Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1934
- Date
- 1934-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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Festtag und Kultus zur Zeit der Propheten• Der Volksfesttag in Juda und Israel stand zur Zeit der ersten schriftstellernden Propheten im Mittelpunkt eines religiösen Kultlebens, das sich im wesentlichen nicht sehr von den Kultgepflogenheiten der orientalischen Umwelt unterschied. Von den altisraelitischen Festen waren viele in Vergessenheit geraten. Bereits Jerobeam hatte das Sukkotfest, um die Wallfahrt nach Jerusalem zu unterbinden, von dem 7. Monat auf den• 8. verlegt (I. Kön. 12, 32), einen Monat, ,,den er sich selbst ersonnen hatte“ (das. v. 33). Demnach wurde das Sukkotfest ursprünglich nicht im 8., sondern im 7. Monat gefeiert, dem Monat Etämm, in dem Salomo einst die Ältesten in Jerusalem versammelt hatte, um die Lade Jhw’s in den Tempel zu bringen (I. Kön. 8, l)1. Daß es hier um die beabsichtigte Änderung eines hergebrachten Kultus ging, beweist die Errichtung eines בית במרת (I. Kön. 12, 31)2 und die Einsetzung von Priestern nicht levitischer Abkunft3. Auch die Notiz Neh. 8, 17: וישבו בסכות בי לא עשו מימי ישוע בן נון כן בני ישראל עד היום הוה scheint zu verraten, daß auch schon früher noch eine Erinnerung an die andersartige Feier des Sukkotfestes in alterZeit bestanden haben kann ,wenn auch der Bericht deut- ]ich die Spuren der Überarbeitung aus derZeit der Reform Ezras verrät. Nach Ezra 3, 4 ff. ist übrigens bereits von der jungen Kolonie, die aus Babylon zurückkehrte, das Sukkotfest feierlich begangen worden4. Deutlicher sind die Berichte über die Feier des Pesah- 1 Nach I. Kön. 6,38; ist der Tempelbau nicht im Etänim, sondern im Bül, dem achten Monat vollendet worden. 2 Der Ausdruck, der nur in den Königsbüchern vorkommt (vergl. noch II. Kön. 17, 29; 23, 19; 32) scheint die Absicht Jerobeams und seiner Nachfolger zu verraten, den Jerusalem. Tempel, der I. Kön. 6,37 u. a. a. St. •בית ה genannt wird, durch entsprechende Kultstätten in Israel zu ersetzen. 3 מקצרת העם אשר לא היר מבני לד• 4 Einige charakteristische Sitten beim Laubhüttenfest müssen, da ähnliche auch sonst vorkamen, alt sein. Nach babylonischem Festbrauch des bereits für die 1. Hälfte des 3. Jahrtausend belegten Festes der Göttin Bau, dessen Ritus später bei dem dem Marduk geweihten Neujahrsfest ausführlich geschildert wird (Zimmern, Neujahrsfest, 4) begab sich der Gott und seine Familie nach einem außerhalb der Stadt gelegenen Festhause, das von einem Hain umgeben war, wo die Volksmenge sich nach Belieben erholen konnte. Tänze, Schleudern von Fackeln und Spiele ge-