den Brauch der Philister, die Schwelle ihres Dagontempels nicht zu betreten (I. Sam. 5, 5).